Check-in: Der Musiker aus Tadschikistan

Amon Z.: Kein Leben ohne Musik

Amon Z.: Kein Leben ohne Musik

profil erzählt jede Woche ein anderes Flüchtlingsschicksal. Den Anfang macht Amon Z., 56.

„In einem Caritas-Lager habe ich vor Kurzem eine Miniaturnachbildung einer Rubab gefunden. Auf einem dieser alten persischen Zupfinstrumente habe ich Volksmusik gemacht, als ich noch in Tadschikistan war. Musik gehörte zu meinem Leben, auch Bach, Schubert, Beethoven, Mozart. Ich spielte in Konzerthallen vor großem Publikum, bis in den 1990er-Jahren in meinem Land ein Bürgerkrieg ausbrach. Ich war gerade unterwegs, um auf einer Hochzeit zu musizieren, als mein Orchester überfallen wurde. Alle meine Kollegen wurden erschossen. Mein Sohn ist noch in Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan. Er ist 15, ich möchte, dass er zu mir nach Österreich kommt. Ich habe hier vor einigen Monaten subsidiären Schutz bekommen. Fünf Jahre habe ich darauf gewartet. Diese Zeit war sehr schwer. Ich hatte psychische Probleme und habe gelernt, dass es nicht gut ist, an die Vergangenheit zu denken – an die Zukunft auch nicht.

[Video] Check-in: Amon Z., der Musiker aus Tadschikistan

Am besten lebt man im Jetzt. Manchmal sitze ich an meinem Keyboard, das mir meine Geschwister vor zwei Jahren geschenkt haben, und zaubere mir mein eigenes Orchester herbei, obwohl ich ganz alleine bin. Ich spreche viele Sprachen, Farsi, Russisch, Usbekisch, jetzt lerne ich Deutsch. Ich mag den Klang, aber es fällt mir schwer, die Wörter im Kopf zu behalten. Ich möchte endlich arbeiten, vielleicht am Bau, wie ich es in Russland gemacht habe, nachdem ich aus Tadschikistan weg musste. Am liebsten würde ich natürlich etwas mit Musik machen. Ich könnte afghanische oder iranische Kinder unterrichten, die Rubab zu spielen, damit diese uralte Tradition nicht verloren geht. Vielleicht würde sich auch mein Sohn dafür interessieren? Manchmal denke ich doch an die Zukunft.“