Österreichs Verwaltung als Labyrinth dargestellt
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Amtshimmel: Lang lebe die österreichische Bürokratie!

Teuer, verstaubt und bürgerfern: es gibt viele negative Klischees über Ämter, Behörden und ihre Bediensteten in Ärmelschonern. Tatsächlich stimmen die meisten davon nicht. Die Verwaltung ist viel besser als ihr Ruf.

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Vasja Golar weiß zu schätzen, was er an den österreichischen Behörden hat. Der Slowene wollte 2011 eine Brauerei in seinem Heimatland eröffnen. Doch die aufwendigen Genehmigungsverfahren zur Wassernutzung für die Getränkeindustrie hätten sich Jahre gezogen. Also versuchte er sein Glück im steirischen Bad Radkersburg. Einen Monat später hatte er alle Bewilligungen. Heute braut er dort mit Bevog Bier und beschäftigt 15 Mitarbeiter.

Golars Ruckzuck-Verfahren passt so gar nicht zum Bild, das oft über die Bürokratie vermittelt wird. Doch deren Schnarchnasen-Image ist überholt. Österreichs Bürokratie ist digitaler, effizienter und auch beliebter, als man denkt. „Österreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Zufriedenheit mit öffentlichen Dienstleistungen“, schrieb die OECD in einem Bericht 2023.

Der Mann, der 70.000 öffentlich Bedienstete führt

Wer die heimische Verwaltung verstehen will, besucht am besten den Mann, der mit Abstand die meisten Staatsdiener unter sich hat: den Wiener Magistratsdirektor Dietmar Griebler.

Seit 1994 ist Griebler im öffentlichen Dienst. Heute wacht er über 70.000 Bedienstete der Stadt. Ärmelschoner hat er keine, und nicht nur der Slimfit-Anzug versprüht Manager-Esprit. Bürger nennt er „Kunden“ und Amtsservices „Produkte“. Oft fällt auch sein Lieblingswort: „Kennzahlen“.

Vor ihm auf dem Besprechungstisch liegen sie, die wichtigsten „Kennzahlen“: 625 Amtswege könnten inzwischen online erledigt werden, vom Parkpickerl bis zum Bauantrag. Fünf Millionen „Kundenkontakte“ – sagen Sie niemals Parteienverkehr dazu – würden die Wiener Bezirksämter jährlich administrieren.

Abteilungen wie die „MA 2412“ hat es nie gegeben. Ja, der Amtsschimmel wiehert schon noch manchmal. Aber das Kümmern um Anliegen steht massiv im Vordergrund.

Dietmar Griebler

Wiener Magistratsdirektor

Dass sich die Stadt vor ihren Bürgerinnen und Bürgern verstecken würde, kann man ihr nicht vorwerfen: Mit der „Sag‘s Wien“-App gibt es eine niederschwellige Beschwerde-Anwendung. „Red‘s in ein Sackerl“ war gestern, über 95.000 Kritikpunkte melden die Wienerinnen und Wiener jährlich ein. Verschmutzungen in Parks oder illegale Airbnb-Wohnungen – die sind dann ein Fall für die Gruppe für Sofortmaßnahmen, die inoffiziellen Hausmeister der Stadt.

Das „Mindset“ der Kundenorientierung soll bei seinen Bediensteten „in Fleisch und Blut übergehen“, sagt Griebler. Wie stark ist das bereits in den Magistratsabteilungen angekommen? 

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.