ATIB-Kontrolle durch Türkei stärker als bekannt

Ibrahim Olgun: Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestreitet Zugriffsmöglichkeiten aus Ankara.

Ibrahim Olgun: Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestreitet Zugriffsmöglichkeiten aus Ankara.

Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet ist ATIB-Aufsichtsratsvorsitzender.

Wie profil in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wird der umstrittene Moschee-Verband ATIB (Türkisch-Islamischen Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit) von türkischen Stellen stärker kontrolliert als bisher bekannt. Dies geht aus der „profil“ vorliegenden Vereinssatzung von ATIB hervor. Demnach fungiert der Vorsitzende des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Republik Türkei (Diyanet), Mehmet Görmez, als Aufsichtsratsvorsitzender von ATIB. Ebenfalls Mitglieder des Gremiums sind ein stellvertretender Vorsitzende des Amtes für religiöse Angelegenheiten sowie der Vorsitzende der Auslandsabteilung von Diyanet. Der Aufsichtsrat ist den ATIB-Statuten zufolge dazu berechtigt, Kandidaten zur Wahl des Vereinsvorstands vorzuschlagen.

Laut einer Stellungnahme von ATIB gegenüber profil seien die „Einflussnahmemöglichkeiten“ aus der Türkei rein „theoretisch“. Der Aufsichtsrat habe „in 25 Jahren noch nie Einfluss“ ausgeübt.

ATIB wurde 1991 gegründet und ist mittlerweile die größte muslimische Organisation in Österreich. Der Verein dient als Dachverband von 60 Moscheevereinen. Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ibrahim Olgun, ist Mitglied bei ATIB.