zu sehen ist ein Feuerwerkskörper, der in der Hand gezündet wird
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Böllerverbot in Österreich: ÖVP und SPÖ offen für Verschärfungen

Schäden in Millionenhöhe und rund 1780 Anzeigen in nur drei Bundesländern – der Jahreswechsel 2025/26 zeigt, wie gefährlich der Silvesterbrauch sein kann. ÖVP und SPÖ erwägen Verschärfungen, setzen aber vor allem auf Eigenverantwortung.

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„Böller ciao“ – so heißt die Initiative, die das private Abschießen von Feuerwerkskörpern in Deutschland verbieten möchte. Und obwohl das Böllern zum Jahreswechsel traditionell zur arbeitsintensivsten Zeit von Blaulichtorganisationen zählt und zu mehreren Millionen Euro Schaden pro Jahr führt, ist diese Debatte in Österreich bislang nicht entbrannt. Am Samstag aber sprach sich der Wiener Polizeipräsident Wolfgang Pürstl in der ORF-Sendung „Wien heute“ für ein generelles Böllerverbot aus: „Ich habe nicht viel Verständnis dafür, dass man mit pyrotechnischen Gegenständen herumläuft“, sagte er. Wohlgemerkt geht es Pürstl nicht nur um das Abschießen von Feuerwerkskörpern, sondern bereits um den privaten Besitz von Pyrotechnik. Sein Zusatz: Wenn die Politik ein solches Verbot andenkt, würde er es unterstützen.

Stellt sich also die Frage: Überlegt die Politik ein solches Verbot? Und wie stehen Pürstls Kollegen in den Bundesländern zu einem generellen Böllerverbot?

Vorneweg: Dass dieser Silvesterbrauch Mensch, Umwelt und Tierwelt belastet, ist längst bekannt. In 18 von 114 Messstellen wurde der erlaubte Höchstwert für Feinstaub (50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) am 1. Jänner 2026 überschritten – jener Grenzwert, ab dem die Luft als gesundheitsschädlich gilt. Die Schäden in der Silvesternacht beliefen sich zuletzt auf bis zu 4,5 Millionen Euro, wie die Wiener-Städtische-Versicherung für den Jahreswechsel 2024/25 ausgewertet hat. Umfasst sind Sachschäden bei Fahrzeugen, genauso wie Haus- oder Wohnungsbrände, die durch Feuerwerkskörper ausgelöst werden, aber auch Körperverletzungen und deren Nachbehandlung. Wie hoch diese Summe für die Silvesternacht 2025/26 ausfällt, soll frühestens Ende März dieses Jahres feststehen.

Auch Tiere leiden unter der Knallerei. Lärm und Licht versetzten sie nicht nur in Stresssituationen, Wildtiere und Vögel würden aufgrund der Knallkörper oftmals bis zur absoluten Erschöpfung die Flucht ergreifen, erklärte Thomas Wallner, Referatsleiter der „Boden.Wasser.Schutz.Beratung“ der Landwirtschaftskammer Oberösterreich in einem Blogbeitrag kurz vor dem Jahreswechsel 2025/26. Die Auswirkungen der Silvesternacht seien in der Landwirtschaft zudem Jahre später spürbar: Plastik- und Metallreste von Feuerwerkskörpern können sich später im Futter von Nutztieren oder im Grundwasser wiederfinden.

Gesetzliche Lage in Österreich

In Österreich regelt das Pyrotechnikgesetz 2010 den Umgang mit Feuerwerkskörpern. Die Gesetzgebung unterscheidet vier Kategorien nach Gefährlichkeitsgrad: F1 für Artikel wie Wunderkerzen, F2 für klassische Feuerwerkskörper wie Raketen und Böller, und F3 sowie F4 für stärkere Feuerwerke, die nur von Erwachsenen ab 18 Jahren und mit behördlicher Genehmigung gezündet werden dürfen. Altersgrenzen gelten entsprechend: F1 ab 12 Jahren, F2 ab 16 Jahren. In Ortsgebieten ist das Zünden von F2-Feuerwerk in der Regel verboten, lokale Behörden können weitere Beschränkungen erlassen. Illegaler Besitz, Import oder Verkauf nicht zugelassener Pyrotechnik ist strafbar, und Polizei sowie Zoll überwachen die Einhaltung der Vorschriften.

ÖVP und SPÖ offen für Verschärfungen

Gründe für ein privates Böllerverbot, wie es in den Niederlanden im Vorjahr beschlossen wurde, gibt es also genug. Dort dürfen Privatpersonen ab dem Jahreswechsel 2026/27 keine Feuerwerke mehr zünden. Eine Maßnahme, die hierzulande die Grünen begrüßen würden. Bereits im vergangenen Jahr hätten sie im Innenausschuss ein Verbot gefordert – ohne Erfolg, so Agnes Prammer, Sprecherin der Grünen für Inneres und Sicherheit. SPÖ und ÖVP verweisen darauf, dass bereits sehr viel verboten sei, „sollte es weitere Lückenschlüsse brauchen, steht die SPÖ solchen offen gegenüber, weil die Gefahren von Böllern und Co. für Mensch, Tier und Umwelt klar überwiegen.“, heißt es aus dem SPÖ-Parlamentsklub. Ein Sprecher der Volkspartei betont, dass ein generelles Böllerverbot zwar nicht Teil des Arbeitsprogramms der Bundesregierung sei, „punktuelle Verschärfungen“ seien aber denkbar. Wie die FPÖ zur Frage eines generellen Böllerverbotes steht, ließen die Freiheitlichen unbeantwortet.

Die Neos lehnen ein Verbot ab und verweisen auf bereits bestehende strenge Regeln. „Ein Verbot, das nicht kontrolliert wird oder dazu führt, dass illegale Böller importiert werden, wäre sinnlos. Wir appellieren daher an die Vernunft: (...) Wer daran denkt, dass jedes Jahr zig Menschen rund um den Jahreswechsel schwerst verletzt im Spital landen oder sogar sterben und die Haus- und Wildtiere durch die Knallerei in Todespanik geraten, der beschränkt sich darauf, zu Silvester die Sektkorken knallen zu lassen“, sagt Neos-Generalsekretär und Sicherheitssprecher Douglas Hoyos.

Landespolizeidirektion gegen Verschärfungen

Auch Pürstls Amtskollegen in den Bundesländern sehen die Sachlage ähnlich wie die Neos. Der Tenor fast aller Landespolizeidirektionen fällt einheitlich aus: Die gesetzlichen Regelungen seien streng genug, Pyrotechnik sei in Ballungsräumen de facto bereits verboten. Was es brauche, sei keine Verschärfung der Gesetze, sondern mehr Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. „Nur durch Einfordern der Eigenverantwortung kann hier eine nachhaltige Veränderung stattfinden“, schreibt der Sprecher der Landespolizeidirektion Niederösterreich in einer Stellungnahme gegenüber profil.

Wie sehr die Silvesternacht die Exekutive auf Trab hält, zeigt ein Blick auf die Anzeigenstatistik. Bundesweit wurden hunderte Anzeigen nach dem Pyrotechnikgesetz erstattet, in Vorarlberg rund 900, 768 in der Steiermark, in Niederösterreich waren es 112. Dazu kamen Sachbeschädigungen durch Pyrotechnik – etwa Mülltonnensprengungen in Kärnten – und mehrere Brände, ausgelöst durch Feuerwerkskörper. Neben den Anzeigen nach dem Pyrotechnikgesetz seien auch mehrere Körperverletzungsanzeigen aufgenommen worden – „immer in Begleitung starker Alkoholisierung der Beteiligten“.

Eigenverantwortung unter dem Einfluss von Alkohol – eine Kombination, auf die sich die Verantwortlichen in Österreich wohl auch künftig verlassen wollen.

Julian Kern

Julian Kern

war bis März 2026 Journalist im Digitalteam.