Endergebnis: Van der Bellen siegt mit knapp 54 Prozent

Endergebnis: Van der Bellen siegt mit knapp 54 Prozent

Alexander Van der Bellen steht endgültig als neuer Bundespräsident fest. Mit der Auszählung der Briefwahl-Stimmen, die Dienstagvormittag abgeschlossen wurde, baute er den Vorsprung gegenüber seinem Kontrahenten Norbert Hofer noch einmal deutlich aus und kam auf knapp 54 Prozent.

Mit den Briefwahlstimmen, die am Dienstag vollständig ausgezählt wurden, kommt der ehemalige Grünen-Chef auf schlussendlich 53,8 Prozent der Stimmen.

Ohne Briefwahl war der Vorsprung Van der Bellens noch deutlich geringer, nämlich 51,7 gegen 48,3 Prozent. Überhaupt viel enger ging es bei der ersten, vom VfGH aufgehobenen Stichwahl der beiden Kandidaten am 22. Mai zu. Damals trennten Van der Bellen und Hofer überhaupt nur knapp 31.000 Stimmen.

Warten auf die Briefwahlstimmen nach Van der Bellen-Sieg

Nach dem Sieg von Alexander Van der Bellen bei der Wiederholung der Bundespräsidentschafts-Stichwahl vom Sonntag wartet die Republik nun auf die Auszählung der Briefwahlstimmen. Am Wahlsieg des ehemaligen Grünen-Chefs werden diese nichts mehr ändern, der Vorsprung zu FPÖ-Kandidat Norbert Hofer dürfte vielmehr noch größer werden. Außerdem könnten mit Salzburg und Niederösterreich zwei weitere Bundesländer an Van der Bellen fallen. Die Auszählung könnte eventuell bis Dienstag dauern.

Christian Rainer zum Wahlausgang

86,4 Prozent für Van der Bellen in Heimatgemeinde Kaunertal - Hofer holte im Salzburger Muhr mit 84,5 Prozent bestes Ergebnis

Der Sieger der Bundespräsidentschaftswahl Alexander Van der Bellen konnte in seiner Heimatgemeinde im Tiroler Kaunertal mit 86,4 Prozent (ohne Wahlkartenstimmen) sein Top-Ergebnis einfahren. Ebenfalls stark war der Ex-Grünen-Chef in Wiener Bezirken. Norbert Hofer punktete vor allem in kleineren und mittleren Gemeinden stark, wo er viele Ergebnisse rund um die 80-Prozent einfahren konnte.

Die Dominanz von Van der Bellen in den städtischen Ballungsgebieten zeigt sich auch anhand dessen Top-Ergebnissen bei der Wahl vom Sonntag. Zwar konnte der künftige Bundespräsident in nur 28 Gemeinden bzw. Wiener Bezirken die 70-Prozent-Marke überspringen, dabei waren allerdings zahlreiche stimmstarke Wiener Gemeindebezirke.

Hofer hingegen holte hingegen in knapp über 100 Gemeinden mehr als 70 Prozent Stimmenanteil, allerdings waren darunter vor allem eher kleinere und mittlere (Land-)Gemeinden.

Van der Bellen erzielte - neben dem Kaunertal - in drei Wiener Bezirken (Wien-Neubau, Wien-Josefstadt und Wien-Mariahilf) mit 81, 78,8 und 78,5 Prozent seine besten Ergebnisse. Den geringsten Zuspruch erfuhr der Wirtschaftsprofessor in der Salzburger Gemeinde Muhr im Lungau (Bezirk Tamsweg) mit 15,5 Prozent der Stimmen.

Hofer fuhr dort mit 84,5 Prozent der Stimmen sein bestes Ergebnis ein. Den Sprung über die 80-Prozent-Marke schaffte der FPÖ-Kandidat in vier weiteren Gemeinden: In der burgenländischen Gemeinde Wiesfleck, der südoststeirischen Gemeinde Unterlamm sowie den Tiroler Kleingemeinden Spiss und Gerlosberg.

Herbert Lackner über das Ergebnis

19:00 - Van der Bellens Ziel: "Unser" Bundespräsident werden

Das Ziel Alexander Van der Bellens ist es, dass die Leute im Laufe der Zeit sagen: "Schau, da ist 'unser' Bundespräsident". Das erklärte des frisch gewählten Bundespräsidenten am Wahlsonntag im Web-TV mehrerer Zeitungen. Im ORF betonte er, er wolle auf die Wähler aller Parteien zugehen, auch auf jene der FPÖ.

Noch am Samstag, am Tag vor der Wahl, habe er sich gedacht: "Uff, ich weiß nicht", heute sei er aber wieder "frohgestimmt" gewesen, so Van der Bellen im Live-Studio von "OÖN", "Kleine", "TT", "SN", "VN" und "Presse". Norbert Hofers "Taktikwechsel" vergangenen Donnerstag im ORF-Duell war für Van der Bellen "schwer einzuschätzen".

Bisher habe er sich "voll und ganz auf die Wahl konzentriert", sagte der Ex-Grünen-Chef weiter. Der Vorbereitung seiner Amtszeit als Bundespräsident will er sich ab nächster Woche widmen. "Heinz Fischer wird mir sicher helfen". Angelobt wird Van der Bellen am 26. Jänner.

Im ORF-Fernsehen verwies Van der Bellen auf eine "ganz breite Bewegung" als Erfolgsgrund. Solidarität, Freiheit und Gleichheit seien Werte, die die Mehrheit der Österreich unterschreibe. Die Wähler von Hofer und der FPÖ "haben durchaus berechtigte Sorgen", diese "realen Befürchtungen" müsse man ernst nehmen, so Van der Bellen.

18:45 - Hofer "nicht böse" - "Der Wähler hat immer recht"

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer möchte die Erfahrung der Präsidentschaftskandidatur trotz seiner Niederlage nicht missen. "Ich bin nicht böse, in einer Demokratie hat der Wähler immer recht", sagte Hofer am Sonntag in der Hofburg gegenüber dem ORF. Hofer meinte, dass die Wahlempfehlung von ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner den Ausschlag für Alexander Van der Bellen gegeben haben könnte.

18:10 - Gabriel: "Ganz Europa fällt Stein vom Herzen!"

Der deutsche Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel hat in einer ersten Reaktion den Wahlsieg des ehemaligen Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen über den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer bei der Bundespräsidentenwahl als "Sieg der Vernunft" begrüßt. "Ganz Europa fällt ein Stein vom Herzen", sagte der deutsche Wirtschaftsminister am Sonntagabend der "Bild"-Zeitung.

"Sollten sich die Prognosen bestätigen, ist das Ergebnis der Wahl in Österreich ein klarer Sieg der Vernunft gegen den Rechtspopulismus". Gabriel gratulierte Van der Bellen "auch im Namen der gesamten deutschen Sozialdemokratie" zu seinem Wahlsieg.

17:50 - Wahlmotiv der Van der Bellen-Wähler: Rechtsruck verhindern

30 Prozent der Wähler Alexander Van der Bellens wollten einen Rechtsruck im Land verhindern. Bei Norbert Hofer war das Wahlmotiv Nummer eins "Asylkrise/Zuwanderung/schaut auf die Österreicher". 28 Prozent der Hofer-Wähler gaben diesen Grund an. Das ergab eine Online-Umfrage von Meinungsforscher Peter Hajek für ATV unter 500 Personen. 38 Prozent der Nichtwähler sprachen beide Kandidaten nicht an.

Ex-EU-Kommissar Fischler zum Ergebnis: "Van der Bellen hat durch seine Offensive am Land am Ende noch zusätzliche Stimmen holen können. Hofer hat seine aggressive Gangart beim letzten TV-Duell geschadet. Solche Töne mögen die Österreicher nicht."

Ex-EU-Kommissar Fischler zum Ergebnis: "Van der Bellen hat durch seine Offensive am Land am Ende noch zusätzliche Stimmen holen können. Hofer hat seine aggressive Gangart beim letzten TV-Duell geschadet. Solche Töne mögen die Österreicher nicht."

17:10 - Van der Bellen ist Bundespräsident!

Laut der ersten Hochrechnung kommt Alexander Van der Bellen auf 53,6 Prozent der Stimmen, Norbert Hofer auf 46,4. Bei einer Schwankungsbreite von 1,2 Prozentpunkten ist Van der Bellen somit uneinholbar in Front!

16:30 - Interesse an den Kandidaten auf Google im zeitlichen Verlauf

13:53 - FPÖ-Chef Strache erwartet erneut knappes Ergebnis

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Sonntag bei seiner Stimmabgabe zur Bundespräsidentenwahl alle Wähler noch einmal aufgerufen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Für den Wahltag zeigte sich Strache "sehr zuversichtlich und hoffnungsfroh". Der FPÖ-Chef erwartet wieder ein knappes Ergebnis.

+++ Unsere aktuelle Titelgeschichte: Im Zweifel für Van der Bellen +++

Einen Wahlsieg von Van der Bellen würde er "respektieren, das ist in einer Demokratie so". Nach der Stimmabgabe machte sich der FPÖ-Obmann in sein Büro auf, wo er am Nachmittag gemeinsam mit dem FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer auf das Eintreffen der Wahlergebnisse warten wollte.

13:31 - Wahl in Vorarlberg bereits wieder beendet

In Vorarlberg ist die Stichwahl zur Ermittlung des neuen Bundespräsidenten bereits beendet. Wie im westlichsten österreichischen Bundesland üblich schlossen die letzten Wahllokale um 13.00 Uhr. Eine höhere Wahlbeteiligung als bei der ersten Stichwahl schien wahrscheinlich.

Um 13.00 Uhr standen die Ergebnisse in etlichen kleinen Ortschaften bereits fest, es waren die Stimmen in 53 der 96 Vorarlberger Gemeinden mit 43.263 der insgesamt 271.687 Wahlberechtigten ausgezählt. Gerade erst begonnen wurde die Auszählung freilich in den größeren Orten und Städten im Rheintal.

Offizielle Angaben zur Wahlbeteiligung gibt es nicht. Da der VfGH die Stichwahl vom Mai auch wegen der vorzeitigen Weitergabe von Resultaten durch die Wahlbehörden aufgehoben hat, besteht diesmal eine strikte Sperre für alle Informationen, die die Wahl beeinflussen könnten.