Österreichs Minister mit Kolleginnen und dem Oberbefehlshaber des Bundesheeres
Welche Minister beim Bundesheer, Zivildiener oder untauglich waren
Vergangene Woche legte die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, ÖVP, im Juni 2025 eingesetzte Wehrdienstkommission ihren Bericht vor und empfahl darin das Modell „Österreich PLUS“: Verlängerung des Wehrdienstes von sechs auf acht Monate plus verpflichtende Truppenübungen im Ausmaß von zwei Monaten bis zum 30. Geburtstag. Bei der Wiedereinführung der 2006 abgeschafften Truppenübungen herrscht Einigkeit unter den drei Regierungsparteien. Der Verlängerung des Wehrdienstes auf acht Monate stehen SPÖ und Neos skeptisch gegenüber. Wie also könnte eine Lösung aussehen? Bundeskanzler Christian Stocker, ÖVP, kündigte am heutigen Freitag eine Volksbefragung zur Zukunft des Wehrdienstes an.
Im Ergebnis könnte sich also der Soldatendienst für Österreichs junge Männer insgesamt verlängern – was die Frage aufwirft: Waren eigentlich die männlichen Regierungsmitglieder beim Bundesheer?
Auf ein Rundmail von profil antworteten alle Ministerien und Staatssekretariate, allein vom Büro von Bundeskanzler Stocker (ÖVP) gab es trotz Nachfrage keine Rückmeldung.
Von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) wusste man bereits, dass er nach dem Wehrdienst (als Panzergrenadier) Zeitsoldat (in der Heereskraftfahrschule Baden) war. Über seine Soldatenzeit sagt Babler: „Das Bundesheer ist identitätsstiftend. Mein Verständnis für ein neutrales Österreich wurde dort durch praktische Erfahrung mitgeprägt.“
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) war Jäger im Bereich des Militärkommandos Oberösterreich sowie Arztschreiber und fand es „bereichernd, erstmals allein in einem neuen Umfeld zu sein, Kameradschaft zu erleben, viele Erlebnisse zu sammeln und viel Praktisches zu lernen“.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) absolvierte seinen Grundwehrdienst beim Landwehrstammregiment 37 in Niederösterreich und war im Dienstrang eines Korporals Truppenkommandant am Schweren Granatwerfer. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) diente als Aufklärer beim Landwehrstammregiment 61 in Kranebitten und war im Grenzeinsatz im Burgenland.
Der härteste Soldat unter allen Koalitionsmitgliedern war zweifelsfrei Jörg Leichtfried, Staatssekretär für die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst im Innenministerium. Leichtfried, SPÖ, war Oberwachtmeister, Beobachtungsunteroffizier, Milizsoldat in einer Jagdkampfkompanie und ist Inhaber des Nahkampfabzeichens in Bronze beim Jagdkommando.
Auch die zwei anderen Staatssekretäre haben beim Bundesheer gedient: Alexander Pröll (ÖVP) als Sanitäter in Wien, Sepp Schellhorn (Neos) als Kommandofernschreiber im Heeresfernmelderegiment II in St. Johann im Pongau. Pröll: „Beim Bundesheer habe ich Disziplin, Ordnung und Kameradschaft gelernt. Eigenschaften, die mir im späteren Leben geholfen haben.“ Auch Schellhorn, in der Regierung für Entbürokratisierung und Deregulierung verantwortlich, lernte beim Heer fürs spätere Politikerleben: „Nach intensiver Grundausbildung, für die ich mich noch heute bedanke, durfte ich schon damals die unergründlichen bürokratischen Meldepflichten in Form des damaligen Kommunikationsmittels Telex am Beispiel der Wetterbeobachtung nach Linz/Hörsching erleben.“
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) war Zivildiener beim „Verein Wiener Jugendzentren“. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) leistete seinen Zivildienst beim Roten Kreuz in Salzburg. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) war aufgrund einer Sehbeeinträchtigung untauglich.