Check-in: Heba aus dem Irak

"Meine drei Töchter kennen Bagdad nur noch als staubige Stadt"

"Meine drei Töchter kennen Bagdad nur noch als staubige Stadt"

Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte. Diese Woche: Heba*, 36, aus dem Irak.

Ich habe von Österreich geträumt. Mein Vater hat in den 1970er-Jahren dort Urlaub gemacht und von einem grünen Land, lieben Menschen und schmucken Städten erzählt. Wir waren eine wohlhabende Bagdader Familie. Als ich 2003 heiratete, begann der Krieg im Irak. Meine drei Töchter kennen Bagdad nur noch als staubige Stadt, mit Leichen in den Flüssen, mit Anschlägen und Stromausfällen. Ich dachte oft an die Geschichten meines Vaters. Auf den Weg nach Wien machte ich mich schließlich wegen meiner ältesten Tochter. Sie wurde durch Bomben splitter schwer verletzt und muss immer wieder operiert werden. Die Krankenhäuser in Bagdad sind schlecht.

Die 500 Kilometer weite Autofahrt an die türkische Grenze dauerte vier Tage, wir mussten viele Umwege nehmen, weil die Gefahr bestand, IS-Terroristen in die Hände zu fallen. Ein Jahr saßen wir in Ankara fest, ohne Geld. Im Juli kamen wir endlich nach Österreich. Wir wohnen jetzt in einem Flüchtlingshaus der Diakonie in Wien. Die Mädchen gehen zur Schule, meine älteste Tochter wurde gerade im AKH operiert. Im Irak war ich Hausfrau. Hier möchte ich eine Ausbildung zur Friseurin beginnen. Neulich hat uns eine österreichische Freundin in den Tiergarten Schönbrunn eingeladen. Da ging das Vokabellernen wie von selbst.

*Name von der Redaktion geändert.