Check-in: Ibrahim aus Afghanistan

Check-in: Ibrahim aus Afghanistan

Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte. Diese Woche: Ibrahim, 21, Student aus Afghanistan.

5 Grad hat es tagsüber in der afghanischen Hauptstadt Kabul, jener Stadt, in der Ibrahim drei Jahre lang studierte, bevor er floh. Wien hält derzeit bei ein paar Grad über null. Der 21-jährige Afghane hat sich Österreich wärmer vorgestellt, er leidet unter der Kälte. Umso warmherziger war der Empfang in Österreich, als er im steirischen Spielfeld die Grenze überschritt. „Die Leute waren nett und friedlich.“ Also beschloss er, dass Österreich sein Land werden sollte, und suchte um Asyl an. Zu Afghanistan fallen ihm die Selbstmordanschläge ein; die Taliban, die den Weg in die Nachbarprovinz belagern; und natürlich seine Familie, die dort noch immer wohnt. „Es ist sehr gefährlich dort.“

Ibrahim, Student aus Afghanistan, erzählt seine Geschichte

Seit einem Monat harrt er nun im Ferry-Dusika-Stadion aus, das eigentlich als Transitquartier gedacht war. „Ich hätte mir Österreich anders vorgestellt. Das hier ist kein guter Platz. Hier ist es nicht sauber, manche haben keine warme Kleidung, keinen richtigen Schlafplatz, das Essen ist manchmal gut, manchmal nicht.“ Er selbst hat sich aus Holz ein richtiges Bett gezimmert.
Will er mit der Bim zum Deutschkurs, fehlt ihm oft das Geld für das Ticket. „Das kostet über 100 Euro“, weiß er über die heimischen Strafen Bescheid. Er wird noch länger im Dusika-Stadion bleiben müssen, habe ihm die Diakonie gesagt, weil Quartiere fehlten. Er gibt aber die Hoffnung auf Asyl, einen Studienabschluss und einen Büro-Job nicht auf – und auf sonnigere Tage am Stephansplatz, den einzigen Ort, den er bisher abseits seiner täglichen Flüchtlingsroute in Wien kennengelernt hat.