Doskozil hofft wie sein Arzt Andreas Dietz acht Jahren nach der ersten Diagnose auf vollständige Genesung.
Doskozil ließ sich Kehlkopf entfernen: Kann er Landeshauptmann bleiben?
„Bei der ersten Beurteilung in Wien wurde mir gesagt: Der Kehlkopf muss raus.“ So erinnerte sich Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in einem profil-Interview vor drei Jahren an seine erste Diagnose. Doskozil sprach damals offen wie nie über seine Stimmprobleme, die ihn seit fast zehn Jahre begleiten. Jetzt war es soweit: Der Kehlkopf kam raus. Vor Ostern ließ er den Eingriff in Leipzig vornehmen.
Es ist der Versuch eines Befreiungsschlages. Zehn Operationen an den Stimmbändern hatte sich Doskozil in den vergangenen Jahren unterzogen, um diese seltene Kehlkopferkrankung in Schach zu halten und bei Stimme zu bleiben. Das Pflaster am Hals wurde zu einer Begleiterscheinung, ebenso wie die Finger, mit denen er beim Sprechen das noch frische Operationsloch abdichtete.
Doch der Zustand hatte sich durch die laufenden Eingriffe nicht verbessert. Und anstatt immer wieder zur OP nach Deutschland zu reisen und danach für Wochen auszufallen, entschloss sich Doskozil nun zur ultima ratio.
Alternativen zur „Roboterstimme“
Die Entfernung des Kehlkopfes soll nun die letzte Operation gewesen sein. Aber kann er ohne Kehlkopf Spitzenpolitiker bleiben? Ohne Stimme könne er sich die Politik nicht mehr vorstellen auch das sagte Doskozil damals im profil-Interview. Doch der Burgenländer ist überzeugt, sich im Amt zu halten. Er will in den Wochen und Monaten nach der Operation eine sogenannte „Prothesenstimme“ lernen.
Denn nach der Entfernung des Kehlkopfs wurde ein kleines Ventil eingesetzt, das Luft aus der Lunge in den Rachen umleitet. Diese Luft bringt dort Gewebe zum Schwingen, wodurch ein Ton entsteht, den man mit Mund und Zunge zu Sprache formt. Solche Ventile werden in der Regel alle paar Monate durch einen kurzen Eingriffe gewechselt. Sein behandelnder Arzt, Andreas Dietz, meint, sein Patient könne nach einer Regenerations- und Trainingsphase wieder gut und voraussichtlich sogar besser sprechen als zuvor.
Durch diese vergleichsweise neue Methode erspart sich Doskozil eine elektronische Sprechhilfe, die in der Vergangenheit zum Einsatz kam und die Stimme roboterhaft klingen ließ. Die „Prothesenstimme“ kommt der Original-Stimme näher, ist aber in der Regel rauer, kratziger und wegen der fehlenden Stimmbänder monotoner. Mehr als Zimmerlautstärke zu erreichen ist schwer, lange Reden können ermüdend sein. Aber das ist Doskozil schon gewohnt.
Als er sich von einem Jahr der Wiederwahl stellte, waren seine massiven Stimmprobleme nicht nur ihm, sondern auch seinen Wählern mehr als bewusst. Er hatte damals schon acht Operationen hinter sich. Er holte 46,4 Prozent (- 3,5 %) und blieb Landeshauptmann.