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profil-Morgenpost
03/11/2022

Ein Turbo für die Energiewende

Tut Putin mehr für den Klimaschutz als die „Fridays for Future“-Bewegung?

von Christina Hiptmayr

1,86 Euro morgens, 1,99 Euro abends, 2,09 Euro tags darauf: Die Preisentwicklung geriert sich durchaus dynamisch. Jedes Mal, wenn ich an der Tankstelle vorbeikomme, ist der Liter Superbenzin schon wieder teurer geworden. Und während Sie diese Zeilen lesen, sind die genannten Zahlen vermutlich längst obsolet. Wenn das in diesem Tempo weitergeht, wird es nicht lang dauern, bis vor dem Komma eine Vier steht.
Dass sich die Rohstoffpreise im Höhenrausch befinden, bemerkt man nirgendwo so unmittelbar wie an der Zapfsäule. Bereits in den vergangenen Monaten stiegen die Kosten für Energie deutlich an, der Einmarsch Russlands in der Ukraine sorgte nun für eine Preisexplosion bei Öl und Gas.

Während über Mariupol und Charkiw Bomben abgeworfen werden und unsägliches Leid verursachen, bemerkt man hierzulande, dass es vielleicht doch nicht die beste Idee war, sich in Sachen Energieversorgung in die totale Abhängigkeit zu begeben. (An dieser Stelle möchte ich Ihnen nochmals das diesbezüglich sehr aufschlussreiche Interview von Michael Nikbakhsh mit dem ehemaligen OMV-Chef Gerhard Roiss ans Herz legen.)

Möglicherweise erleben aus Sorge vor stillstehenden Fabriken und kalten Wohnungen vielleicht sogar klimaschädliche Kohlekraftwerke und Nuklearenergie eine Renaissance. Doch plötzlich finden nicht nur ein paar Ökofuzzis Erneuerbare richtig gut. Christian Lindner etwa, deutscher Finanzminister und FDP-Vorsitzender, nennt sie sogar „Friedensenergien“. All jenen, die die Energiewende bis vor kurzem noch als Traumtänzerei abtaten, kann es damit plötzlich nicht schnell genug gehen.

Doch wie können wir unser Energiesystem möglichst rasch umstellen? Wie können wir es versorgungssicher und zugleich klimafreundlich gestalten? Darüber haben Joseph Gepp und ich in der neuen Episode von „Tauwetter“, dem profil-Podcast zur Klimakrise, mit Franz Angerer und Günter Pauritsch von der Österreichischen Energieagentur gesprochen. Auch diese beiden Experten erwarten, dass aufgrund der weltpolitischen Gemengelage die Akzeptanz für die Energiewende steigen wird.

Wäre man zynisch, könnte man sagen, Putin hat möglicherweise mehr Bewusstsein für den Klimaschutz geschaffen, als die „Fridays for Future“-Bewegung.

Christina Hiptmayr