Mehrere unscharfe Personen bewegen sich durch einen Flur einer Schule während einer Pause.
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Eine Woche in der vielleicht härtesten Brennpunktschule Österreichs

Schüler, die wochenlang verschwinden, mit 16 noch keinen Abschluss haben, vom Ramadan ermattet sind, Zwangsehen fürchten müssen, in die Kriminalität abrutschen. All das läuft in einer Wiener Mittelschule beim Sozialarbeiter zusammen. profil begleitete ihn eine Woche lang.

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99 Prozent Migrationsanteil, bildungsferne Eltern, Armutsspirale: Solche Faktoren bündeln sich in Schulen, die man zugespitzt „Brennpunktschulen“ nennt. Österreichweit fallen nach der Klassifikation des Bildungsministeriums 400 Schulen darunter, 244 Volksschulen und 156 Mittelschulen. Von den Mittelschulen liegen zwei Drittel in Wien. Und selbst unter diesen Standorten gibt es besonders drastische Fälle.

Einer davon ist eine große Mittelschule im 20. Wiener Bezirk, Brigittenau. profil konnte eine Woche lang einzigartige Einblicke in ihr Innenleben gewinnen. Auf eine Nennung der Schule wird zum Schutz der Schüler und Lehrer verzichtet.

Die Ausgangslage: Nur fünf Schüler – oder 1,3 Prozent – haben keinen Migrationshintergrund. In der Schule sind 32 Sprachen vertreten. Die meisten Jugendlichen sprechen daheim Türkisch (81) oder Arabisch (67), gefolgt von Tschetschenisch (27) und Deutsch (27). Bei den Religionen liegt der Islam klar voran. 230 Schüler (60 Prozent) sind muslimisch. 57 Schüler sind ohne Bekenntnis, 43 serbisch-orthodox, 18 römisch-katholisch.

Von 390 Schülerinnen und Schülern stammt die Hälfte aus Haushalten, die von der Mindestsicherung oder vom Einkommen weit unter der Armutsschwelle leben.

Jährlich starten rund 60 Schülerinnen und Schüler an dieser Mittelschule. Davon hat nur ein Drittel die Volksschule regulär in vier Jahren absolviert. Der Rest hat eine oder zwei Extrarunden gedreht. Entsprechend groß ist die Zahl an „überaltrigen“ Schülern, die im äußersten Fall schon 17 sind.

Mehrsprachiges Schild mit der Aufschrift „Türtaster“ und einem weißen Taster darunter an einer Wand.
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Was kann Sozialarbeit noch ausrichten?

In dieses urbane Soziotop bringen die Kinder und Jugendlichen Probleme mit, die einen geregelten Unterricht oft nur schwer möglich machen. Das reicht von Vernachlässigung durch die Eltern, Handysucht, Erschöpfung im Ramadan, ADHS ohne Behandlung, Gewalt bis hin zu Drogen und Gefängnisstrafen.

Es sind Probleme, die sich im acht Quadratmeter großen Kammerl von Sebastian T. bündeln. An der Schule nennen ihn alle nur „Sebastian“ oder „Herr Sebastian“. 

65 Millionen Euro stellt die Regierung „Brennpunktschulen“ ab Herbst zur Verfügung. Damit können Schulen wie dieser Standort in Wien-Brigittenau mehr Pädagogen, Psychologen oder Schul-Sozialarbeiter anfordern. Aber was können diese Zusatzkräfte bei diesen Schieflagen noch ausrichten? Was kann Sebastian tun?

profil begleitete den Sozialarbeiter eine Woche lang bei vertraulichen Einzelgesprächen, spontanen Gang-Interventionen, Krisensitzungen mit Lehrern aber auch Haftbesuchen. Zu ihrem Schutz werden Kinder und Jugendliche, deren Probleme profil schildern darf, nicht kenntlich gemacht.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

ist seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor „Wiener Zeitung“, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.