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01/17/2022

Facebook und YouTube: Wo Corona-Skeptiker ungestört bleiben

Wer der Regierung und Wissenschaftern misstraut und an Corona-Verschwörungstheorien glaubt, informiert sich über die Pandemie bevorzugt via Facebook und YouTube.

von Jakob Winter

In Postings auf Facebook und YouTube setzt sich fort, was auf den Straßen von Wien, Linz und Graz zu sehen ist: Eine laute Minderheit von Corona-Maßnahmenkritikern zieht selbstbewusst durch die Städte und muss kaum mit Widerspruch rechnen. Die Mehrheit der Geimpften, es sind inzwischen immerhin drei Viertel der Gesamtbevölkerung, sitzt stumm daheim.

So ähnlich läuft das auch in den sozialen Netzwerken, wie eine Studie der Uni Wien zeigt. Dafür wurden 1869 Menschen befragt, die repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 14 Jahren sind.

Die Ergebnisse: Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung bezieht seine Informationen (und oft auch Desinformationen) über Corona aus den sozialen Medien. 29 Prozent der Österreicher informieren sich einmal täglich oder öfter über WhatsApp, knapp 27 Prozent über Facebook. Instagram und YouTube sind für 14 Prozent eine Informationsquelle zur Pandemie.

Wer der Regierung misstraut oder an Verschwörungsmythen glaubt, informiert sich laut der Studie signifikant häufiger in den sozialen Medien.

Multiplikatoren einer Infodemie

Und die Maßnahmenkritiker wirken im Netz stärker, als sie tatsächlich sind. Denn: Vor allem Verschwörungsgläubige haben eine erhöhte Bereitschaft, in den Social Media Beiträge zu liken, zu teilen und zu kommentieren – und werden so zu Multiplikatoren einer Infodemie, also einer Welle an Falschinformationen. Die Logik der Algorithmen hilft ihnen dabei. Postings, die mehr Likes und Shares erhalten, sind deutlich sichtbarer, auch in den Timelines anderer User. Menschen dagegen, die wissenschaftsgläubig sind, lesen laut der Uni-Wien-Studie nur, interagieren aber weniger – sie liken und kommentieren nicht und bleiben damit unsichtbar. Die Inhalte und Artikel, die Geimpfte lesen, bekommen dadurch weniger Sichtbarkeit und Reichweite als die Postings der Corona-Maßnahmenritiker.

Das Resümee der Studienautoren Jakob-Moritz Eberl und Noelle Lebernegg: „Die Ergebnisse führen uns zu der Annahme, dass der Blick durch die Social-Media-Brille (zumindest bei einigen der Plattformen) gröbere Verzerrungen der politischen Wahrnehmung zur Folge haben kann und damit keine adäquate Informationsquelle während einer extremen Gesundheitskrise wie der COVID-19-Pandemie darstellt.“ Und die schweigende Mehrheit, die auf wissenschaftlichen Sachverstand vertraue, riskiere auf diesen Plattformen ungehört zu bleiben.

Vielleicht hätte die Impfkampagne der Bundesregierung ja mehr Erfolg gehabt, wenn sie gezielter an impfskeptische Zielgruppen in den Social Media adressiert gewesen wäre. Bis heute hat die Initiative „Österreich impft“ nicht genau bekanntgegeben, wie viel Werbegeld in Facebook und YouTube geflossen ist.

Jakob Winter

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