© Gerhard Wartha

Titelgeschichte
01/15/2022

Familie Molden: Die Letzten ihrer Art

Die Manns in Deutschland, die Kennedys in Amerika, die Windsors in England: Es gibt immer wieder Familien, die in der Geschichte ihres Landes ein leuchtendes Beispiel abgeben. Für Österreich hätte das die Wiener Familie Molden sein können. [E-Paper]

von Christa Zöchling

Österreichischer als die Moldens geht fast nicht. Pelzhändler, Diplomaten, Journalisten, Dichter, Hitler-Gegner und Dollfuß-Anhänger finden sich in ihren Reihen. Schöne Frauen und Verführer, Glücksritter und Gescheiterte. Großmannssucht existiert neben einem Leben auf Pump – Österreichisch im besten Sinn. 

Ernst Molden senior, stellvertretender Chefredakteur der „Presse“.

Paula Preradovic, Lyrikerin, Verfasserin der Textstrophen von Österreichs Bundeshymne. | „Verglichen mit den schönen zarten Gedichten, die sie sonst schrieb, sind diese Zeilen sehr schleppend.“ (Ernst Molden)

Fritz Molden und seine erste Ehefrau Joan Dulles, Tochter des CIA-Direktors Allan Dulles (im Bild rechts) | „Molden muss einiges gewusst haben über geheime Waffenverstecke der Operation „Gladio“ in Österreich. Darüber hat er Zeit seines Lebens geschwiegen“.

Fritz Molden im Pressehaus 1960.  In den goldenen Jahren gehörte ihm die „Presse“, die größte Druckerei Österreichs und Beteiligungen an Magazinen 1964 ließ er das alles hinter sich und gründete den „Molden“-Verlag.

Fritz und Hanna Molden nach ihrer Heirat | Eine Freundin warnte: „Bist du wahnsinnig! Mit dem Fritz kann man ein Verhältnis haben, aber ihn doch nicht heiraten! Der kann bei keiner Frau bleiben.“ 

Fritz Molden mit dem späteren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl 1976 auf der Frankfurter Buchmesse 1976 | „Der ÖVP-Politiker Julius Raab sagte in den 1950er-Jahren: ,Den Molden zerdruck ma wie eine Wanzen.‘ Das erzählte Fritz oft mit Stolz.“ (Hanna Molden)

Sophie Loren im Salon der Moldens, Ernst (links), Berthold (rechts) in den 1970er Jahren. | „Da wohnt der Verschwender“, pflegte der sozialdemokratische Bundeskanzler Bruno Kreisky schelmisch zu bemerken.

Familienporträt von Gerhard Wartha (Hanna, Fritz, Ernst, Berthold) in den späten 1980er Jahren | „Er ist noch aufgewachsen mit den Codes der Monarchie,  die er in der Zweiten Republik an uns weitergab – im Benehmen, im comme il faut, im Sound der Sprache.“ (Ernst Molden).

Hanna Molden. Witwe des 2014 verstorbenen Verlegers. | „ Fritz Molden glaubte, es hätte dem Selbstbewusstsein des Landes gutgetan, wenn wenigstens ein Pistolenschuss gegen die Nazis beim „Anschluss“ gefallen wäre.“

Buch-Cover „Dieser faltige, graue Elefant ist eine Chiffre für das alte Österreich. Ein großes, scheinbar liebes Tier, das in die neuen Zeiten hineinwandert und nicht mehr so recht hineinpasst.“ (Berthold Molden)

Ernst Molden, Singersongwriter | „Awarakadawara. Wo san meine Hawara. Wo san meine Freind, wenn die Sun net scheint.“

Berthold Molden, Historiker | „Ich bin froh, dass wir durch den Konkurs nicht als Millionen-Erben ins Leben geschickt wurden.“

Der Urgroßvater des Singer-Songwriters Ernst Molden und seines jüngeren Bruders, des Historikers Berthold Molden, entstammte einer jüdischen Pelzhändlerfamilie, die im 19. Jahrhundert aus Russland in die Reichshauptstadt Wien gezogen war. Moldauer, so wie der ferne Ahn damals noch hieß, suchte um die Namensänderung auf „Molden“ an, trat der evangelischen Kirche bei, studierte und machte eine kleine Karriere am Wiener Ballhausplatz. Mit dem Untergang der Monarchie verlor er sein gesamtes Vermögen, das in Kriegsanleihen steckte.  

Als Paula von Preradović, die Dichterin aus kroatischem Militäradel, in die Familie einheiratete, wurden die Moldens katholisch. Man wohnte im feinen Döblinger Cottageviertel hinter „grünen Jalousien“, verkehrte mit den Spitzen der Gesellschaft, war selbst ein Teil davon. „Doch immer mit einer subkutanen Schicht von Heimatlosigkeit und Vagantentum“, vermutet Ernst Molden im Gespräch, der Musiker und Schriftsteller. Seine Familie dürfe man sich vorstellen wie in einer Möbius-Schleife. „Unser Vater Fritz, geboren 1924, nach dem Weltenbrand und dem Zusammenbruch von allem und jedem, aufgewachsen mit den Codes der Monarchie, die er in der Zweiten Republik an uns weitergab – im Benehmen, im comme il faut, im Sound der Sprache.“ 

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