Titelgeschichte

Familie Molden: Die Letzten ihrer Art

Die Manns in Deutschland, die Kennedys in Amerika, die Windsors in England: Es gibt immer wieder Familien, die in der Geschichte ihres Landes ein leuchtendes Beispiel abgeben. Für Österreich hätte das die Wiener Familie Molden sein können. [E-Paper]

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Österreichischer als die Moldens geht fast nicht. Pelzhändler, Diplomaten, Journalisten, Dichter, Hitler-Gegner und Dollfuß-Anhänger finden sich in ihren Reihen. Schöne Frauen und Verführer, Glücksritter und Gescheiterte. Großmannssucht existiert neben einem Leben auf Pump – Österreichisch im besten Sinn. 

Der Urgroßvater des Singer-Songwriters Ernst Molden und seines jüngeren Bruders, des Historikers Berthold Molden, entstammte einer jüdischen Pelzhändlerfamilie, die im 19. Jahrhundert aus Russland in die Reichshauptstadt Wien gezogen war. Moldauer, so wie der ferne Ahn damals noch hieß, suchte um die Namensänderung auf „Molden“ an, trat der evangelischen Kirche bei, studierte und machte eine kleine Karriere am Wiener Ballhausplatz. Mit dem Untergang der Monarchie verlor er sein gesamtes Vermögen, das in Kriegsanleihen steckte.  

Als Paula von Preradović, die Dichterin aus kroatischem Militäradel, in die Familie einheiratete, wurden die Moldens katholisch. Man wohnte im feinen Döblinger Cottageviertel hinter „grünen Jalousien“, verkehrte mit den Spitzen der Gesellschaft, war selbst ein Teil davon. „Doch immer mit einer subkutanen Schicht von Heimatlosigkeit und Vagantentum“, vermutet Ernst Molden im Gespräch, der Musiker und Schriftsteller. Seine Familie dürfe man sich vorstellen wie in einer Möbius-Schleife. „Unser Vater Fritz, geboren 1924, nach dem Weltenbrand und dem Zusammenbruch von allem und jedem, aufgewachsen mit den Codes der Monarchie, die er in der Zweiten Republik an uns weitergab – im Benehmen, im comme il faut, im Sound der Sprache.“ 

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Christa   Zöchling

Christa Zöchling

war bis 2023 in der profil-Innenpolitik