FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl: Straches Reime-Schmied

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl: Straches Reime-Schmied

Herbert Kickl, FPÖ-Generalsekretär, Erfinder des gemeinen Wahlkampfspruchs, macht sich unentbehrlich.

Herbert Kickl ist neuerdings häufig in der Öffentlichkeit zu sehen, nicht nur an der Seite von Heinz-Christian Strache, auch als Talkshowgast oder Einpeitscher im Parlament. Bisher hatte man den Generalsekretär gern im Maschinenraum werken lassen. Sein kaum verhohlener Zynismus könnte dem Treuherz-Image von Strache schaden, so hieß es in der FPÖ. Doch der freiheitliche Generalsekretär macht sich zusehends unentbehrlich. Ohne ihn hätte das Jahrmarktpublikum der FPÖ auch wenig zu lachen. Straches Reden würden auf einem gleichmäßigen Empörungslevel langweilig dahinplätschern. So aber sagt Strache: "Lieber ein Haus im Grünen als ein Grüner im Haus", und die Zuhörer kreischen vor Vergnügen. Die besten von Kickls Sprüchen seien, noch zu Haiders Zeiten, im Suff entstanden, so erinnerte sich zumindest Stefan Petzner.

„Ich kann nix, aber ich kann alles lernen”
Kickl ist sowohl Produkt als auch Hinterlassenschaft der Ära Haider. Schon als Gymnasiast war Kickl, der zufällig mit der Grünen Eva Glawischnig in Spittal an der Drau in die gleiche Klasse ging, von Jörg Haider, der die FPÖ im Sturm genommen hatte, schwer beeindruckt gewesen. Doch erst nach sieben Jahren etwas ziellosen Philosophiestudiums bewarb sich Kickl bei den Freiheitlichen, angeblich mit den Worten: "Ich kann nix, aber ich kann alles lernen." Und Kickl lernte im Wahlkampftross 1995 nicht nur Wortspiele und Reime zu erfinden, sondern mit diesen auch Menschen zu verhöhnen, die sich der FPÖ entgegenstellten. Als Kickls "Meisterstück" galt später der Spruch: "Wie kann einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben." So war der damalige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, von der Jahnturnhalle bis zum hintersten Marktplatz landauf, landab einem pöbelnden Antisemitimus preisgegeben worden. Für Kickl wurde das zum Karriereknick. Die schwarz-blaue Koalition konnte einen solchen Unterschleif nicht brauchen. Kickl wurde nach Kärnten abgeschoben und bekam die Leitung der parteiinternen Kommunikation übertragen. In Wahlkämpfen wurde er zwar gebraucht, doch saß er in Kärnten fest.

"Hirn" der FPÖ
Im Jahr des freiheitlichen Schismas 2005 nützte er seine Chance. Kickl blieb nicht bei Jörg Haider, sondern lief zu Strache über und wurde dafür mit dem Posten des Generalsekretärs belohnt. Kickl revanchierte sich seinerseits mit Wahlkampfslogans wie "Daham statt Islam" , "Pummerin statt Muezzin" oder dem etwas holprigen "Mehr Mut für unser Wiener Blut, zu viel Fremdes tut niemandem gut" und half entscheidend mit, die FPÖ bei den Wiener Wahlen im Jahr 2010 auf 27 Prozent der Stimmen hochzutreiben. Von da an galt Kickl als das "Hirn" der FPÖ, und er dementierte das auch gar nicht.

Noch immer wirkt Kickl in Straches Entourage wie ein Fremdkörper. Niemals würde er sich breitbeinig irgendwohin fläzen, niemals hört man von ihm dröhnendes Gelächter. Doch das täuscht. Sein Metier ist die rabiate Opposition. In einer Regierungspartei hätte einer wie er nichts mehr zu tun.