FPÖ: Wie Heinz-Christian Straches Buberlpartie die Partei dominiert

Strache mit Kunasek

Strache mit Kunasek

In der FPÖ machten junge Männer schon immer rasch Karriere. Im Vergleich zu Haiders Buberlpartie vor 20 Jahren stehen die Strache-Adlaten jedoch weit rechts außen.

Hermann Stöllner ist Molkereimeister und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Seekirchen. Vor zwei Jahren nannte ihn Karl Schnell, damals FPÖ-Obmann in Salzburg, „einen echten Idealisten“ und holte ihn in den Landesparteivorstand. Vergangene Woche half der „Idealist“ mit, Schnell aus der FPÖ zu schmeißen – und drei Landtagsabgeordnete, zwei Nationalräte und einen Bundesrat dazu. Stöllner, Bezirksparteichef im Flachgau, stand im blauen Salzburger Fetzenspiel treu zu Heinz-Christian Strache. Er ist 29 Jahre alt.

Junge Männer machten in der FPÖ schon immer rasch Karriere. Vor 20 Jahren mischte Jörg Haiders Buberlpartie – Peter Westenthaler, Karl-Heinz Grasser, Gernot Rumpold, Walter Meischberger, Herbert Scheibner – die Partei auf. Heute sind es Strache-Klone, die zentrale Positionen in der FPÖ erobert haben, vor allem in den strategisch wichtigen Bundesländern Oberösterreich, Wien und der Steiermark mit insgesamt 3,2 Millionen Wahlberechtigten. Im Vergleich zur Buberlpartie von damals stehen die Strache-Adlaten freilich deutlich weiter rechts außen.

„Reinigungsprozess“

Hermann Stöllner erhielt vergangene Woche Lob vom Chef höchstpersönlich. Im Flachgau sei die „Erneuerung“ der Salzburger FPÖ bereits erfolgt, so Strache. Was der FPÖ-Obmann „Erneuerung“ nennt, hieß auf der FPÖ-Website „Reinigungsprozess“. Die bisherige Salzburger Führungscrew war aus Straches Sicht nicht nur renitent, sondern auch zu betagt: Karl Schnell ist 61, eine nun ausgeschlossene FPÖ-Landtagsabgeordnete 74, der Lungauer Bezirksparteiobmann 67.

Der neue Landesparteichef von Straches Gnaden, Andreas Schöppl, ist 53 Jahre alt und damit im besten Politiker-Alter. Dennoch will er in einem Jahr schon zurücktreten. Als Favorit für den Landesparteiobmann-Posten und die Spitzenkandidatur bei den Landtagswahlen 2018 gilt – Hermann Stöllner.

„Wir leisten den Salzburgern gern Nachbarschaftshilfe“, sagt Manfred Haimbuchner. Der Oberösterreicher, 36, ist der ranghöchste unter den jungen Wilden. Seit 2009 dient er als Landesrat für Natur- und Landschaftsschutz und Wohnbauförderung in der Landesregierung in Linz. Im gleichen Jahr wurde er Landesparteiobmann, mit gerade einmal 31 Jahren. Die Landtagswahl im Herbst wird angesichts der Themenlage (Arbeitslosigkeit, Asyl, Armut) zum Selbstläufer. In einer aktuellen – von der ÖVP beauftragten und daher die FPÖ eher hoch reihenden – Umfrage liegen die oberösterreichischen Blauen zwischen 24 und 26 Prozent und damit sogar vor der SPÖ.

Vergleiche mit der Buberlpartie aus Haiders Zeiten lehnt Manfred Haimbuchner ab: „Die damals Handelnden hatten keinerlei basisdemokratische Legitimation.“ Tatsächlich rekrutierte Haider seine junge Schar im Alleingang – teils auf Tankstellen, wie Gernot Rumpold – und installierte sie direkt im Parteimanagement. Mandate gab es wegen der Wahlerfolge beinahe automatisch dazu. Manfred Haimbuchner kandidierte dagegen schon mit Mitte 20 bei der Gemeinderatswahl in seiner Heimatgemeinde Steinhaus im Bezirk Wels Land.

Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal zwischen alter und neuer Buberlpartie ist die ideologische Festigkeit. Jörg Haider nannte seinen früheren Ziehsohn Karl-Heinz Grasser einen „moralischen Flachwurzler“. In seinem Urteil lag er damit wohl richtig: Grasser war wie auch die anderen Buberl vor allem Karrierist. Die freiheitliche Gesinnung zelebrierte man maximal beim feierlichen Totengedenken auf Parteitagen.

Blaue Prägung

Haimbuchner erhielt bereits im Elternhaus seine blaue Prägung. Schon sein Vater war in der FPÖ, als Bürgermeister in Steinhaus und als Landtagsabgeordneter. Den ideologischen Letztschliff erwarb sich Haimbuchner im Corps Alemannia Wien zu Linz. In Haiders Jungherren-Komitee war kein Vertreter einer schlagenden Verbindung vertreten. Johann Gudenus hat eine Narbe über dem linken Auge – freilich keine Folge einer Unachtsamkeit bei einer seiner drei Mensuren. Beim Opernball vor einigen Jahren traf ihn zu später Stunde in der Disco ein Glas an der Stirn. Der nie ausgeforschte Werfer hatte offenbar Heinz- Christian Strache ins Visier genommen.

Gudenus’ Laufbahn ähnelt jener von Haimbuchner. Schon der Vater war freiheitlicher Politiker in National- und Bundesrat: John Gudenus brachte es zu Berühmtheit, als er 2005 im ORF-Interview über wissenschaftlich notwendige Beweise für die Existenz von Gaskammern räsonierte. Nach einem Proteststurm trat er aus der FPÖ aus. Gudenus junior sagt heute: „Ich bin der Sohn, nicht der Klon.“


Heinz-Christian Strache hat uns Junge immer gefördert

Mit seinen 38 Jahren hat Gudenus bereits eine lange Karriere hinter sich. Während Haimbuchner zur ersten Post-Haider-Generation in der FPÖ zählt, erlebte Gudenus Haider noch als allmächtigen Chef. Bis 2005: Als Haider das BZÖ abspaltete, saß Gudenus – damals Obmann der blauen Jugend – im Parteivorstand und trug dessen Ausschluss aus der FPÖ mit.

Nach der Gemeinderatswahl 2010 machte Strache ihn zum Klubobmann der Wiener FPÖ. Nun sitzt Gudenus in jenem großen Büro im Wiener Rathaus, von dem schon Strache die FPÖ eroberte und im Alter von 35 übernahm. Auch textil pflegt Gudenus den Strache-Style: Designer-Jeans, Maßhemd, tailliertes Sakko: „Heinz-Christian Strache hat uns Junge immer gefördert“, sagt er.

Der FPÖ-Klubobmann, Absolvent der Diplomatischen Akademie, werkt für Strache als Hobby-Außenpolitiker und pflegt Kontakte nach Russland. Im vergangenen September hielt er einen Vortrag beim „Internationalen Forum ,Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit‘“ in Moskau und kritisierte dort EU, NATO und eine nicht näher definierte „mächtige Homosexuellen-Lobby“.

Im Wiener Wahlkampf im Herbst wird Gudenus den Einheizer für Strache spielen. In Schärfe und Aggressivität steht er seinem Chef um nichts nach.


Wir machen jetzt unseren Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache kanzlerfit. (Manfred Haimbuchner, FPÖ-Obmann Oberösterreich)

Mario Kunasek hat seine Wahlen bereits hinter sich gebracht – natürlich erfolgreich. Als Spitzenkandidat bei der steirischen Landtagswahl erreichte er 26,8 Prozent, ein Zuwachs von 16 Punkten. Im Gegensatz zu den Juristen Gudenus und Haimbuchner startete Kunasek seine politische Laufbahn in der blauen Gewerkschaftsfraktion Aktionsgemeinschaft Unabhängiger und Freiheitlicher (AUF) im Bundesheer, wo der heute 38-Jährige als Unteroffizier diente. Seit 2007 ist er Landesgeschäftsführer der FPÖ in der Steiermark. Spätestens 2016 wird er den derzeitigen Landesobmann Gerhard Kurzmann ablösen. Nach der Wahl hatte Kunasek kurz mit einem Landesratsposten spekulieren dürfen, doch schließlich setzten SPÖ und ÖVP ihre Koalition fort. Vor einigen Wochen war Kunasek auf Einladung von Manfred Haimbuchner im „Atterseekreis“ zu Gast, dem Thinktank der oberösterreichischen Freiheitlichen.

Haimbuchner, Kunasek, Gudenus, aber auch der 39-jährige Tiroler Landesparteiobmann Markus Abwerzger wirken wie Franchisenehmer des Politkonzepts „HC Strache“, nicht nur wegen ihrer scharfen Scheitel und der glatt rasierten Wangen. Wie einst Strache Haider, kopiert die Next Generation ihren Bundesparteiobmann. Und sie steht ihm treu zur Seite: Als Strache vor zwei Wochen in eine Sitzung der Salzburger FPÖ in Saalfelden crashte, um Schnell zu stürzen, waren seine Fahnenjunker mit dabei. „Wir machen jetzt unseren Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache kanzlerfit“, sagte Manfred Haimbuchner vergangene Woche.

Wer Kanzler werden will, braucht Mehrheiten. Unter Jungwählern liegt die FPÖ seit Langem voran. Bei der steirischen Landtagswahl stimmten 40 Prozent der Männer unter 24 Jahren für die FPÖ. SPÖ und ÖVP kamen zusammen auf den gleichen Wert. Kein Wunder, dass Strache auf discotaugliche Spitzenkandidaten setzt. Mittlerweile tendieren auch junge Frauen stärker zur FPÖ. Unter den Steirerinnen bis 34 Jahre lag die FPÖ laut einer Analyse des Instituts für Wahlforschung in Kaufbeuren ebenfalls klar voran. Schlappen in Serie kassieren die Blauen dagegen an den Universitäten. Bei den Hochschülerschaftswahlen im Mai erreichte der Ring Freiheitlicher Studenten nur 2,4 Prozent.

Karl Schnell meldete vergangene Woche seine neue Partei „Die Freiheitlichen in Salzburg (FPS) – Liste Dr. Karl Schnell“ im Innenministerium an. Bei den Vorgängen in Salzburg handle es sich keinesfalls um „eine Parteispaltung“, sagt Strache. Vielmehr habe sich eine „Führungsblase“ unter Schnell gegen die eigene Partei gestellt. Freilich revoltierte nicht nur die alte Garde: Gemeinsam mit Karl Schnell warf Strache auch den bisherigen Bezirksparteiobmann des Pinzgau aus der FPÖ. Der junge Mann ist erst 27.