FPÖ-Sekretär Mahdalik: Österreichs schrillster Parteimanager

ATYPISCH: PÖ-Parteisekretär Anton Mahdalik sieht nicht aus wie ein Politiker und kommuniziert auch nicht so.

ATYPISCH: PÖ-Parteisekretär Anton Mahdalik sieht nicht aus wie ein Politiker und kommuniziert auch nicht so.

Anton Mahdalik ist der schrillste Parteimanager Österreichs. Mit derbem Humor und umstrittenen Sprüchen provoziert der Wiener FPÖ-Sekretär die politische Konkurrenz. Ausgerechnet an ihm hängt Norbert Hofers Wahlerfolg.

Austeilen kann er. "Geistige Nackerpatzeln“ oder "trübe Tofu-Truppe“ nennt er die politische Konkurrenz - oder unterstellt ihr gleich "NSDAP-Methoden“. Den Datenforensiker Uwe Sailer fordert er ohne Umschweife auf: "Mund halten.“ Anton Mahdalik, 49, ist freiheitlicher Parteisekretär in Wien. Hauptaufgabe: Pressearbeit. In seinem Büro im Wiener Rathaus hat er die mediale Berichterstattung im Blick, telefoniert mit Journalisten, um ihnen die blaue Sicht auf die Welt zu erläutern, und schreibt offizielle Pressemitteilungen im Namen der FPÖ Wien - in einem Stil, der mit allen Konventionen bricht.

Mahdaliks Wortspenden sind witzig, skurril oder beleidigend. Verglichen damit drückt sich selbst der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, für seinen lockeren Spruch bekannt, wie ein Hochschulprofessor aus. Der blaue Parteimanager Mahdalik zählt zu den schrillsten Figuren, die das heimische Politsystem hervorgebracht hat. Und just an ihm hängt Norbert Hofers Wahlerfolg bei der Wiederholung der Bundespräsidenten-Stichwahl, hat Hofer doch in der ersten Stichwahl in Wien aus FPÖ-Sicht enttäuschend abgeschnitten.

Die Geschichte vom "Messer-Ernstl“ zeigt Mahdaliks Können. Diesen Spitznamen wird Ernst Nevrivy, seit 2014 roter Bezirksvorsteher der Wiener Donaustadt, wohl nicht mehr los. Zu verdanken hat er ihn Mahdalik. Das kam so: Als freiheitliche Mandatare 2012 im Wiener Gemeinderat kartonweise Unterschriftenlisten gegen das Parkpickerl aufstapelten, verlor Ernst Nevrivy, damals SPÖ-Gemeinderat, die Fassung: Mit einem kleinen Messer (oder einem Brieföffner, wie er selbst sagt) lief er zum Rednerpult, schlitzte einen der Kartons auf und führte damit den Beweis, dass die Schachteln nicht voller Unterschriftenlisten waren. Eine Steilvorlage für Mahdalik, der daraufhin ausgerechnet den linken Lyriker Bertolt Brecht zitierte und dessen "Dreigroschenoper“-Moritat auf Mackie Messer auf den "Messer-Ernstl“ umdichtete: "Und man siehet Ernstis Messer, die Vernunft, die sieht man nicht.“

Nicht nur Boulevardmedien, auch die Tageszeitung "Der Standard“ und ORF-Online griffen den Spitznamen dankbar auf. Das mag plump anmuten, doch gelang es dem blauen Schmähtandler Mahdalik damals erfolgreich, von den fehlenden Unterschriftenlisten abzulenken. Davon redet heute niemand mehr - nur "Messer-Ernstl“ blieb hängen.

An der Grenze zur Beleidigung

Beinamen, die an der Grenze zur Beleidigung entlangschrammen, sind Mahdaliks Spezialität: "Tingel-Tandem“ nannte er die rote Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Grünen-Stadträtin Maria Vassilakou, "Fahrradflüsterer“ und "Pedalguru“ den Grünen-Gemeinderat Christoph Chorherr, "Beschwichtigungshofrat“ den SPÖ-Geschäftsführer Georg Niedermühlbicher, "Kim-Jong-Blimlinger“ den Grünen Bezirksvorsteher von Wien-Neubau, Thomas Blimlinger. Die Anlässe dafür waren ausgesprochen harmlos: vorübergehende Sperre der U-Bahnlinie 6, Baupläne eines Fahrradweges und einer Fußgängerzone. Das ist typisch Mahdalik (privat übrigens passionierter Radfahrer): Kein Thema ist zu klein für einen ordentlichen Radau, schließlich geht es um Aufmerksamkeit.

Früher, erinnert sich Mahdalik bei Kaffee und Orangensaft, hat er schon "nach der Schrift gesprochen“. Mit dem Kicken hörte das auf. Im Gemeindebau im Wiener Bezirk Hernals aufgewachsen, lernte er die Ballbeherrschung im Käfig, für den Wiener Sportclub bestritt er 36 Spiele in der österreichischen Bundesliga. Es folgten Stationen bei der Vienna und bei Kleinklubs. Die Fanszene war damals überschaubar: "Da hast du an der Stimme erkannt, wer dich von draußen ‚Arschloch‘ schimpft.“ Die Zeit auf dem Platz war prägend: Mahdalik hat eine künstliche Hüfte, Fußball kann er nicht mehr spielen. Nun steht er am Rand des Spielfelds, um das politische Geschehen zu kommentieren. Er klingt dabei mehr wie ein Fußballfan als ein Parteimanager, trägt beim Fototermin weiße Converse-Sneakers, Jeans und ein blaues Hilfiger-Hemd.

Vorvergangene Woche hatte Mahdalik wieder einen seiner kreativen Momente. In einer Presseaussendung warf er die Metaphernschleuder an: "Wir freuen uns natürlich wie die Nackerten, dass wir den NEOS etwas voräffen durften, denn die volle Transparenz bei den Beteiligungen der Stadt Wien war schon auf dem politischen Speisezettel der FPÖ, als Meinl-Reisinger (Wiens NEOS-Chefin, Anm.) und Co. noch mit der Trommel um den Christbaum g’rennt sind.“

Auf Facebook hat sich mittlerweile ein kleiner Fanklub gebildet, der "Verein der Freunde der Aussendungen von Toni Mahdalik“, betrieben von einem Publizistikstudenten. Mahdalik stelle "Poesie und Pointe stets vor Parteilinie und Wahrheitsgehalt“, heißt es in einem Eintrag.

"Esslinger Freak"

Die Auflistung von Mahdaliks Ergüssen würde ganze Bände füllen, ist er doch schon seit gut 20 Jahren beim blauen Pressedienst engagiert. Den Job verschaffte ihm sein Vater, immer schon Freiheitlicher und einst Mitarbeiter bei der "Kronen Zeitung“. Ein idealer Einstieg in die Politik, wie Mahdalik selbst sagt: "Da kennt man sich dann überall ein bisschen aus.“ Mittlerweile wohnt er in der Donaustädter Katastralgemeinde Essling nahe der Lobau und sieht sich als "Esslinger Freak“, in Anspielung auf eine Textzeile der Austropop-Gruppe Wiener Wahnsinn.

Auf den Parteisekretär und nicht amtsführenden Stadtrat Mahdalik kommen nun ernstere Wochen zu, denn er ist maßgeblich für die freiheitlichen Wahlkämpfe in Wien verantwortlich. Die vom Verfassungsgerichtshof aufgehobene Stichwahl hätte Norbert Hofer gewonnen, würde man das Wiener Ergebnis (dort kam er nur auf 36,7 Prozent) aus dem Bundesergebnis herausrechnen. Es wird also an Mahdalik und der Wiener FPÖ liegen, beim zweiten Versuch zuzulegen. "Wir haben die Partei seit der Stichwahl nicht neu erfunden. Wenn wir das könnten, müssten wir im Zirkus auftreten“, schraubt Mahdalik die Erwartungen vorsorglich nach unten. Er spricht von einem "Plafond für Hofer“ in Wien, der wegen des hohen Wähleranteils von Migranten und Studenten bei 40 Prozent liege. Der Mann klang schon selbstbewusster.

In der Vergangenheit waren Mahdaliks Wortspenden für die Freiheitlichen jedenfalls nicht immer vorteilhaft. Legendär ist seine Solidaritätserklärung an das Wiener Kaffeehaus Prückel, das im Jahr 2015 ein lesbisches Pärchen wegen eines Kusses vor die Tür setzte und damit für Entrüstung sorgte. "Wird wohl ka Zwickerbusserl g’wesn sein, sondern a solider Zungenpritschler“, rechtfertigte Mahdalik damals den Rauswurf.

Und als er der SPÖ in einer seiner Presseaussendungen vor gut vier Monaten Nazi-Methoden unterstellte und die Meldung mit dem Kürzel "Stürmer“ kennzeichnete (eine Anspielung auf das gleichnamige antisemitische Hetzblatt zur Zeit des Nationalsozialismus), erntete er von allen Seiten scharfe Kritik. Entschuldigt hat er sich nicht. Nur so viel sagt er: "Wer so austeilt wie ich, der muss auch einstecken können.“

Harte Bandagen

Anton Mahdalik ist für bizarre Pressemitteilungen bekannt. Drei ausgewählte Beispiele.


Die grünen ‚BürgerInnenbeteiliger‘, die in der Opposition noch bei jedem Baumschnitt eine Bürgerbefragung verlangt und sich im Geäst angekettet haben, haben beim Drüberfahren schon nach wenigen Monaten in der Regierung hohes SPÖ-Niveau erreicht. (Juli 2011)

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Wenn die in Umfragen herumgrundelnden NEOS provozieren wollen, beim kleinsten Gegenwind aber wie die Waschlappen aufheulen, sollen sie die Kandidatur für den Wiener Gemeinderat vielleicht doch noch einmal überdenken. Am Ponyhof wären sie farbmäßig viel besser aufgehoben, auch Kindergeburtstage oder Fastenkuren im Kloster wären wärmstens zu empfehlen. (Juni 2015)

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Wir freuen uns ja, dass sich die Wiener ÖVP doch noch entschlossen hat, am Wahlkampf teilzunehmen. Ob die stinklangweiligen Plakate wirklich den Turbo in Richtung ÖVP-Wahlziel Zweistelligkeit zünden können, ist allerdings doch eher fraglich. (September 2015)