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Österreich
10/29/2020

profil-Morgenpost: Gans oder gar nicht?

Guten Morgen!

von Gernot Bauer

Als Politikjournalist verfügt Ihr Morgenpostler über unnützes Herrschaftswissen. So weiß er, welcher prominente Journalist sich unlängst bei welchem prominenten Politiker erkundigte, ob das Gerücht stimme, der Bundeskanzler hätte heimlich geheiratet. (hat er nicht) Nützliches Herrschaftswissen wäre der exakte Zeitpunkt eines möglichen Corona-Lockdowns. Zu hoffen ist, dass dieser erst nach dem 11. November kommt. Bis dahin ginge sich noch ein Martinigansl mit Rotkraut und Knödel aus. Kommt der Lockdown früher, drohen der Gans-produzierenden Industrie Ausfälle in Millionen-Höhe. Außer den Gänsen wäre damit niemand geholfen.

Stattdessen sollten Alternativen für die Gastronomie überlegt werden. Denkbar wäre es, Gänse wie Theaterkarten zu personalisieren und im Wirtshaus jedem Gast Sitzplatz und Gans zuzuweisen. Im Falle einer Infektion könnte das Bundesheer Assistenz beim Gansl-Tracing leisten. Vor dem Essen werden die Gäste zu einem Gurgeltest verpflichtet. Der restliche Schnaps darf wie bisher nach dem Verzehr der Gans eingenommen werden.

Heilige wie Corona oder Rochus sind Pandemie-bedingt wieder in Mode. Sankt Martin, dessen Fest am 11. November gefeiert wird, zählt zu den Stars seiner Branche. Rätselhaft bleibt, warum er dem nackten Bettler am Stadttor von Amiens nur seinen halben Mantel gab. Auch hier gilt: ganz oder gar nicht. Ein normaler Heiliger würde so etwas nie tun, sondern lieber erfrieren. Martin aber dachte in seinem edelsten Moment auch an sich selbst. Das dürfte das Geheimnis seines Erfolges sein. Karriere machte er in Frankreich, stammt aber aus Westungarn. Im Burgenland ist Martin deshalb Landespatron.

So teuer uns der Föderalismus auch kommt, bei den Landespatronen zeigen die Bundesländer Sparwillen. Kärnten, die Steiermark, Tirol und Vorarlberg poolen den heiligen Josef; Wien, Niederösterreich und Oberösterreich den heiligen Leopold. Weil Oberösterreich (vor allem zur Bierzelt-Saison) eine besonders gefährliche Gegend ist, gönnt es sich mit dem heiligen Florian einen zweiten Landespatron. Vielleicht wäre Florian wie Martin Bischof geworden, allerdings wurde er von den Oberösterreichern zuvor in der Enns ertränkt. Ein streitbarer SPÖ-OÖ-Landesrat drohte Ihrem Morgenpostler vor elf Jahren (in der Bierzelt-Saison) das gleiche Schicksal an. Auslöser der Gewaltfantasie war dieser zugegeben etwas rotzige Kommentar.

Lassen Sie es sich schmecken, solange es noch geht!

Gernot Bauer

 

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

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