Die OeNB in der Nazizeit: Intrigen, Vernaderung, Bereicherungen

Die Oesterreichische Nationalbank und der Nationalsozialismus: brisante Ergebnisse einer neuen Dokumentation.

Im Jahr 1938 hatte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) 800 Mitarbeiter, von ihnen waren 120 illegale Nationalsozialisten (die NSDAP war seit 1933 verboten). Sofort nach Österreichs „Anschluss“ an das Dritte Reich besetzten zwei Dutzend Männer des seit Monaten aufgebauten hausinternen SA-Trupps die Eingänge der Bank, durchsuchten Schreibtische. Die folgenden Verhaftungen geschahen ohne deutschen Befehl, sie wurden von der NS-„Betriebszelle“ der Bank entschieden: Abgeführt wurden unter anderen der stellvertretende Generaldirektor Franz Bartsch und der einzige Sozialdemokrat in leitender Position, Eugen Kaniak. OeNB-Präsident Viktor Kienböck soll vom neuen NS-Wirtschaftsminister Hans Fischböck vor der Verhaftung geschützt worden sein. Unter den führenden Funktionären der Bank, die als NS-Gegner in die Konzentrationslager Dachau beziehungsweise Buchenwald verschleppt wurden, war auch der Leiter der Linzer OeNB-Zweiganstalt Julius Hantich.

Am 17. März 1938 ordnete Adolf Hitler an, die OeNB „wird von der Reichsbank für Rechnung des Reiches abgewickelt“. 78,2 Tonnen Goldreserven wurden „innerhalb weniger Tage von der Reichsbank abdisponiert“, mit monetären Reserven requirierte das Deutsche Reich allein im ersten Jahr nach heutigem Wert 75 Milliarden Euro. Leiter der Reichsbankhauptstelle Wien wurde Richard Buzzi. Er hatte bereits dem OeNB-Direktorium angehört, nun wurde er „rückwirkend per 1937“ NSDAP-Mitglied. Buzzi war kurz auch als Leiter einer „Judenauswanderungsstelle“ im Gespräch.

Die Zeithistoriker Oliver Rathkolb und Theodor Venus dokumentieren in ihrer NS-Geschichte der OeNB, dass zumindest 80 Bankangestellte aus politischen oder rassis­tischen Gründen entlassen, zwangspensioniert oder rückgestuft wurden. Zwei jüdische Mitarbeiterinnen sind Opfer des Holocaust geworden: Hilda Schafranek, Kassenbeamtin, wurde in Auschwitz ermordet; Karoline Winkler, Arbeiterin, kam im KZ Theresienstadt um. Drei Bankmitarbeiter wurden von Kollegen wegen NS-Kritik bei der Gestapo angezeigt, zwei von ihnen kamen in Haft, einer meldete sich zerrüttet an die Front. Laut zahlreichen Aussagen prägten NS-Parteigänger das Betriebsklima in der Bank durch Intrigen, ideologische Kontrolle, Verdächtigungen und Bereicherung an jüdischem Vermögen. Nach Kriegsende wurde rund ein Drittel der Belegschaft wegen NS-Zugehörigkeit zumindest temporär aus der Bank entfernt.

+++ Interview: Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny deutet die massive Unterwanderung der Bank durch illegale Nazis in den 1930ern als Strategie +++