Hitlers Haus: Die Republik zahlt die Mietkosten, die Eigentümerin hintertreibt eine sinnvolle Nutzung

Hitlers Haus: Die Republik zahlt die Mietkosten, die Eigentümerin hintertreibt eine sinnvolle Nutzung

Seit Jahrzehnten mietet die Republik Österreich Hitlers Geburtshaus in Braunau, um zu verhindern, dass daraus eine Nazi-Kultstätte wird. Die Eigentümerin, deren Vorfahren schon vom Hitler-Tourismus profitierten, hintertreibt jede sinnvolle Nutzung. Nun wird sogar die Möglichkeit einer Enteignung geprüft.

Das Städtchen Braunau an der österreichisch-bayrischen Grenze ist berühmt-berüchtigt. Da helfen keine eigens gepflanzten „Friedenslinden“ und auch kein Jägerstätterpark. Hier kam am 20. April 1889 Adolf Hitler zur Welt. Sein Geburtshaus an der Adresse Salzburger Vorstadt Nummer 15 ist ein zweistöckiges, schmutzig-gelbes, vergammelt wirkendes Gebäude, an dem so mancher Souvenirjäger schon ein Stück Mauerwerk herunterkratzte. Die Fenster im Souterrain sind vergittert, dunkle Schlieren ziehen sich quer über die Fassade, frisch gestrichen wurde es schon lange nicht. Der verblasste Schriftzug „Volksbücherei Braunau“ stammt noch aus der NS-Zeit. Ein leeres Klingelschild neben dem Eingang und über dem Eichentor ein verschlungenes „MB“ im schmiedeeisernen Zierrat: MB steht für Martin Bormann, einst Privatsekretär Hitlers und Vermögensverwalter der NSDAP.

Das Haus war kein Ort des Terrors oder Massenmords, doch der Geist des „Führers“, der selbst dem Genie-Kult anhing, ist offenbar nicht totzukriegen. Hitler persönlich hatte daraus einen Mythos geformt: „Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, dass das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn zuwies. In diesem von den Strahlen deutschen Märtyrertums vergoldeten Innstädtchen, bayerisch dem Blute, österreichisch dem Staate nach, wohnten am Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts meine Eltern“, hatte er 1924 in „Mein Kampf“ geschrieben. Auch in Öl hatte der Kunstmaler seine Heimatstadt verewigt.
Für Nazis ist es ein magischer Ort. Früher steckten sie gelegentlich Blumen an die Fenster, heute posieren sie nächstens davor und stellen die Fotos dann online. Vor ein paar Monaten wurde das Mahnmal auf dem Bürgersteig vor dem Haus, ein roher Marmorblock aus dem Konzentrationslager Mauthausen, mit blauer Farbe beschmiert.

Mit dem Geisterhaus plagt sich die Republik Österreich schon mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Ein skandalöser – man kann auch sagen: typisch österreichischer – Umgang damit zieht sich durch die vergangenen Jahrzehnte.

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