Ein Mann im Anzug mit Brille gestikuliert vor einer Wand mit goldenen Verzierungen.
Bild anzeigen
Wer geht, bleibt und wer noch kommen darf: Gerhard Karner (ÖVP) legt im profil-Interview neue Zahlen zu Syrern vor und prognostiziert, wie viele von ihnen langfristig in Österreich leben werden.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

In Österreich leben schon mehr als 100.000 syrische Staatsbürger. Die meisten flüchteten vor dem Krieg des Diktators Assad bis nach Österreich. Doch Assad wurde im Dezember 2024 gestürzt. Seither stellt sich die Frage: Wer bleibt langfristig? Wer kehrt freiwillig heim? Und wer wird abgeschoben?

Wie Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) im profil-Interview vorrechnet, kehrten seit Ende des Krieges 2000 Menschen nach Syrien zurück. Der Staat unterstützte sie dabei. In 1500 Fällen gab es eine Rückkehr-Prämie in der Höhe von 1000 Euro, macht bisher 1,5 Millionen Euro.

Eine Rückkehrwelle wurde dadurch aber nicht ausgelöst. Im ersten Quartal 2026 kehrten 270 Syrer heim. In dieser Taktzahl wären das weniger als ein Prozent aller hier lebenden Syrer pro Jahr.

„Wertvoller Teil der Gesellschaft“

Der Innenminister geht davon aus, dass die Mehrheit langfristig in Österreich bleibt. Vor allem jene, die schon mehrere Jahre hier leben und unbescholten sind. „Ein Großteil ist auch bereit, sich zu integrieren und zu arbeiten. Auch wenn wir das noch mehr einfordern und unterstützen müssen“, sagt Karner.

Dass alle Syrer wieder heimkehren, wie das FPÖ-Chef Herbert Kickl unter dem Motto „Asyl auf Zeit“ und „Remigration“ fordert, hält der ÖVP-Innenminister „weder für realistisch noch vernünftig, weil ich mich frage, wie so manches Spital dann noch geputzt werden würde“. Laut Karner seien viele Flüchtlinge „ein wertvoller Teil der Gesellschaft“ geworden. „Das darf man nicht negieren.“

Neue Regeln für Familiennachzug

Bei den Abschiebungen nach Syrien legt Karner weiterhin einen Schwerpunkt auf kriminelle Syrer, die ihre Strafe in Österreich abgesessen haben. Diese Abschiebungen sollen forciert werden, dafür habe es telefonische und persönliche Gespräche mit dem neuen, syrischen Amtskollegen gegeben.

Der Stopp des Familiennachzugs aus Syrien läuft im Herbst aus und muss durch eine Quote ersetzt werden. Geht es nach Karner, soll diese Quote niedrig sein. Welche Syrer dürfen Frau und Kind dann nachholen und welche nicht? Der Innenminister will die Entscheidung von der bisherigen Integrationsleistung der Väter abhängig machen und lässt diesen Modus rechtlich prüfen.

Ein Stopp und seine Folgen

Intensive Diskussionen mit dem Koalitionspartner SPÖ sind programmiert. Für die selbst erklärte Familienpartei ÖVP war der Stopp des Familiennachzugs eine harte Maßnahme. Doch Karner sieht sich durch die Jugendkriminalität unter 14 – dabei stechen syrische Kids heraus – und die Lage in den Schulen bestätigt. In den Schulen sank die Zahl jener Volksschulkinder, die zu Beginn kein Deutsch können, markant. Laut Innenminister hat der Stopp des Familiennachzugs dabei eine Rolle gespielt.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

ist seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor „Wiener Zeitung“, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.