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Österreich
01/16/2018

Josef Muchitsch: "Köche gibt es genug"

Die schwarz-blaue Regierung erhöhte in der Vorwoche die Quote für Zuwanderer. Der Gewerkschafter und SPÖ-Abgeordnete Josef Muchitsch lehnt dies vehement ab. Warum eigentlich?

von Gernot Bauer

profil: Herr Muchitsch, was haben Sie gegen Ausländer? Josef Muchitsch: Ein reiner Familiennachzug ist gesellschaftspolitisch zu befürworten. Der Regierung geht es aber darum, die Quoten für Saisonarbeiter zu erhöhen. Außerdem will sie die Mangelberufsliste regionalisieren. Statt Maurern oder Fliesenlegern aus Österreich oder EU-Staaten werden dann Leute aus Drittstaaten beschäftigt. Im Wahlkampf haben ÖVP und FPÖ aber versprochen, Inländer zu bevorzugen. Insofern darf man sich über diese Maßnahmen schon wundern.

profil: Die Wirtschaft beklagt, dass für manche Jobs keine Inländer zu finden sind. Insofern geht Ihre Kritik am Punkt vorbei. Muchitsch: Wir haben allein in der Bauwirtschaft 60.000 arbeitsuchende Menschen in Österreich. In den handwerklichen Berufen sieht es ähnlich aus. Die Wirtschaft will einfach ältere Arbeiternehmer durch jüngere und billigere aus Drittstaaten ersetzen. Niemand kann mir erklären, dass es in den EU-Ländern keine Maurer, Zimmerer oder Fliesenleger gibt.

profil: Und Köche? Muchitsch: Auch Köche gibt es genug in Österreich und der EU. Dazu brauchen wir keinen Zuzug aus Drittstaaten.

profil: Die Gastronomie kritisiert, dass Köche und Kellner aus Ostösterreich nicht in den Tourismusregionen im Westen arbeiten wollen. Muchitsch: Hier gab es bereits Verschärfungen. Mich stört ganz allgemein die Darstellung, dass es sich bei Arbeitslosen um arbeitsunwillige Menschen handle. Die Leute wollen arbeiten. Das AMS hat im Vorjahr 600.000 Menschen vermittelt. Und wer tatsächlich nicht arbeiten will, wird schon jetzt streng sanktioniert.

profil: Übrig bleibt der Eindruck, dass SPÖ und ÖGB wie die Freiheitlichen inländische Arbeitnehmer gegenüber ausländischen bevorzugen. Muchitsch: Unser Ansatz ist: Jene Menschen, die in Österreich integriert sind, sollen Vorrang auf einen Arbeitsplatz haben. Darunter finden sich zum Beispiel viele Menschen aus dem früheren Jugoslawien, die jahrelang in unser System eingezahlt haben, aber nun zunehmend etwa von jungen Polen verdrängt werden. Auch dagegen wollen wir etwas tun.