Das Lokal Kitzloch in Ischgl

Kitzloch-Betreiber „Die Saison verlief super“

Kitzloch-Betreiber Bernhard Zangerl über seine Disco als Virenherd, die Zusammenarbeit mit den Behörden und rekordverdächtige Nächtigungszahlen.

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profil: Wann haben die Behörden zum ersten Mal mit Ihnen Kontakt aufgenommen? Bernhard Zangerl: Am 5. März hat mich am Abend jemand vom Tourismusverband angerufen. Es hieß, dass eine isländische Gruppe, die daheim positiv getestet wurde, bei uns im Kitzloch war. Wir sollten Mitarbeiter zum Arzt schicken, wenn sie Symptome zeigen. Der besagte Barkeeper hatte zu dieser Zeit gewisse Symptome, deshalb schickten wir ihn am nächsten Tag zum Arzt, wo er getestet wurde. Einen Tag später war dann das positive Ergebnis da.

profil: In Interviews erklärten Sie, stets nach den Vorgaben der Behörden gehandelt zu haben. Wie sahen diese denn aus? Zangerl: Wir waren ab Samstag durchgehend mit den Behörden in Kontakt. Nach dem ersten Positivtest bekamen wir im Kitzloch Besuch von der örtlichen Polizei. Alle Kellner wurden nach Kontaktpersonen befragt und ab Samstagabend kamen wir dann auch alle in Quarantäne. Am Sonntag folgte die Testung durch eine Screening-Gruppe, am Montag waren 15 weitere Tests – inklusive meiner – positiv. Unter Auflagen durften wir noch offenlassen.

profil: Warum wurde das Lokal nicht sofort am Samstag zugemacht? Zangerl: Wir haben stets das gemacht, was uns die Behörden gesagt haben. Es waren Ärzte da, auch Personen von der Landessanitätsdirektion. Wenn die gesagt haben, es reicht vorerst aus, wenn wir das Lokal desinfizieren und das Team austauschen – das passierte am Sonntag – dann sind wir diesen Vorgaben eben gefolgt.

In Ischgl zeichnete sich heuer ein Rekord ab, da muss man nur auf die Nächtigungsstatistik schauen. Die Saison verlief super.

profil: Später wurde ein SMS des ÖVP-Nationalratsabgeordneten Franz Hörl an Ihren Vater publik. Er forderte darin am 9. März: „Sperr deine Kitz Bar zu“, sonst wäre die gesamte Saison gefährdet. Es sieht so aus, als wären Sie uneinsichtig gewesen. Zangerl: Uns hat das SMS sehr geärgert. Er war über das Geschehen nicht informiert, das Kitzloch war da aufgrund der neuen Testergebnisse ja schon im Schließen begriffen. Mit dem Abgeordneten Hörl hat es davor nie Kontakt gegeben. Einem Wirt dann die alleinige Schuld für ein Saisonende zu geben, das war unserer Meinung nach eine Zumutung.

profil: Für das Kitzloch war es die erste Saison mit Ihnen als Betreiber. Sie haben das Lokal im Herbst mit einem Millionenkredit erworben. Bestand da ein Druck, die Bar so lange wie möglich offen zu lassen? Zangerl: In Ischgl zeichnete sich heuer ein Rekord ab, da muss man nur auf die Nächtigungsstatistik schauen. Die Saison verlief super. Aber bis zum 7. März war Corona bei uns nicht offiziell bekannt, am 9. haben wir zugesperrt – wo sollen wir da etwas groß rausgezögert haben?

Jakob   Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef bei profil und leitet den Faktencheck faktiv. Derzeit in Karenz.