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LGBTIQ-Rechte: Was ist in Georgien und Spanien los?

Die aktuellen Vorfälle in Tiflis und A Coruña zeigen, wie wichtig es immer noch ist, gegen Homophobie und Diskriminierung zu kämpfen.

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 „Justicia para Samuel“ wurde in den letzten Tagen bei Protesten in vielen spanischen Städten skandiert: „Gerechtigkeit für Samuel“. Vor einer Woche wurde Samuel Luiz, ein 24-jähriger Krankenpfleger, ermordet – weil er schwul war. Luiz wurde vor einem Club in A Coruña zuerst homophob beleidigt und dann zu Tode geprügelt.

„Legalize Love“ stand in einer anderen europäischen Stadt auf Transparenten. In der georgischen Hauptstadt Tiflis wurde die geplante Pride-Parade abgesagt, nachdem Journalist:innen und Aktivist:innen gewaltsam angegriffen wurden und das Büro der Pride-Organisator:innen verwüstet wurde. Gegendemonstrant:innen versuchten offenbar wiederholt, die Polizeiketten zu durchbrechen, Pride-Flaggen wurden verbrannt. 

Der georgische Regierungschef Garibaschwili hatte sich im Vorfeld gegen eine Parade ausgesprochen, Aktivist:innen beklagen zudem, dass die in Georgien sehr mächtige orthodoxe Kirche zu Gewalt aufgerufen hätte. Nach den Attacken am Montag haben sich trotzdem mehrere tausend Georgier:innen gegen Gewalt gegen sexuelle Minderheiten stark gemacht.

Die Vorfälle in Georgien und Spanien sind bei weitem nicht die einzigen LGBTIQ-Stoßpunkte in Europa. Das ungarische Anti-LGBTIQ-Gesetz beschäftigt seit Wochen Politik, Medien und dank der schlussendlich doch nicht regenbogenfarbenen Allianz-Arena auch Fußballfans.

Über die Lage in Ungarn hat meine Kollegin Franziska Tschinderle vergangene Woche schon ausführlich geschrieben. Einen Satz aus ihrem Plädoyer möchte ich Ihnen fürs Wochenende mitgeben: „Die Rechte der sogenannten LGBT-Gemeinschaft, also von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen, sind nicht in Stein gemeißelt und müssen laufend verteidigt werden.“

Die Frage nach dem Warum der queerfeindlichen Gewalt und Diskriminierung zu stellen wäre naiv. Zu tief sind homophobe Sentiments noch in der Gesellschaft verankert, zu festgefahren ist die strukturelle Ungleichheit. Auch wenn die Paraden und queere Kultur bunt und unbeschwert wirken mögen: Pride bedeutete und bedeutet noch immer, für Gleichstellung und gegen Diskriminierung zu kämpfen. Das wird sich so schnell nicht ändern.

Bleiben Sie unbequem!

Lena Leibetseder

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Lena Leibetseder

Lena Leibetseder

ist seit 2020 im Online-Ressort bei profil und Teil des faktiv-Teams. Schreibt über Popkultur und Politik.