Coronavirus
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© APA/AFP

Österreich
03/12/2020

profil-Morgenpost: Das Virus und die Besuchsrechte

Guten Morgen!

von Michael Nikbakhsh

Gabriele Graumann, Geschäftsführerin des „Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser“ (KWP, eine Einrichtung der Stadt Wien), stand am gestrigen Mittwoch vor einer Entscheidung, die sie nur allzu gerne nicht getroffen hätte. Aber die Umstände ließen ihr keine Wahl. Nachdem eine Mitarbeiterin des Pflegepersonals am KWP-Standort „Hohe Warte“ im 19. Wiener Gemeindebezirk positiv auf das Coronavirus getestet worden war, verfügte Graumann die Sperre des gesamten Hauses. „Wir haben entschieden, das Wohnhaus abzuriegeln“, erzählt sie. „Das bedeutet, dass Angehörige und Lieferanten bis auf Weiteres keinen Zugang zum Objekt haben und auch für das Personal Restriktionen gelten. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner mussten wir leider auffordern, das Gelände vorerst nicht zu verlassen.“ Fünf von ihnen hatten obendrein engen Kontakt zur Pflegerin, sie wurden zwischenzeitlich isoliert (waren aber Stand gestern nachmittag nicht infiziert).

Parallel dazu wurden in allen 30 KWP-Häusern quer durch die Stadt die größeren und kleineren Veranstaltungen bis hin zu Gruppentreffen abgesagt.

Auf Facebook berichtete Graumann tags zuvor von ihrer täglichen Gratwanderung: „Heute hat mir eine Bewohnerin gesagt: ,Lossn's mi in Rua mit dem Virus. I geh überoi hin. I hob an Kriag, 3 Geburten und 100 Grippewellen überlebt. Eine Stunde später ein Angehöriger der findet, ich hätte schon längst alle Häusern sperren müssen. Und jetzt sei ich für alle Toten verantwortlich.“

Wir haben in den vergangenen Stunden und Tagen viel über die ökonomischen Folgen der Corona-Krise gehört und gelesen; die sozialen Folgen sind demgegenüber ungleich schwerer zu vermessen.

Ich habe mich gestern erstmals beim Gedanken ertappt, dass es wohl besser wäre, meine Eltern erst einmal nicht zu besuchen, weil es sie womöglich umbringen könnte. Meine Eltern sind tatsächlich sehr besorgt, wie so viele ältere Menschen in diesem Lande auch - im Gegensatz zu meiner Twitter-Blase, da wird nach wie vor ausgiebig über Corona geblödelt.

A propos Blödsinn. Auf der Online-Plattform willhaben.at tummeln sich wenig überraschend Glücksritter und Spinner, die versuchen, aus der Krise Kapital zu schlagen. Unter dem Suchbegriff „Coronavirus“ findet man mittlerweile Staubschutzmasken, Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe zu Apothekerpreisen - aber nicht nur. Mein aktueller Favorit: „Kolloidales Silberwasser“, das als „natürliches Antibiotikum“ eingesetzt werden kann: „Auch zur Prävention von Coronavirus geeignet“, wie der Verkäufer schreibt. Literpreis: 20 Euro.

Michael Nikbakhsh

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