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Österreich
05/04/2020

profil-Morgenpost: Krise der Frauen

Guten Morgen!

von Ines Holzmüller

Während viele Auswirkungen der Corona-Krise erst zu erahnen sind, ist eines bereits sicher: Frauen trifft sie besonders hart. Die Vereinten Nationen rechnen in ärmeren Ländern mit sieben Millionen ungewollten Schwangerschaften durch erschwerten Zugang zu Verhütung. Auch die Gewalt gegen Frauen steigt an.

Frauen stellen den Großteil der „SystemerhalterInnen“: Laut „Moment Magazin“ sind über 80 Prozent des Gesundheitspersonals (exkl. ÄrztInnen), fast 90 Prozent in Betreuungsberufen und über 70 Prozent des Personals im Lebensmittelhandel weiblich.

Angesichts geschlossener Schulen und Kindergärten, sowie „Kontaktverbot“ zu den Großeltern fällt auch die Last der Kinderbetreuung übermäßig oft auf Frauen. So wie scheinbar im Hause August Wögingers: Der ÖVP-Klubobmann dankte in der ORF-Sendung „Runder Tisch“ Anfang April seiner Frau, die sich um das Lernen mit den drei Kindern kümmere. Die Reaktionen der teilnehmenden Politikerinnen waren, sagen wir, durchwachsen.

Wie sich solche Verhältnisse auf die Karrieren von Frauen auswirken, lassen erste Daten zu Einreichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vermuten: Weit weniger Wissenschafterinnen würden momentan ihre Arbeiten einsenden, schreibt eine Redakteurin auf Twitter. Sie habe so etwas „noch nie gesehen“.

Der Spagat, den Frauen das ganze Jahr über versuchen, ist nun noch schwieriger geworden. Im Auftrag der Universität Wien durchgeführte Befragungen zeigen: Österreichs Frauen sind seit Corona unglücklicher geworden, mehr als die Männer.

Aber immerhin: Man klatscht, man lobt die stillen Heldinnen, Feministin möchte die ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab dennoch nicht sein.

profil-Kolumnistin Elfriede Hammerl bringt es auf den Punkt: „Das Hohelied auf die stillen Heldinnen – und Helden – des Alltags ist viel zu oft nur ein Lobpreis auf Retro-Geschlechterrollen und Unterwürfigkeit in einer Klassengesellschaft, in der jede und jeder auf ihrem oder seinem Platz bleibt, ohne die Platzzuweisung oder die Ausgestaltung der Plätze infrage zu stellen. Gerade sind wir wieder heilfroh, dass die stillen Heldinnen und Helden des Alltags ohne aufzumucken ihre oft mühseligen Pflichten erfüllen.“

Einen schönen Montag wünscht,

Ines Holzmüller

P.S.: Wie es Kollege Clemens Neuhold im Homeoffice mit Kindern geht, lesen Sie hier. Seinen Artikel zur Problematik des Homeschooling hier.

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