profil-Morgenpost: Opferrolle rückwärts!

Sebastian Kurz am Wochenende beim offiziellen Wahlkampfauftakt

Sebastian Kurz am Wochenende beim offiziellen Wahlkampfauftakt

Angelika Hager

Angelika Hager

Guten Morgen!

„Wir spielen alle und wer es weiß, ist klug.” Diese sattsam zitierte Arthur Schnitzler -Weisheit ist, das weiß inzwischen jedes Kind, die Grundvorausetzung, um auf der politischen Bühne überleben zu können.

Sebastian Kurz hat sich seit seinem Abtritt für das Rollen-Genre des Opfers entschieden. Weswegen profil-Karikaturist Ruud Klein in seinem Cartoon im Leitartikel von Gernot Bauer eine Figur zu seinem Kind sagen lässt: „Nimm dir ein Beispiel! Der kleine Basti kann schon die Opferrolle rückwärts!” Bauer gibt Antworten auf die Frage „Kann Sebastian Kurz seinen Wahlsieg noch vergeigen?” Die aktuelle Tragikkomödie auf dem Spielplan der ÖVP könnte den Arbeitstitel „Was zum Hacker!” tragen. Jene Überschrift trägt jedenfalls die Geschichte von Stefan Melichar und Jakob Winter , in der das Autorenduo mit Hilfe internationaler IT-Experten der ÖVP-Behauptung, einem groß angelegten Datendiebstahl zum Opfer - was denn sonst - gefallen zu sein, auf den Grund geht.

Diese Woche eröffnet Martin Kušej die „Burg”- oopsie, da müssste man jetzt gleich 10 Euro in einen Topf werfen, denn der neue Direktor besteht auf den Begriff „Burgtheater” - mit Euripides' orgiastischem Drama „Die Bakchen” in der Regie des zur Zeit mächtig angesagten Ulrich Rasche. In der aktuellen Titelgeschichte versuchen meine Kollegin Karin Cerny und ich den Ursachen für die hoch emotionale Symbiose zwischen der Republik und ihrer ersten „theatralischen Dichtervernichtungs - und Schreianstalt”, so Thomas Bernhard , zu erkunden. Tauchen Sie ein in die Welt der Großmimen, Divenkriege, Finanzskandale, Kantinendramolette & Publikumslieblinge. „Man sollte in jedem Land das Wichtigste sein: in den Dolomiten eine Kuh, in Mexiko ein Sombrero und in Wien ein Burgschauspieler”, wusste schon Alexander Moissi 1928. Und bis heute hat sich diesbezüglich wenig geändert. So heißt es in Thomas Bernhards Erregung „Holzfällen": „Es hat immer Lieblingsschauspieler gegeben, aber nie einen Lieblingsburgtheaterdirektor.”

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Nicht vergessen: Am 11. September erscheint endlich jenes Buch, das seit geraumer Zeit in den sozialen Medien für Beschwingtheit sorgt: Judith Grohmanns „Sebastian Kurz - die offizielle Biografie”. Die Dame, die stilistisch irgendwo zwischen Hedwig Courths-Mahler und Gabriel Barylli anzusiedeln ist, hat sicher noch mehr Satzperlen á la „Die kleine spitze Nase, die aus seinem Gesicht lachte...” im Talon.

Sorgen Sie uns bitte dafür, dass auch Ihre Nase in der kommenden Woche genug zu lachen hat.

Angelika Hager