SPÖ-Landesparteiobmann Michael Schickhofer

profil-Morgenpost: Roter Frust und Job-Roulette im Casino

Guten Morgen!

Drucken

Schriftgröße

Rosemarie Schwaiger

Tut ein Schicksalsschlag weniger weh, wenn man ihn kommen sah und sich darauf vorbereiten konnte? Oder ist es noch schlimmer, wenn düstere Vorahnungen dazu führen, dass der schmerzlindernde erste Schock wegfällt? Der steirische SPÖ-Chef Michael Schickhofer kann diese Frage seit gestern wahrscheinlich beantworten. Wie sämtliche Meinungsumfragen vorhergesagt hatten, gewann die ÖVP die steirische Landtagswahl klar und mit großem Abstand. Für die SPÖ ging es nach ihrem sehr schlechten Ergebnis von 2015 noch einmal um rund fünf Prozentpunkte nach unten. Wie schon bei der Nationalratswahl wanderte ein Großteil der enttäuschten FPÖ-Anhänger zur ÖVP; um die SPÖ machten sie einen großen Bogen. Schickhofer kann sich nur damit trösten, dass die Freiheitlichen von den steirischen Wählern noch mehr geschröpft wurden.

Heute, am Tag nach dem Debakel, präsentiert Gerhard Zeiler sein Buch „Leidenschaftlich rot“. Zeiler war Generaldirektor des ORF und ist seit vielen Jahren ein international erfolgreicher Medienmanager. Mehrfach war er als SPÖ-Chef im Gespräch gewesen. „Wenn sich die SPÖ nicht programmatisch, kommunikativ und organisatorisch neu ausrichtet, (....) wird sie zu einer Kleinpartei werden“, heißt es in Zeilers Streitschrift. profil bringt schon heute einen Vorabdruck und dazu ein Interview mit dem ehemaligen SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina zur Krise der Sozialdemokratie.

Aber nicht nur die SPÖ leidet derzeit an sich selbst, auch die FPÖ kommt aus dem Ibiza-Strudel nicht heraus. profil enthüllte schon am Wochenende, mit wem Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache unmittelbar nach Auffliegen des peinlichen Videos telefonierte. Es handelte sich um zwei sehr bekannte Unternehmer, von denen in der spanischen Finca eher despektierlich die Rede gewesen war. Für unsere aktuelle Cover-Geschichte ging ein Rechercheteam den vielen Fragen nach, die rund um die Bestellung des FPÖ-Mann Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria AG noch offen sind. „Was als FPÖ-Skandal begann, hat die ÖVP erreicht – und spielt damit auch eine Rolle bei den laufenden türkis-grünen Koalitionsverhandlungen“, schreiben die Kollegen. Die SPÖ hat allerdings wenig Grund zur Schadenfreude: Wie profil enthüllt, war der von den Casinos engagierte Personalberater nicht nur mit der Bestellung Peter Sidlos unglücklich gewesen – sondern auch mit dem von der SPÖ betriebenen Avancement eines gewissen Dietmar Hoscher zum Casino-Vorstand vor zehn Jahren.

Österreich darf sich in dieser Causa wohl auf den nächsten parlamentarischen Untersuchungsausschuss freuen. Trotzdem eine schöne Woche!

Rosemarie Schwaiger