Nachfolge-Blues: Häupl entgleiten bei der Erbregelung die Zügel

Wie geht es weiter? Bürgermeister Michael Häupl mit Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (ganz links), Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger

Wie geht es weiter? Bürgermeister Michael Häupl mit Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (ganz links), Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger

Wiens Bürgermeister Michael Häupl wird die Frage nach seinem Rücktritt nicht mehr los.

So ähnlich die Politkarrieren der beiden mächtigen Landeshauptleute, so verschieden ihr Abgang. Hier Erwin Pröll, der seine Erbin politisch großzieht und dann, nach einem kurzen, klaren Schlussstrich, auf den eigenen Thron hebt. Dort Michael Häupl, der die Zügel nicht loslassen will oder kann. „Jetzt hobt’s mi eh no. Ich würde euch abgehen“, sagt er am Freitag auf eine Reporterfrage nach seiner Nachfolge fast flehend. Er weiß: Die Frage wird er nicht mehr los. Sie dringt durch seinen Machtpanzer und scheint nach der Sitzung am Freitag schwerer zu beantworten zu sein als zuvor.

Noch vor Beginn der Debatte über die Rochade in der Stadtregierung hat sich Andreas Schieder ohne Not aus dem Rennen genommen. Der SPÖ-Klubobmann im Parlament und Ex-Finanzstaatssekretär war als Finanzstadtrat im Gespräch und hätte durchaus Chancen auf die Häupl-Nachfolge gehabt. „Er hat überlegt. Aber Häupl ist es nicht gelungen, den Dissens in der Partei zu beenden. Warum soll sich Schieder auf einen Krieg einlassen?“, heißt es aus seinem Umfeld. Es gibt viele Konfliktfelder: Flächenbezirke gegen Innenstadt-Zirkel; rechts gegen links; Rebellen aus dem Lager um Wohnstadtrat Michael Ludwig gegen Häupl-Getreue wie Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger, Finanzstadträtin Brauner oder Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Brauner und Wehsely sind längst aus dem Rennen – die energische und gut vernetzte Wehsely hat wegen ihrer Baustellen im Gesundheitswesen sogar die Stadtregierung verlassen. Am Freitag wurde bekannt: Ihre Nachfolgerin ist Frauenberger, der postwendend ein gehöriger Misstrauensvorschuss aus den Außenbezirken entgegenschlug.


Vorerst heißt der Nachfolger von Michael Häupl – Michael Häupl.

Stadtschulrat Jürgen Czernohorszky, der nun das Bildungsressort von Frauenberger übernimmt, ist quer durch die Partei beliebt. Der Penzinger kann mit allen, zählt aber ebenfalls eher zum Linken-Parteiflügel der Wiener SPÖ. Mit 39 Jahren kommt er als Kronprinz für ein Amt auch deswegen kaum infrage, weil die Wiener eine gewisse erfahrene Behäbigkeit im Rathaus erwarten.


Die weist Ludwig auf. Er hat es bisher aber nicht geschafft, das Parteiruder an sich zu reißen, und durch den Grabenkampf zu viel Feinde angesammelt. Wenn es ihm vor der Freitagssitzung wieder nicht gelungen ist, eine Dynamik zu seinen Gunsten auszulösen, warum sollte das bei einer Kampfabstimmung am Parteitag Ende April klappen? Bleibt aus jetziger Sicht Umweltstadträtin Ulli Sima, die sich bisher geschickt aus allen Konflikten heraushielt. Doch vorerst heißt der Nachfolger von Michael Häupl – Michael Häupl. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich beim Parteitag nicht wieder antrete, ist gering“, sagte Häupl am vergangenen Freitag, ohne erkennen zu lassen, wen er sich für seine Nachfolge vorstellt. Zum Schaden der Partei. Das erhöht die Nervosität mittlerweile in beiden Lagern – und auch in der gesamten SPÖ.