© Clemens Neuhold

Österreich
05/01/2021

Niessl zu Doskozil-Rückzug: „Das Burgenland war immer anders“

Ex-Landeshauptmann Hans Niessl über den Crashkurs des Nachfolgers und den ewigen roten Richtungsstreit.

von Clemens Neuhold

profil: Ihr Nachfolger Hans Peter Doskozil hat sich aus der Bundespartei zurückgezogen. Verständlich für Sie?

Niessl: Er hat seine Gründe gehabt. Wenn wir Wahlen gewinnen wollen, und Doskozil hat im Burgenland gezeigt wie das geht, wäre er aber auch für die Bundespartei ein Gewinn gewesen.

profil: Sie haben sich nie mit großer Geste zurückgezogen aus dem Bundesvorstand wie Doskozil.

Niessl: Bei mir war immer klar, dass ich Teil des Vorstandes bin. Ich habe so einen Schritt nie gesetzt, obwohl ich teils andere Meinungen hatte wie Wien oder die Bundespartei. Wir haben das ausdiskutiert.

profil: Warum klappt das heute nicht mehr?

Niessl: Es ist eine andere Zeit.

profil: Ist es in Zeiten der Polarisierung schwieriger geworden, die Welten in der SPÖ zu vereinen?

Niessl: Die SPÖ muss einiges zulassen. Das war schon immer so. Wir sind als ländlichstes Gebiet Österreichs seit 1964 sozialdemokratisch. Das ist ein Unikum. Auch in Europa. Klar gehen wir teilweise einen anderen Weg als Wien und andere urbane Regionen.

profil: Ist Rendi-Wagner die Richtige für die Zukunft der SPÖ?

Niessl: Sie wird mit einer großen Mehrheit gewählt werden am Parteitag, damit ist sie die Richtige. Vor den nächsten Wahlen wird es wieder eine Entscheidung geben. Die Politik ist schnelllebig.

profil: Hat sich Doskozil einmal zu oft versteckt oder offen gegen die Parteispitze ausgesprochen?

Niessl: Ob die Zeitpunkte oder Anlässe immer die richtigen waren, darüber kann man diskutieren. Es ist aber immer auch eine Frage der Gründe.

profil: Ist es ein Naturgesetz, dass die burgenländische SPÖ einen anderen Kurs als die Bundespartei fährt?

Niessl: Es gab immer kleinere oder größere Auseinandersetzungen. Das Burgenland war schon immer anders. Schon Theodor Kerry, der ab 1966 ganze 21 Jahre Landeshauptmann des Burgenlandes war, wurde mit einer Stimme des freiheitlichen Abgeordneten gewählt. Und auch bei Johann Sipötz wurde das vermutet (schmunzelt). Ich ging eine Koalition mit der FPÖ ein, wie dann auch mein Nachfolger Hans Peter Doskozil.

profil: Man könnte sagen, das Burgenland war immer zu rechts für die SPÖ.

Niessl: Was ist rechts und was links? Wir haben immer gesagt, es gibt eine Grenze des Möglichen. Integration vor Zuzug. Das ist heute Standard in der Partei. Es kann niemand verantworten, wenn in eine Gemeinde wie Nickelsdorf mit 1500 Einwohnern pro Tag 10.000 Asylwerber kommen.

profil: Sie haben in ihrer Zeit die ÖVP rechts überholt, mit einem Veto gegen ein Flüchtlingsheim in Eberau.

Niessl: Wer hält es für gut, 1000 Asylwerber in einer 1000-Seelen-Gemeinde unterzubringen? Wir haben unsere Asylquote immer erfüllt und es gab keinen einzigen, negativen Zwischenfall mit Asylwerbern. Wer kann das von sich behaupten?

Zur Person: Hans Niessl feiert im Juni seinen 70. Geburtstag. Er war von 2000 bis 2019 Landeshauptmann des Burgenlandes.

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