Der Ausnahmezustand geht weiter: Die Wiener Messehalle wird  für ein Corona-Betreuungszentrum vorbereitet.
Der Ausnahmezustand geht weiter: Die Wiener Messehalle wird für ein Corona-Betreuungszentrum vorbereitet.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Österreich
03/24/2020

profil-Morgenpost: Treffpunkt: Um halb sechs nach dem Krieg!

Guten Morgen!

von Eva Linsinger

Eva Linsinger

Der Corona-Ausnahmezustand geht in die zweite Woche. Für manches finden sich erstaunlich schnell erstaunlich kreative Lösungen, Online-Fitness- und Yoga-Stunden boomen, Eltern lernen von ihren Kindern Apps wie „Party“ zu nutzen, LehrerInnen und Schulen entwickeln neue Unterrichtsformen.

Museum oder Stammlokal?

Manch andere Begleiterscheinungen des „social distancing“ beginnen aber, zu veritablen Entzugserscheinungen zu führen, zu Sehnsüchten nach einem „normalen“ Leben und zu kreativen Listen wie: Was machen Sie als erstes, wenn das Land irgendwann einmal wieder aufgesperrt wird? Ins Kaffeehaus gehen? Ins Museum? Freunde treffen? In großen Gruppen im Park abhängen? Ausgiebig Hände schütteln? Schauen, ob das Stammlokal den Shutdown überlebt hat?

Der brave Soldat Schwejk wusste seinerzeit ganz genau, was sein Ziel-1-Gebiet nach dem Ausnahmezustand sein wird: „Also dann, nach dem Krieg um halb sechs im Kelch“, rief er seinen Saufkumpanen im Prager Lokal hoffnungsfroh zu, kurz bevor er in den Ersten Weltkrieg und in die Armee des Kaisers einrücken musste. Das Buch „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, in denen er mit stoischer Ruhe und großem Fatalismus über die straffe Befehlsstruktur des Krieges und sinnlose Hierarchieschikanen ätzt, ist dieser Tage wieder amüsant zu lesen. Das Lokal „Zum Kelch“ existiert übrigens bis heute.

Geist der Kaiserzeit

Manch Gesetz aus dieser Zeit allerdings auch. Etwa das österreichische Epidemieschutzgesetz, das nun die Basis für die drakonische Ausnahmezustands-Regeln bietet. Es wurde einige Male verändert, verströmt im Kern aber den strengen und vordemokratischen Geist der Kaiserzeit, wo der Monarch nach Gutdünken gewähren könnte. Das schien lange vorbei – bis Corona. Nun werden in atemberaubendem Tempo in Österreich und in anderen westlichen Demokratien die Grundrechte eingeschränkt. Wir werden uns noch wundern, was alles möglich ist.

Zeit, sich zu fragen: Legitimiert Corona alles? Wie kann und muss sich unsere Demokratie im Kampf gegen das Virus beweisen? Können wir es besser als China? Ist jede Maßnahme im Detail richtig oder grenzt manche an Schikane? Wir stellen uns diese (und viele andere Fragen) in der aktuellen Ausgabe des profil - alles diese Woche im E-Paper – kostenlos, der Ausnahmezustand hat für LeserInnen auch positive Seiten.

Treffpunkt: Morgen, sechs Uhr nächste Morgenpost!

Bleiben Sie gesund und bleiben Sie uns gewogen! Eva Linsinger

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