HOHER MARKT
Tgl. 9-4 Uhr
Hier geht jeder gern hin, sagt man. Kaum zu glauben, denn „die Haße“ (1,80€ pro 10 dag) – immerhin vom Kranz geschnitten – wurde lauwarm serviert und die Käsekrainer (3,20 €) lag schon etwas zu lange auf dem Grill. Falls man beschwipst einen Zwischenstopp vom Ausflug ins Bermudadreieck einlegt, nimmt man das hin. Aber eigentlich ist das nicht akzeptabel. Dass auf der Karte stehende Tuborg-Bier gab’s nicht. Obwohl der Stand mit „internationalen Bieren“ wirbt.
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© APA/GEORG HOCHMUTH

Österreich
10/13/2020

profil-Morgenpost: Grün oder Pink – wer rettet den Würstelstand?

Guten Morgen!

von Clemens Neuhold

„Man kann jetzt von der Burggasse bis zur Josefstädterstrasse (sic) gehen, ohne aus dem Grünen Machtzentrum herauszukommen“, markiert der grüne Nationalratsabgeordnete Michel Reimon das neue grüne Revier auf Twitter. Den 7. Bezirk (Burggasse) haben die Grünen schon bisher regiert, der Nachbar Josefstadt kam am Sonntag dazu.

Trotz der vergleichsweise hohen Dichte an Josefstädtern mit Zweitwohnsitz im Grünen könnte die Sehnsucht nach Natur eine Rolle gespielt haben. Die Josefstadt ist mit 1,9 Prozent der Bezirk mit den geringsten Grünflächen. Und das obwohl die Stadt insgesamt zu 50 Prozent aus Grün- und Wasserflächen besteht. Zwei Zahlen aus unserem profil-Wien-Special. Das Heft erschien kurz vor der Wahl und widmete sich der umkämpften Stadt aus einer gewissen Flughöhe - oder zurückgelehnt, wie es Sebastian Hofer in seinem Favoritner Tschocherl-Report „Ein Sturm auf Wien“ anlegt. Einen Tag lang ging er dort der Frage nach, was ein Scharlachberg an der Schank kostet oder was die Menschen vom Leben wollen, und was von der Politik. „Keine Grünen mehr in der Stadtregierung.“ Das bekamen wir nicht nur bei der Reportage im „Gölsentaler“ zu hören, sondern auch innerhalb der SPÖ.

Das versetzt die Neos in eine Sturm und Drang-Phase Richtung Wiener Rathaus – sie wollen Juniorpartner der SPÖ werden. Auf der Strecke bleibt der Humor. Auf den launigen Groß-Grün-Reich-Tweet Reimons schrieb die Chefin der Neos, Beate Meinl-Reisinger, bierernst: „Der Tweet sagt viel über das Machtverständnis der Grünen aus. Ihr habt Vertrauen geliehen bekommen, aber die Bezirke sind immer noch die Bezirke der Bürgerinnen und Bürger.“

Ob Ernst Nevrivy seine Machtfülle ebenso bescheiden definiert? Er ist Bezirksvorsteher der Donaustadt, wo die SPÖ mit 44 Prozent am Sonntag dreimal so viele Stimmen holte wie Neos und Grüne zusammen. Flächenmäßig jausnet die Donaustadt den 7. und 8. Bezirk zum Frühstück. Dass die Einwohnerzahl Wiens seit 2010 um 13 Prozent gewachsen ist (noch so eine spannende Zahl im Heft), merkt man an der Krandichte in der Donaustadt. Redakteurin Karin Cerny beschreibt das in ihrer Hommage an die Seestadt Aspern, einer von zwölf persönlichen Hotspots in Wien, den profil-Redakteure beschreiben.

Wiener Kulturgut

So zubetoniert kann die Donaustadt gar nicht werden - Grünflächen gibt es weiterhin in Hülle und Fülle (Gstetten mitgemeint). Deswegen denkt Nevrivy weiterhin mehr in neuen Straßen als Begegnungszonen. Und deswegen wünscht er sich lieber die Neos als die Grünen in die neue Stadtregierung. Das ließ er noch am Sonntag nach geschlagener Wahl gegenüber profil anklingen

Doch vielleicht hat Bürgermeister Michael Ludwig innerlich die dritte Runde Rot-Grün längst eingeläutet. Und die Nevrivys der Partei haben bis dahin die Lizenz, die Grünen vor Koalitionsverhandlungen kleinzuhalten, damit sie einer gestärkten SPÖ in der nächsten rot-grünen Koalition keine Bäume vor neue Straßen und Tunnels aufstellen. Solche Ränkespiele werden uns noch über Wochen begleiten. Im aktuellen profil steht, was wirklich zählt in der Stadt. Dazu darf auch der Erhalt des Kulturgutes Würstelstände gezählt werden. Ihre Zahl ist seit 2010 von 790 auf 274 gesunken. Laut dem abgewählten blauen Bezirksvorsteher in Simmering, Paul Stadler, gibt es in „ganz Simmering ka guats Würschtl mehr“.

Ideen zum Erhalt des Würstelstandes blieben Grüne oder Pinke im Wahlkampf schuldig. Beim Gölsentaler hätten sie damit sicher punkten können.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Mittwoch.

Clemens Neuhold

 

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