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profil-Morgenpost
06/14/2021

Kennen Sie „Kracherl“ und „Klapperl“?

Gernot Bauer kann nicht verstehen, warum ein Sommer wie damals solche Sehnsüchte auslöst.

von Gernot Bauer

Guten Morgen!

Manche Dinge werden nicht mehr hinterfragt. So scheint wirklich überall im Land „ein Sommer wie damals“ die größte Sehnsucht zu sein. Sogar junge Leute träumen davon, obwohl sie gar nicht wissen können, wie ein Sommer damals war.

Dass wir uns nach „einem Sommer wie damals“ sehnen, ist auch die Schuld eines Kracherl-Produzenten, der mit diesem Slogan seine Produkte bewarb. „Kracherl“ (wie auch „Klapperl“) ist übrigens ein Begriff, den nur kennt, wer noch weiß, wie ein Sommer damals war. Und glauben Sie Ihrem Morgenpostler: Früher war nicht alles besser, auch nicht die schönste Jahreszeit. Das beginnt mit dem Wetter. 1961, 1971, 1981 (danach gilt wohl nicht mehr als „damals“) waren die Sommer mal heißer, mal kälter, mal regnerisch, mal trocken. Wettermäßig war ein Sommer damals wie heute. In den Urlaub fuhr man aber nicht ins schöne Kroatien, sondern nach Tito-Jugoslawien.

Die heimischen Seen hatten beileibe nicht die heutige Wasserqualität. In einem Werbespot des oben genannten Kracherl-Herstellers springen fröhliche Menschen in einen Tümpel, so klar, wie es ihn damals mit Sicherheit nicht gab. Die Wiesen, über die man barfuß lief, durften noch chemisch behandelt werden. Das Sonnenöl roch nach ÖMV (so hieß damals die OMV). Unter den Leiberln aus schwerer Baumwolle schwitzte man. Das Bier war oft warm – die Getränkekühltechnologie hat da mittlerweile einiges geleistet. Und um mit einem Mythos aufzuräumen, der auch hier besungen wird: „Hitzefrei“ gab es nicht, zumindest nicht im „damals“ Ihres Morgenpostlers.

Koglers gefährdete Sommerfrische

Auch Grünen-Chef Werner Kogler verkündete jüngst per Videobotschaft „einen Sommer wie damals“. Der Vizekanzler hat offenbar einen kürzeren Zeithorizont. Er bezog sich auf die Zeit vor Corona, also Sommer 2019, der den Grünen mit Sicherheit unvergesslich bleibt: wegen Ibiza und weil sie ihn nach dem Absturz bei der Wahl 2017 außerhalb des Parlaments verbrachten.

Wenn jemandem ein schöner Sommer zu gönnen ist, dann Werner Kogler. In den vergangenen Wochen musste er sich ständig für die Fehler anderer rechtfertigen, wie Rosemarie Schwaiger hier ausführt. Ob ihm eventuell Neuwahlen die Sommerfrische versauen, erfährt Kogler im aktuellen profil-Leitartikel von Christian Rainer.

Damals, im Kogler´schen Sinn, gab es auch die „Sommergrippe“. Ob sie heuer wie ihre große Schwester im Jänner und Februar ausbleibt? Das Coronavirus macht jedenfalls einmal Sommerpause. Schön wäre es, würde es gleich Herbstferien und einen Weihnachtsurlaub anhängen. Für den Jahreswechsel 2021/2022 sehnen wir uns nämlich nach einem Winter wie damals.

Bleiben Sie cool!

Gernot Bauer

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