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profil-Morgenpost
07/28/2021

Sanfte Wege zum Glück

Wie die Regierung die Lage der Jugendlichen verbessern will und warum Michaela Polleres, Silbermedaillen-Gewinnerin in Tokio, dabei ein Vorbild sein müsste.

von Sebastian Hofer

Guten Morgen!

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Im Vorfeld der Regierungsklausur in Reichenau an der Rax kündigten Bildungsminister Heinz Faßmann und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein an, dass die Regierung zusätzliche Mittel zur Bekämpfung der psychosozialen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche bereitstellen möchte. Das Geld ist dringend nötig. Bei der Recherche für eine ganz andere Geschichte erzählten mir im Frühsommer gleich mehrere Psychologen und Psychiater unabhängig und ungefragt von der erschreckenden Steigerung psychischer Problemlagen, die sie bei jungen Menschen in Österreich erleben müssen. Die, die jetzt eigentlich ihre Ferien im Freibad genießen sollten, tun diesbezüglich vielleicht eh ihr Bestes, aber schleppen dabei eben doch einen gewaltigen Rucksack mit: Ängste, depressive und psychosomatische Erkrankungen haben in den vergangenen Monaten unter jungen Menschen in Österreich erheblich zugenommen.

Angelika Hager hat in einer profil-Titelgeschichte vor Kurzem die ganze Dramatik der Situation beschrieben (und dabei auch ein paar gute Ratschläge gesammelt, die betroffenen Jugendlichen und deren Eltern helfen können, damit aus einer schwierigen Situation keine Katastrophe wird). Die Regierung will nun – mit einem Extra-Budget von 12 Millionen Euro bis Ende nächsten Jahres – vor allem über Schulpsychologie und die außerschulische Jugendarbeit versuchen, die Situation zu verbessern. Ob das wirklich reicht, wird sich zeigen, so ein Rucksack legt sich nicht so leicht ab. Immerhin zeigte sich Lehrergewerkschafter Paul Kimberger gestern überzeugt, dass das kommende Schuljahr „ein hohes Maß an Normalität“ bringen werde; fallweise Schulschließungen mochte er trotzdem nicht ausschließen, was wiederum, rein psychosozial betrachtet, leider so ziemlich das Schlechteste ist, was man machen kann, wie die Kinderpsychiaterin Katrin Skala im Gespräch mit Angelika Hager erklärt hat.

Aber vielleicht kann man sich beim Kampf gegen Corona ja ein Beispiel an Michaela Polleres nehmen. Die 24-jährige Niederösterreicherin praktiziert sehr erfolgreich eine japanische Kampfsportart namens Judo. Das bedeutet sinngemäß „der sanfte Weg“, was im Halbfinale zwischen der späteren Goldmedaillengewinnerin Chizuru Arai und der jungen Russin Madina Taimazowa zwar deutlich anders aussah (nämlich eher nach „Rocky IX“), aber unterm Strich jedenfalls eine schöne Idee ist und uns zur zweiten guten Nachricht in diesem Newsletter führt: Nach der sensationellen Bronze-Medaille des aus Tschetschenien stammenden Österreichers Shamil Borchashvili erkämpfte Michaela Polleres gestern eine kaum weniger sensationelle Silbermedaille, Österreich ist mal wieder auf dem Weg zur Judo-Nation. Jetzt muss die Sanftheit nur noch in die Politik finden. Andererseits: Wann, wenn nicht jetzt?

Einen goldenen Donnerstag wünscht Ihnen

Sebastian Hofer

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