Die FPÖ kommt wegen den Ausritten ihrer Jugendorganisation in Bedrängnis
Rassistische Gesänge: Mitglieder der FPÖ-Jugend ausgeforscht
Eine Anzeige war der Ausgangspunkt für die Ermittlungen: Gäste eines Lokals in Gosau wurden Ende November Zeugen davon, wie Jugendliche zu Gigi D'Agostinos Welthit „L'amour toujours“ die rassistische Textversion „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ grölten.
Die schockierten Zeugen filmten die Szenen und stellten sie der Staatsanwaltschaft Wels zur Verfügung, die Ermittlungen wegen Verhetzung einleitete. Die Videos wurden auch den „Oberösterreichischen Nachrichten“ zugespielt, die Anfang Dezember erstmals über den Fall berichteten.
Drei Freiheitliche ausgeforscht
Drei Personen auf den Videos konnten inzwischen vom Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) identifiziert werden, wie die Welser Staatsanwaltschaft gegenüber profil bestätigt. Brisant: „Es handelt sich bei diesen um Mitglieder der Freiheitlichen Jugend.“ Den Zeugenaussagen sei laut Staatsanwaltschaft zu entnehmen, „dass an besagtem Abend zahlreiche Gäste im Lokal waren, die der Freiheitlichen Jugend bzw. der FPÖ zuzurechnen sind“.
Der Fall war für die Ermittler auch nicht allzu schwer zu lösen: Schließlich fand zum Zeitpunkt des Vorfalls ein Seminar der Freiheitlichen Jugend mit dem Titel „Zeichen setzen“ in Gosau statt. Nach einem Fackelzug sollen mehrere Mitglieder der blauen Jugendorganisation in dem besagten Lokal gefeiert haben.
Nach den ersten Vorwürfen hatte die Freiheitliche Jugend die Causa noch weggewischt und meinte, dass „ein Gasthausbesuch nicht Teil des Seminarprogramms war“. Diese Aussagen erscheinen nun in einem neuen Licht.
Suche nach weiteren Beschuldigten läuft
Für die Freiheitlichen könnte die Sache noch deutlich unangenhemer werden: „Aktuell werden weitere Ermittlungen geführt und wird insbesondere versucht, weitere Beschuldigte auszuforschen“, sagt die Staatsanwaltschaft Wels zu profil. Dafür wird das Videomaterial mit Fotos abgeglichen – wohl von Mitgliedern der Freiheitlichen Jugend. Bei dem Seminar waren auch Nationalratsabgeordnete der Freiheitlichen anwesend.
Offen ist, ob mit den drei Beschuldigten bereits Vernehmungen durchgeführt wurden. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Der Vorfall von Gosau ist nur einer von mehreren, bei denen in den vergangenen Monaten der Hit von D'Agostino rassistisch umgetextet wurde, der wohl bekannteste Vorfall wurde im Mai 2024 auf Sylt dokumentiert.
D'Agostino hat sich von der Vereinnahmung öffentlich distanziert.