Verfassungsschutzbericht: Rechtsextremisten und Islamisten größte Gefahr
Rechtsextreme und Islamisten mögen auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten haben. Doch im Verfassungsschutzbericht für 2025 zeigen sich gleich mehrere Parallelen: Von den beiden extremistischen Strömungen geht die größte Gefahr für die österreichische Sicherheit aus.
„Besorgniserregend”: Anstieg bei Rechts- als auch islamistischem Extremismus
Sowohl Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) als auch Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) sind sich in dieser Einschätzung einig. Sie präsentierten den Bericht am Montag gemeinsam mit DSN-Direktorin Sylvia Mayer.
In absoluten Zahlen zeigen sich jedoch unterschiedliche Dimensionen: Beim islamistischen Extremismus und Terrorismus stieg die Zahl der Tathandlungen um 42,3 Prozent – von 215 im Jahr 2024 auf 306 im Jahr 2025.
Die Gefährdungslage in diesem Bereich sei weiterhin hoch und werde sich auch 2026 fortsetzen, so Mayer. Großveranstaltungen wie der Eurovision Song Contest (ESC) stünden daher weiterhin im Fokus der Sicherheitsbehörden, so die DSN-Direktorin.
Mit 1986 Tathandlungen bleibt der Rechtsextremismus das größte extremistische Phänomen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 33,6 Prozent.
Zwei Entwicklungen stechen im aktuellen Bericht positiv hervor: So sank die Zahl der linksextremen Tathandlungen von 214 (2024) auf 136 (2025). Dennoch betont Innenminister Karner in dem Zusammenhang, dass das Niveau weiterhin über den Jahren vor dem Hamas-Angriff 2023 liegt (2023: 97, 2022: 96).
Auch der auslandsbezogene Extremismus verzeichnete einen Rückgang – von 224 (2024) auf 153 (2025) Fälle. In 62 Tathandlungen (40,5%) wurde dabei ein Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt festgestellt. Grundsätzlich bedeutet auslandsbezogener Extremismus, dass extremistische Gruppen oder Personen Konflikte, Ideologien oder Ziele aus anderen Ländern nach Österreich tragen – zum Beispiel wenn Anhänger einer ausländischen Organisation hier Demonstrationen organisieren oder Gewalt im Namen eines Konflikts im Herkunftsland ausüben.
Aufgerüstet
Eine Gemeinsamkeit sieht Innenminister Karner im Rechtsextremismus und im islamistischen Extremismus: Beide Bereiche weisen eine besondere „Waffenaffinität” auf. Gleichzeitig zeigen sich laut Bericht Unterschiede im Ausmaß.
Der Linksextremismus scheint in der entsprechenden Abbildung nicht auf, da keine Anzeigen nach dem Waffengesetz vorliegen.
Jung und Online
Ein Begriff zog sich durch die gesamte Pressekonferenz: Das Internet. Ob „online“, „Social Media“ oder „digitale Plattformen“ – kaum ein anderer Faktor wurde so häufig genannt. Der Bericht macht deutlich: Radikalisierung findet zunehmend im digitalen Raum statt.
Als Katalysatoren für die „volatile Sicherheitslage“ nennt DSN-Direktorin Sylvia Mayer vor allem internationale Konflikte sowie neue Technologien. Die Folgen sind deutlich sichtbar: Täter werden immer jünger, Radikalisierungsprozesse verlaufen schneller und extremistische Gruppen vernetzen sich zunehmend international.
Die Verjüngung stellt dabei keine neue Entwicklung dar – profil hat bereits im Vorjahr darüber berichtet. Auffällig ist jedoch ein weiterer Aspekt: Der Anteil jener Jugendlichen, die angezeigt wurden, ist – teilweise deutlich – zurückgegangen. Dennoch wird im Verfassungsschutzbericht häufig erwähnt, dass extremistische Täter:innen immer jünger werden. In Hinblick auf die Anzeigen ist das jedenfalls nicht zu beobachten.
Neue Dynamiken
Seit der Corona-Pandemie beobachten die Verfassungsschützer ein Erstarken des sogenannten heterodoxen Extremismus, der sich politisch nicht eindeutig verorten lässt und laut Bericht „von einem ‚Wir-gegen-die-globale-Elite‘-Narrativ getragen“ sei. Es handle sich um eine Szene „mit hoher Affinität für Waffen, Survivaltrainings und gewaltorientierte Verschwörungsideologien“. Unter diese Szene fallen auch staatsleugnerische Gruppen.
Ein auffälliger Trend ist außerdem die zunehmende Vermischung extremistischer Ideologien mit (Online)Subkulturen, so Staatssekretär Leichtfried. Im Zentrum steht unter anderem die sogenannte Incel-Kultur. Der Begriff („involuntary celibate“) bezeichnet Männer, die nach eigener Darstellung unfreiwillig ohne Partnerin leben In bestimmten Online-Foren hat sich daraus jedoch eine Subkultur entwickelt, in der Frustration über Zurückweisung in Frauenfeindlichkeit umschlägt. Frauen werden dabei oft pauschal abgewertet oder für die eigene Situation verantwortlich gemacht, teilweise finden sich auch gewaltverherrlichende Inhalte.
Diese Entwicklung soll künftig stärker berücksichtigt werden: Die SPÖ plant, Frauenhass als eigenen Phänomenbereich im Verfassungsschutzbericht zu verankern. „Frauenhass und toxische Männlichkeit sind keine Randerscheinungen mehr“, sagte Leichtfried.