Zwei Polizisten bei einer Festnahme
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Wie Innenminister Karner die Anzeigen gegen Jugendliche steigert

Die Anzeigenstatistik der Polizei zeigt einen starken Anstieg der Jugendkriminalität. Das ist keine schlechte Nachricht.

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Die österreichische Polizei ermittelt gut: Mehr als die Hälfte aller Anzeigen in Österreich werden von der Polizei aufgeklärt, 2025 war die Aufklärungsquote mit 53,6 Prozent besonders hoch: In den letzten 25 Jahren war sie nur in den beiden beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 höher.

Kein Wunder: Noch nie gab es in Österreich so viele Polizistinnen und Polizisten wie derzeit. Das wirkt sich auch auf die Zahl der Anzeigen aus.

Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, sagte am Dienstag bei der Präsentation der Anzeigenstatistik für das Jahr 2025 sogar: Kein Täter kann sich vor der österreichischen Polizei verstecken.

Das stimmt nicht ganz, doch die Zahlen der Anzeigenstatistik deuten klar in die richtige Richtung: Die Aufklärungsquote steigt und pro Kopf bleibt die Zahl der Anzeigen deutlich unter dem Niveau von vor 2016.

Wir leben nach wie vor in einem der sichersten Länder der Welt, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) daher. Aber wir leben auf keiner Insel der Seligen.

Virtuelle Gewalt

Gestiegen sind 2025 im Vergleich zu 2024 etwa Anzeigen aufgrund von Gewaltkriminalität. Allerdings bedeutet auch das nicht, dass Österreichs Straßen unsicherer geworden wären, im Gegenteil: Anzeigen wegen Raub sind etwa deutlich zurückgegangen (-7,4 Prozent). 

PRÄSENTATION INNENMINISTERIUM "KRIMINALSTATISTIK ÖSTERREICH 2025": HOLZER / KARNER (ÖVP) / RUF
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Gleichzeitig verlagert sich die Gewalt aber zunehmend in den digitalen Raum, sagte Innenminister Karner: Anzeigen wegen virtuellen Gewaltandrohungen seien etwa um 16,4 Prozent gestiegen, eine der größten Steigerungen im Bereich der Gewaltkriminalität.

Karners Hauptfokus bleibt aber bei den Jungen: Die Jugendkriminalität sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Sorgenkind, so der Innenminister: Speziell die Zahl der zehn- bis 13-jährigen Tatverdächtigen würde eine besorgniserregende Entwicklung durchmachen.

2025 wurden 9,4 Prozent mehr zehn- bis 13-Jährige angezeigt als noch 2024. Bei den 14- bis 17-Jährigen zeigte sich indes 2025 im Vergleich zu 2024 sogar ein leichter Rückgang der Anzeigen.

Die Zahl der angezeigten Tatverdächtigen und Jugenddelikte ist aufgrund verstärkter Ermittlungen und gezielter Kontrollmaßnahmen gestiegen.

Polizeiliche Kriminalstatistik

Selbst gemachte Sorgenkinder

Den Anstieg der Anzeigen gegen Jugendliche hat der Innenminister allerdings zum Teil selbst zu verantworten: Bereits im März 2024 setzte Karner eine Sondereinheit zur Bekämpfung der Jugendkriminalität ein. In der Praxis bedeutet das, dass Polizistinnen und Polizisten Jugendliche gezielt kontrollieren – und daher auch öfter anzeigen. 

Die vom Innenminister eingesetzte Einsatzgruppe zeigt ihre Wirkung, sagte der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf: Bisher nicht erfasste Straftaten werden durch wiederkehrende Kontrollen und Schwerpunktmaßnahmen erkennbar und auch in der entsprechenden Statistik abgebildet.

Häufigste Delikte von zehn- bis 13-Jährigen im Jahr 2025

  1. § 129 StGB (Diebstahl durch Einbruch oder mit Waffen)
  2. § 83 StGB (Körperverletzung)
  3. § 127 StGB (Diebstahl)
  4. § 125 StGB (Sachbeschädigung)
  5. § 107 StGB (Gefährliche Drohung)
  6. § 88 StGB (Fahrlässige Körperverletzung - Sonstige Fälle)
  7. § 3g VerbotsG
  8. § 105 StGB (Nötigung)
  9. § 207a StGB (Bildliches sexualbezogenes Kindesmissbrauchsmaterial und bildliche sexualbezogene Darstellungen minderjähriger Personen)
  10. § 88 StGB (Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr)

In der Polizeilichen Kriminalstatistik ist das Innenministerium noch deutlicher: „Die Zahl der angezeigten Tatverdächtigen und Jugenddelikte ist aufgrund verstärkter Ermittlungen und gezielter Kontrollmaßnahmen gestiegen. Dieser Anstieg bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Jugendkriminalität insgesamt zugenommen hat.

Ergibt es dann Sinn, auf dieser Basis politische Maßnahmen zu setzen? „Ja“, sagt Innenminister Karner: „Wenn die nackten Zahlen so sind, dann muss man sehr pragmatisch an die Sache herangehen und eben Dinge verändern.“

Konkret fordert Karner einmal mehr:

  • die gefängnisähnliche Unterbringung von Intensivstraftätern
  • polizeiliche Regelbelehrungen
  • sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen
  • ein österreichweites Messertrageverbot

Die Zahl der bei Gewaltdelikten eingesetzten Messern und anderen Stichwaffen ist von 2024 auf 2025 übrigens gesunken und liegt relativ zur Bevölkerung nun wieder unter dem Niveau von 2019. Betrachtet man alle Waffenarten, wurden 2025 auch in absoluten Zahlen weniger Waffen bei Gewaltverbrechen verwendet, mitgeführt oder angedroht als noch 2019.

Ein Täter, viele „Tatverdächtige“

Gestiegen ist auch die Zahl der „Tatverdächtigen“ und der Anteil ausländischer Tatverdächtiger. Von 345.095 ausgeforschten „Tatverdächtigen“ waren im Jahr 2025 47,7 Prozent ausländische Staatsbürgerinnen und -bürger. Die meisten kamen aus Rumänien vor Syrien und Deutschland. 

Allerdings zeigt die vom Innenministerium präsentierte Zahl der „Tatverdächtigen“ nicht, wie viele Personen in einem Jahr wegen Verbrechen angezeigt wurden, sondern wie viele Delikte mutmaßlichen Tätern zugeordnet wurden. Begeht ein Verdächtiger auf einmal mehrere strafbare Handlungen, wird auch das mehrfach gezählt, wie vergangenen November auch der Sozialwissenschaftler Günther Ogris kritisierte. 

„Im Kriminalitätsbericht bezieht sich die Gesamtsumme der Anzahl der Tatverdächtigen immer auf die Summe aller gerichtlich strafbaren Handlungen“, erklärt das Innenministerium. Präsentiert wird all das aber unter der Überschrift „Tatverdächtige“.

Hinsichtlich des Sicherheitsgefühls sei die Mehrfachzählweise von großer Relevanz, argumentiert das Innenministerium: Auch aus der Perspektive der Opfer ist die Häufigkeit des (öffentlichen) Agierens von Tatverdächtigen relevanter als die reine Anzahl an Einzelpersonen.

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.