Ritterspiele: Norbert Hofer und seine elitären Freunde

Nobert Hofer bei Milos Zeman in Prag im September 2016.

Nobert Hofer bei Milos Zeman in Prag im September 2016.

Ein elitärer Ritterorden setzt sich massiv für sein Mitglied Norbert Hofer ein. Das sorgt bei einigen Rittern, darunter prominente ÖVP-Politiker, für Ärger.

Zum Ehrenritter wurde er im Herbst 2015 ernannt. In einem strengen Aufnahmeritual wurde der SPÖ-Politiker Karl Schlögl, früher Innenminister, jetzt Bürgermeister von Purkersdorf, in den St. Georgs-Orden aufgenommen. "Karl Habsburg hat mir ein Schwert auf die Schulter gelegt, und ich habe mich zu christlich-sozialen Werten bekannt“, erinnert sich Schlögl. "Das ist mit meiner sozialdemokratischen Gesinnung durchaus vereinbar. Zum Adel selber habe ich eine neutrale Haltung.“

Neben Schlögl gibt es 29 weitere Ehrenritter, darunter prominente christdemokratische Politiker wie die Landeshauptmänner Erwin Pröll und Josef Pühringer, die ehemaligen Landeschefs Franz Schausberger und Herwig van Staa, aber auch Erhard Busek und der ehemalige Premierminister der Slowakei Ján Èarnogurský. Unter den Ehrendamen tummeln sich die frühere Justizministerin Beatrix Karl und die zur FPÖ gewechselte Ursula Stenzel. Es gibt auch im Ausland Komtureien, so in Großbritannien, wo der frühere NATO-Generalsekretär George Robertson, ein Labour-Politiker, Mitglied ist.


Hofers Mitgliedschaft im exklusiven Ritterorden passt so gar nicht zu seinen Aussagen im Wahlkampf.

Breitere Bekanntheit verdankt der Orden aber erst dem Präsidentschaftskandidaten der FPÖ, Norbert Hofer, der ebenfalls Ehrenritter des St. Georgs-Orden ist. Ordenschef (Prokurator) Norbert van Handel, der sich auch Baron von Handel nennt, sei sein väterlicher Freund, der auch seinen Besuch beim tschechischen Staatspräsidenten Miloš Zeman eingefädelt habe. Stolz trägt Hofer das Ordensabzeichen am Revers: Das achteckige Kreuz, das das "achtfache Elend der Welt“ darstellt und gegen das alle Mitglieder - derzeit rund 500 - ankämpfen müssen: "Krankheit und Verlassenheit, Heimatlosigkeit und Hunger, Lieblosigkeit und Schuld, Gleichgültigkeit und Unglaube.“

Hofer ist Mitglied eines weltlichen Ordens, der laut Satzungen "christlich, wertkonservativ, wirtschaftsliberal“ ist, den "multinationalen alt-österreichischen Staatsgedanken“ unterstützt und neben einem christlichen Lebenswandel die Pflege einer "ritterlichen Lebensauffassung“ vorschreibt. Ähnlich wie die Grabesritter, der St. Johanns Club oder der Orden vom Golden Vlies treffen sich die St. Georgs-Ritter regelmäßig zu Vorträgen und geselligen Runden oder unternehmen gemeinsame Ausflüge - zumeist in ehemalige Kronländer der Habsburger-Monarchie.

"Da geht es natürlich oft auch um Geschäftsbeziehungen“, meint Erhard Busek, der wegen seines Engagements für Mitteleuropa aufgenommen wurde. "Laut Statut bezeichnet sich der Orden als "elitär“ - ein Beitritt darf nur auf Vorschlag eines Ordensmitglieds und nur nach einer Testphase mit zwei Paten erfolgen. Hofers Mitgliedschaft im exklusiven Ritterorden passt so gar nicht zu seinen Aussagen im Wahlkampf, als er Alexander Van der Bellen elitäres Gehabe vorwarf: "Sie haben die Hautevolee, ich möchte diese Unterstützung nicht. Ich will die Menschen“, gab sich Hofer in einem TV-Duell volksnah.


Beim letzten Ordenstag im vergangenen April zogen die Ritter hinter dem Kaiserenkel mit Gefolge vom Stephansdom bis ins Wiener Rathaus, wo der blaue Vizebürgermeister Johann Gudenus, ebenfalls Mitglied der Ritterrunde, zu einem Empfang lud.

Doch als Ehrenritter genießt er die Exklusivität eines aus Adeligen, hohen Beamten, kirchlichen Würdenträgern wie Bischof Klaus Küng und ausgesuchten Politikern bestehenden Vereins, der sich als "europäischer Oden des Hauses Habsburg“ bezeichnet. Dass er mit zwei Hauptgegnern der alten liberalen Bewegung kungelt - dem Klerus und dem Adel - dürfte Hofer demnach nicht weiter stören.

Der Ordensprokurator Norbert van Handel, 75, ist ein oberösterreichischer Baron aus niederländischem Adelsgeschlecht. Er hat 2008 einen modernen Ableger des bis ins 14. Jahrhundert zurückgehenden Ritterordens gegründet und sich vom St. Georgs-Orden abgespalten. Seither gibt es zwei Orden: Der "alte Orden vom St. Georg“ wird von einem Liechtenstein-Prinzen angeführt, der neue von Karl Habsburg-Lothringen.

Der Jurist van Handel ist Mitglied der ÖVP und arbeitete in den 1960er-Jahren im Stab des Bautenministers Vinzenz Kotzina. Später saß er unter anderem im Vorstand der Linzer Brau-Union und gründete zahlreiche Firmen: "Ich schätze Norbert Hofer als einen der redlichsten und anständigsten Politiker. Daher unterstütze ich ihn, so wie der Orden alle seine Mitglieder unterstützt.“ Von einer verwandten Baronin als Adoptivsohn eingesetzt, erbte van Handel das Innviertler Schloss Hagenau, was zu heftigem Streit mit der Erbtante samt laufendem Justizverfahren führen sollte.

Van der Bellen kritisiert der Schlossbesitzer als Politiker, "der keine Linie hat und obendrein auch kein Christ ist“. Der Orden sei politisch aktiv, aber überparteilich. Freilich hat van Handel ein klares Faible für die FPÖ. Beim letzten Ordenstag im vergangenen April zogen die Ritter hinter dem Kaiserenkel mit Gefolge vom Stephansdom bis ins Wiener Rathaus, wo der blaue Vizebürgermeister Johann Gudenus, ebenfalls Mitglied der Ritterrunde, zu einem Empfang lud. Für Hubertus Trauttenberg, der als General Adjutant von Bundespräsident Thomas Klestil war, ist die Nähe des Ordens zu EU-Gegnern ein Ärgernis: "Otto von Habsburg wird in seinem Grab rotieren, wenn er wüsste, dass sich sein Sohn mit Europa-Gegnern einlässt.“ Karl Habsburg wollte für profil keine Stellungnahme abgeben. Gattin Francesca trat dem Unterstützungskomitee für Van der Bellen bei.


Tschechische Medien kritisierten Zemans Einmischung in den österreichischen Wahlkampf.

Die Wahlhilfe des Ordens für Norbert Hofer ist manchen Ehrenrittern ein zunehmendes Ärgernis. So sieht der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf dieses Engagement in einem Wahlkampf nach Auskunft seines Pressesprechers "sehr kritisch“ und für "unangebracht“. Kopf sei unter anderem wegen der klar europäischen und wirtschaftsliberalen Orientierung des St. Georg Ordens dort Ehrenmitglied. Tatsächlich bekennt sich der Orden in seinen Statuten "zu einem geeinten, selbstbewussten Europa“.

Auch der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, der seit 2014 Mitglied des Ordens ist, kritisiert die blaue Schlagseite des Vereins. Die Initiative für Norbert Hofer sei ohne Prölls Wissen und ohne seine Unterstützung gestartet worden, betont Prölls Sprecher Peter Kirchweger: "Landeshauptmann Pröll hat bisher keine Wahlempfehlung abgegeben und wird das auch weiterhin nicht tun.“

Hofers Treffen mit dem tschechischen Staatspräsidenten Miloš Zeman Mitte September hatte für Wirbel gesorgt. Van Handel will den Termin eingefädelt haben, freilich mithilfe der österreichischen Botschaft in Prag. Tschechische Medien kritisierten Zemans Einmischung in den österreichischen Wahlkampf. Hofer stellte den Besuch als private Initiative dar. In der EU-Politik und in der Flüchtlingsfrage teilen beide Politiker ähnliche Standpunkte, nur bei Atomkraftwerken und den Beneš-Dekreten habe man beim Treffen unterschiedliche Meinungen geäußert, so van Handel, der beim Gespräch dabei war. Dass Zeman noch als Premierminister im Jahre 2002 in einem profil-Interview die FPÖ als "postfaschistische Partei“ angriff, daran wollten sich beide Politiker nicht mehr erinnern. "Herr Zeman unterstützt nicht nur Hofer, sondern auch Donald Trump“, wundert sich Karl Schwarzenberg, der frühere tschechische Außenminister. Zum St. Georgs-Orden fällt ihm nicht viel ein: "Dort sind viele Wichtigtuer versammelt.“