Schicksalstage bei der Krone

Rene Benko

Rene Benko

Offenbar ist Immobilien-Tycoon René Benko weitgehend handelseins mit Christoph Dichand und auf der Zielgerade Richtung Hälfte-Eigentümer. Knackpunkt: Die redaktionelle Unabhängigkeit.

Mitte der Woche findet eine, für die heimische Medienlandschaft womöglich historische Sitzung statt. Ort: Der Sitz der Kronen Zeitung in der Wiener Muthgasse. Thema: Die Eigentümerfrage. Herausgeber Christoph Dichand soll sich mit dem Tiroler Immobilieninvestor René Benko weitgehend dazu durchgerungen haben, den Streit um die zweite Hälfte an der Krone beizulegen. Derzeit besitzt Dichand zusammen mit seinen Geschwistern und der Witwe von Krone-Langzeit-Herausgeber Hans Dichand 50 Prozent. Die restlichen 50 Prozent gehören der Auslandsholding der deutschen Funke-Gruppe, an der Benko bereits knapp die Hälfte hält. Der umtriebige Investor darf laut Kaufverträgen die kompletten 50 Prozent der Funke-Gruppe an der Kronen Zeitung übernehmen. Einzige Hürde: Die Vorrechte der Dichands an ihrer Zeitung.

Benkos Medienbeteiligung

Benkos Medienbeteiligung

Ob diese noch gelten, darüber brütet ein Schweizer Schiedsgericht seit Monaten. Der Schiedsspruch kann ab sofort jederzeit ergehen, deswegen drängt die Zeit. Denn – wie zu hören ist – wollen sich Benko und Dichand noch vor der juristischen Entscheidung zu einer gütlichen Einigung durchringen.

„Puffer“-Modell als Variante

Knackpunkt soll die redaktionelle Unabhängigkeit sein, das Herzstück in der Eigen-Vermarktung. Nun wird an einem „Puffer“-Modell getüftelt: Benko-Vertreter hätten keinen direkten Zugang zur Redaktion oder zu einzelnen Journalisten, sondern würden nach vorgegebenen Regeln über Vermittler mit der Redaktion kommunizieren. Auch eine – weniger wahrscheinliche – Variante von „nur“ 49 Prozent für Benko soll bis zuletzt im Raum gestanden sein, um den redaktionellen Führungsspruch des Stammhauses zu untermauern. Das verbleibende Prozent würde in diesem Szenario die Redaktion selbst übernehmen, um in heiklen Fragen einen gewissen Einfluss nehmen zu können.

Das Match um die einflussreichste Zeitung des Landes geht weiter

Das Match um die einflussreichste Zeitung des Landes geht weiter

Weiterer Knackpunkt dem Vernehmen nach: die ökonomische Unabhängigkeit, sprich die Hoheit über das Redaktions-Budget. Denn auch übers Geld lässt sich Einfluss nehmen auf den Mitarbeiterstab. Bekannt ist, dass Benko die Traditionszeitung bei der Digitalisierung unterstützen will, über inhaltliche Vorstellungen ist soweit nichts bekannt.

Riskanter Poker

Für Dichand wäre eine angepeilte Last-Minute-Einigung vor einem Gerichtsentscheid ein Poker mit hohem Einsatz. Entscheidet das Schweizer Gericht tendenziell gegen die Dichands, muss er auf verbrannter Erde mit Benko weiterverhandeln und als Geschwächter um die redaktionelle Unabhängigkeit kämpfen. Dann hätte sich der Einsatz ausgezahlt. Steigt er hingegen als Sieger aus, kann er den Krieg nach einem wichtigen Etappensieg fortsetzen – doch an einem Dauerstreit sollen beide kein gesteigertes Interesse haben.

Weder bei der Kronen Zeitung noch bei Benkos Signa Holding waren offizielle Stellungnamen zu bekommen.