SPÖ-Basis: Zu Besuch in der aufgeweckten Sektion 8

SPÖ-Basis: Zu Besuch in der aufgeweckten Sektion 8

Die rote Parteibasis war aufgerufen, über den neuen Parteichef abzustimmen. Ein Test, aus dem Faymanns Abgang ein fast lebensechtes Projekt macht. Zu Besuch in der aufgeweckten Sektion 8.

Die Geschichte war schneller als die Post. Mit einem Stanleymesser schneidet Mehrdokht Tesar, Co-Chefin der Kommunikationsagentur Floorfour in der ehemaligen Alpenmilch-Zentrale in Wien-Wieden, die länglichen Pakete auf. Darin stecken, eng zusammengerollt, hübsche Retro-Poster. Eines zeigt Werner Faymann: "Der Krisenkapitän", steht darauf.

Am Tag nach seinem Rücktritt traf sich der harte Kern der aufgeweckten Sektion 8 auf Tesars Terrasse. Während Faymanns abrupt zu Ende gegangenen Ära hatte die Basis immer alles Wichtige aus den Medien erfahren, "natürlich auch seinen Abgang", sagt Andrea Maria Dusl.

Testvotum als Statement

Vor zwei Wochen hatte die Sektion 8 die rote Parteibasis aufgerufen, einen Vorsitzenden zu wählen. Das Testvotum war als Statement gegen die SPÖ-notorische Hinterzimmer-Diplomatie gedacht. ÖBB-Chef Christian Kern wird mit dem Slogan "Rot kann nicht die Farbe des Stillstands sein" zur Wahl gestellt. Gerhard Zeiler, bis zum Schluss als möglicher Faymann-Nachfolger in echt gehandelt, fehlt. "Bei uns war er nicht am Radar", sagt Eva Maltschnig. Zu lange war der frühere ORF-General aus der politischen Sphäre abgetaucht. Thomas Kvicala, Co-Geschäftsführer von Floorfour, erinnert sich an den Ausspruch: "Im Seichten kann man nicht ertrinken." Er stammt aus der Zeit Zeilers als RTL-Chef.

Am 19. Mai werden die Vorwahlstimmen ausgezählt. Dann wird man wissen, wen die mitbestimmungswillige Basis gerne an der Spitze hätte. In der Runde vergangenen Dienstag gibt es Unterstützung für Brigitte Ederer, ein Team Peter Kaiser und bekennende Kern-Anhänger, denen sein Auftreten in der Flüchtlingskrise imponiert.

"Moderne Mitmach-Bewegung"

Als Gruppe junger Wilder versteht sich die Sektion 8 nicht mehr. Man diskutiere Positionen aus, bevor man damit an die Öffentlichkeit gehe und wolle die SPÖ - in der man immer noch fürs fleißige Mannerschnitten-Verteilen mit einem Bezirksratsposten belohnt werde - zur "modernen Mitmach-Bewegung" machen. "We should place our feet in the right place and then stand firm." Das Lincoln-Zitat steht auf den T-Shirts der Aktivistinnen.

Inzwischen hat sich der Kreis auf 300 Leute erweitert. Nicht-Parteimitglieder sind willkommen. Jede Woche tauchen ein, zwei neue Leute auf. Manche wollen deponieren, was die SPÖ zu tun habe, und bekommen zu hören: "Ja, super! Komm, werde SPÖ und mach es!" Plenum ist in einem Gasthaus mit "frühem 1980er-Jahre Interieur und furchtbaren Filmpostern", genaugenommen in einem "Hinterzimmer". So viel Ironie muss sein.