Team Stronach: Wie Leo Steinbichler zu einem Anwesen am Attersee kam

Team Stronach: Wie Leo Steinbichler zu einem Anwesen am Attersee kam

Wie der Team-Stronach-Abgeordnete Leo Steinbichler zu einem Anwesen am Attersee kam.

Leo Steinbichler sieht sich selbst gern als Robin Hood der Bauern. Als sich im Streit um die Milchpreise 2007 viele Landwirte gegen den Bauernbund stellten, schlug sich der damalige Bezirksbauernobmann von Vöcklabruck auf ihre Seite. Er war wie die Milchbauern der Meinung, die Genossenschaften würden den Rahm abschöpfen, während für die Produzenten nur noch der Bodensatz übrig bleibe. Er trägt seither den Spitznamen "Bauernrebell“. Aus dem ÖVP-Bauernbund wurde er ausgeschlossen. Heute sitzt Steinbichler für das Team Stronach im Nationalrat.

Einem Bauern hat er nicht geholfen: 2006 wandte sich der Landwirt Josef A. aus Straß im Attergau an Steinbichler (damals noch Obmann der Bezirksbauernkammer), weil er sich den Umbau seines Stalls gemäß den EU-Richtlinien nicht mehr zutraute. Josef A. war gesundheitlich angeschlagen, Kinder hatte der 55-Jährige nicht, seine Mutter war verstorben. Er überlegte, den Hof zu verkaufen. Steinbichler überredete den Bauern, ihm seinen Hof zu überschreiben - letztlich zahlte er dafür gerade einmal ein Viertel des Werts des Anwesens.

Sanfte Hügel, ein unverstellter Blick auf den Attersee, im Hintergrund die Bergkette des Höllengebirges: Für diese idyllische Lage muss man in Straß im Attergau normalerweise einiges auf den Tisch blättern. Eine halbe Million Euro sei das knapp 150.000 Quadratmeter große Anwesen von Josef A. mindestens wert, berichten Ortskundige. Bezahlt hat Steinbichler für die drei Hektar Wald, zwölf Hektar Ackerflächen, das Bauernhaus und die Nebengebäude insgesamt 120.000 Euro.

„Größter Wunsch”
50.000 Euro zahlte der heutige Abgeordnete bei der Übergabe. Josef A. bekam ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert und eine Leibrente von zunächst 1500 Euro, ab 2009 von nur noch 800 Euro monatlich. Überdies schloss Steinbichler - im Nebenberuf Versicherungsmakler - zum Zeitpunkt der Hofübergabe eine Lebensversicherung für Josef A. ab. Einlage, bezahlt von Steinbichler: 100.000 Euro. Begünstigter im Ablebensfall: Leo Steinbichler. Ausgelaufen wäre die Versicherung 2022 - dass der kränkelnde Landwirt das erleben würde, war höchst unwahrscheinlich. Sowohl die Übergabe als auch der Abschluss der Lebensversicherung seien "korrekt gelaufen“, sagt Steinbichler auf Anfrage von profil. "Ich habe Josef A. seinen größten Wunsch erfüllt, indem er weiter dort wohnen konnte.“

Öffentliche Schelte
2008 drohte die Versteigerung des Hofs. Steinbichler hatte sich bei einem Ausflug in die Gastronomie übernommen. 2006 hatte er gemeinsam mit einem Kompagnon in Vöcklabruck den Gasthof Wimberghof eröffnet, zwei Jahre später waren die beiden in den Konkurs geschlittert. Steinbichler, der gerade auf der oberösterreichischen Landesliste für den Tiroler Fritz Dinkhauser kandidierte, bekam öffentlich Schelte vom ÖGB und von Dinkhauser, weil er seinen Angestellten Lohn schuldig geblieben war. Ein Bauunternehmen klagte Steinbichler, weil dieser die Umbauten am Gasthof nicht bezahlte. Schließlich zahlte er doch, und von der Versteigerung wurde abgesehen.

Im Dorf munkelte man schon lange, bei der Hofübergabe sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Josef A. verkaufte nach dem Verkauf seine Tiere und ging bald darauf wegen seiner schweren Krebserkrankung in Frührente. Freunden zufolge wurde ihm erst spät klar, dass er ein schlechtes Geschäft gemacht hatte.

„Der Sepp war ein guter Kerl”
Schließlich versuchte er, wenigstens die 100.000 Euro aus der Lebensversicherung zu retten, erzählen seine Bekannten. Er kündigte den Vertrag Ende Juni 2012 - profil liegt das Kündigungsschreiben vor. Umso erstaunter war Josef A., als er im darauf folgenden September ein Dankschreiben von der Versicherungsgesellschaft erhielt: Es freue sie, dass Herr A. sich zum Rücktritt vom Rücktritt entschlossen habe. Freunden klagte er, Steinbichler habe wohl das Storno wieder storniert. "Der Sepp war ein guter Kerl. Zu gutmütig, um etwas dagegen zu unternehmen“, sagt ein Freund. Steinbichler bestreitet den Verdacht: "Natürlich hat Herr A. seine Kündigung selbst zurückgezogen. Ich weiß nicht, wer ihm das eingeredet hat. Das sind persönliche Anschüttungen, das ist pietätlos.“ Im April 2013 verstarb Josef A.

Im Bauernhaus sind derzeit Mieter untergebracht. Im Stall stehen die Tiere von Steinbichlers Sohn. Einen Umbau nach EU-Normen hat es allerdings nie gegeben.