Wiener Rettung
Wiener Rettung

© APA/HERBERT P. OCZERET

Österreich
08/01/2017

Totes Kreuz

Die Probleme im Wiener Rettungswesen lassen sich nicht mehr kaschieren. Nun ist auch der Katastrophenschutz gefährdet.

von Gernot Bauer

Seit März 2014 berichtete profil regelmäßig über den Notärztemangel und die personelle Ausdünnung bei Rettungs- und Notfallsanitätern der Wiener Berufsrettung (Magistratsabteilung 70). Vertreter der Berufsrettung und Sprecher der zuständigen Gesundheitsstadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger dementierten stets, dass es zu Versorgungsengpässen komme. Doch nun lassen sich die Mängel nicht mehr verbergen.

In einem offenen Brief vom Juli beklagen die sozialdemokratischen Betriebsratsvorsitzenden der Berufsrettung die "bestehende Personalknappheit", die "bei hochpriorisierten Einsätzen zur Beeinträchtigung der Versorgungsqualität der Patienten" führe. Aus dem Rathaus soll es für die unbotmäßige Kritik der roten Personalvertreter einen heftigen Rüffel gesetzt haben.

Wie schon seit Jahren argumentiert die MA 70-Führung auch nun, dass bei etwaigen Engpässen die Blaulichtorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, Malteser) aushelfen würden. Doch wie nun bekannt wurde, kündigten etwa Rotes Kreuz und Samariterbund in den vergangenen Monaten reihenweise Sanitäter. Der Grund: Die Wiener Gebietskrankenkasse beauftragt aus Kostengründen für Krankentransporte vermehrt günstigere Rettungsfahrdienste statt die Rettungsorganisationen, denen damit eine wichtige Einnahmenquelle entfällt.

Da Rotes Kreuz & Co. die Berufsrettung bei Großeinsätzen entlasten sollen, ist durch die Kündigung der Sanitäter auch der Katastrophenschutz der Bundeshauptstadt gefährdet. Einen Straßenbahnunfall - wie jüngst in Meidling - kann die Wiener Berufsrettung problemlos abwickeln, einen zweiten Großeinsatz parallel dazu wahrscheinlich schon nicht mehr. Nun sollen zwei Arbeitsgruppen im Auftrag von Gesundheitsstadträtin Frauenberger ein neues Konzept für das gesamte Wiener Rettungswesen erarbeiten. Die Notversorgung, so Frauenberger, sei "jedenfalls nicht gefährdet".

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