Ulli Sima holding things: Wie das Netz über Politikerfotos lacht

Als Reaktion auf den profil-Artikel schickte uns Ulli Sima dieses Bild.

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Von Kim Jong-il, Erwin Pröll bis Ulli Sima: Das kreative Sammeln banaler Politikerfotos sorgt für Erheiterung im Internet.

Ein Glas Honig, eine Gießkanne, ein Sackerl fürs Gackerl, einen Hund, eine Katze, zwei Eulen, sogar einen Liegestuhl: Es gibt nahezu nichts, was die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima noch nicht in eine Kamera gehalten hätte. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man das neue Blog "Ulli Sima holding things“ aufruft. Die Fotos an sich sind unspektakulär, erst in der Ballung entwickelt die Banalität einen gewissen Charme.

Über Ulli Sima wird deshalb nun im Netz gelacht. Doch sie befindet sich in prominenter Gesellschaft. Berühmt wurde diese Art von Polit-Klamauk mit der Seite "Kim Jong-il looking at things“ . Unzählige Bilder zeigen den verstorbenen nordkoreanischen Diktator, wie er bei Führungen unbeeindruckt durch die Gegend blickt.

Etlichen österreichischen Politikern wurden mittlerweile eigene Blogs und Facebook-Gruppen gewidmet, bei denen stets dieselbe Art von Foto gepostet wird. So gibt es die Facebook-Gruppe "Erwin Pröll zerschneidet Dinge“; dort sieht man den niederösterreichischen Landeshauptmann bei vielen Eröffnungen mit Schere in der Hand. Oder das Blog "Neugebauer moves“, wo anschaulich belegt wird, dass der bekanntlich zu Kompromissen kaum bewegbare Gewerkschafter Fritz Neugebauer sich auch auf Fotos kaum bewegt (neugebauermoves.tumblr.com).

Besonders kreativ ist die deutsche Seite "Hipster Merkel" . Ein Foto der deutschen Kanzlerin wird dort immer wieder nachbearbeitet und aufgepeppt. Merkel trägt auf dem Bild ein ernstes Gesicht und ein biederes Sakko, doch in einer der vielen Fotomontagen wird ihr grelles Make-up aufgetragen, in einer anderen sieht sie aus wie eine Andy-Warhol-Zeichnung. Die bunten Adaptionen und die spröde Kanzlerin, ein wunderbarer Widerspruch.

Im Netz gibt sogar ein eigenes Wort für Fotos, die immer wieder neu überarbeitet werden: Man spricht von "Memes“. Der Begriff kommt aus der Evolutionsbiologie und bezeichnet Ideen, die von anderen stets neu adaptiert werden. Auch unser Bundespräsident ist längst ein Meme. Als Heinz Fischer im Vorjahr in Kitzbühel den Skifahrern zujubelte und beide Daumen in die Höhe hielt, gefiel dies Usern auf Twitter und Facebook. Sie retuschierten ihn in viele andere Szenen hinein, etwa neben eine herzige Katze oder vor ein Geschäft, das Würste verkauft (heinzfischerapprovingofthings.tumblr.com ).

Der Witz entsteht oft erst mit der Wiederholung. So banal kann ein Foto der lächelnden Ulli Sima oder des fadisiert wirkenden Kim Jong-il gar nicht sein, dass die hundertste Variante davon nicht doch irgendwie zum Lachen ist.