Umfrage: Österreichs Männer weit entfernt von Halbe-Halbe

Umfrage: Österreichs Männer weit entfernt von Halbe-Halbe

Vor drei Wochen stellte profil mit einer sprachlich "gegenderten“ Ausgabe das Rollenverständnis der Geschlechter auf die Probe. Nun liefert die Wissenschaft empirische Befunde zum heimischen Mann nach.

Das Forschertrio Nadja Bergmann von der L&R Sozialforschung und Christian und Elli Scambor vom Verein für Männer- und Geschlechterthemen in der Steiermark hat leider keine allzu berauschenden Befunde zu vermelden. In punkto Kinderbetreuung sind österreichische Familien vom Wunschziel Halbe-Halbe weit entfernt. Nicht nur in Skandinavien, sondern auch im Baltikum übernehmen die Männer bereits knapp 45 Prozent der Kinderbetreuung. Österreich liegt mit 28 Prozent im unteren europäischen Drittel. Und wenig überraschend sind die heimischen Männer auch Hausarbeitsmuffel: Sie erledigen durchschnittlich nur 15 Prozent der wöchentlich anfallenden Putz- und Kocharbeiten, der Rest bleibt an den Frauen hängen. Ein kleiner Fortschritt immerhin: 2005 wurden nur neun Prozent der Hausarbeit von Männern erledigt.

Die Politik könnte mehr Eifer an den Tag legen, meinen die Autoren: In Österreich gebe es eine "Hinwendung zum ‚benachteiligten’ Geschlecht Mann“ statt einer gleichstellungsorientierten Männerpolitik. Ein Anfang wäre ein unkompliziertes Karenzsystem nach dem Vorbild Deutschlands, sagt Bergmann. Dort sind zwei von 14 Karenzmonaten für die Väter reserviert. Nehmen sie diese nicht in Anspruch, verfallen sie. Die Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung stieg seit der Einführung des Modells 2007 eklatant.

Österreich

Anteil der von Männern geleisteten Kinderbetreuung:

28,3%

Anteil der von Männern geleisteten Hausarbeit:

14,9%

Finnland

44,1%

29,8%

Schweden

42,2%

36,9%

Griechenland

20,7%

7,9%

Deutschland

31,9%

15,4%

Frankreich

29,5%

19,0%

Lettland

45,5%

28,6%

Slowenien

42,6%

16,8%

Nadja Bergmann, Christian Scambor, Elli Scambor:
Bewegung im Geschlechterverhältnis? Zur Rolle der Männer in Österreich im europäischen Vergleich.

LIT Verlag, 226 Seiten, 19,90 Euro.