Bürgemeister von St. Pölten vor Wahlkarten-Containern
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Der „ewige“ rote Bürgermeister, Matthias Stadler, lädt Wochen vor der dem Wahltag zur Briefwahl vor dem Rathaus – wie im Lockdown vor fünf Jahren. Dahinter steckt Kalkül. Die FPÖ protestiert.

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Am 25. Jänner 2026 wählt St. Pölten, und das in einem besonderen Jahr. Die Stadt an der Traisen mit ihren knapp 60.000 Einwohnern feiert ihren 40er als Landeshauptstadt von Niederösterreich. Und jener Mann, der mehr als die Hälfte dieser Zeit mit absoluter Mehrheit regierte, wird 60 Jahre alt: der Sozialdemokrat Matthias Stadler.

St. Pölten ist so rot, dagegen verblassen selbst Wien oder Linz. Stadler kommen Sätze über die Lippen, die an den roten Langzeit-Kanzler Bruno Kreisky erinnern: „Absolute Mehrheiten sind keine Schande.“ 2021 holte er 56 Prozent der Stimmen. Das war allerdings ein Minus von drei Prozentpunkten. Als Grund dafür machte der Bürgermeister die „schmerzhaft“ niedrige Wahlbeteiligung aus. Mitten im Corona-Lockdown waren nur 56 Prozent der 44.000 Wahlberechtigten zur Urne geschritten.

Dieses Mal will Stadler nichts dem Zufall überlassen und möglichst viele St. Pöltner zur Wahl bewegen. Dafür macht er aus der Covid-Not eine Tugend. Wie damals im Lockdown ließ er vor dem Eingang zum Rathaus Frischluft-Container aufstellen, damit die Bürgerinnen und Bürger noch einfacher schon jetzt mit Wahlkarte wählen können.

Die Einwohnerzahl von St. Pölten steigt deutlich, und bei der Gemeinderatswahl 2021 liegt die SPÖ klar vorn.
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Erst Protest, dann Vorhang

Durch kleine Fenster händigen Mitarbeiter der Stadt Wahlkarten aus. Es ist eisig kalt an diesem Mittwoch, Schneeflocken wirbeln über den weitläufigen Platz. Doch laufend stellen sich Menschen an, nehmen ihre Wahlkarten entgegen und machen ihre Kreuze auf einem großen Stimmzettel. Dafür stehen runde Hochtische in Hüttchen bereit, die wie eine offene Wahlkabine aussehen. Dann kuvertieren sie ihre Stimme und geben die Wahlkarte ab. Eine Maske trägt bei dieser Container-Wahl niemand.

Der Spitzenkandidat der FPÖ, Martin Antauer (58), ist erzürnt. „Das ist wie in einem kommunistischen Land“, sagt Antauer, der seit 2024 auch NÖ-Landesrat für Asyl und Sicherheit ist, beim Treffen mit profil. Er sieht in der Stadt das Wahlgeheimnis verletzt, weil Passanten im Vorbeigehen zu leicht erkennen könnten, ob auf dem Zettel ganz links bei der SPÖ oder ganz rechts bei der FPÖ ein Kreuz gemacht werde. „Außerhalb einer Pandemie ist das ein No-Go. Deswegen werden wir es prüfen lassen und anfechten.“ 

profil fragt noch am selben Tag bei Stadler nach, ob alles rechtens zugeht in den Wahlkarten-Kabinen. Keine Antwort. Auch „Heute“ berichtet über das mulmige Gefühl einer Bürgerin bei der Stimmabgabe. Tags darauf sind Vorhänge auf den Kabinen installiert. Die FPÖ ist noch immer nicht erfreut über die Wahlkartenoffensive Stadlers: „Das ist wie eine vorgezogene Wahl.“ Doch in der Kabinen-Causa sei durch die Vorhänge „das Mindeste getan“.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

ist seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor „Wiener Zeitung“, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.