Der Anschlag in der Wiener Innenstadt fand am 2. November. 2020 statt. 

© APA - Austria Presse Agentur

Österreich
10/30/2021

Wien-Terror: Weitere Person war bei Munitionskauf anwesend

Beim Kauf von Patronen, wenige Wochen vor dem Anschlag, soll der Attentäter K.F. in Begleitung erschienen sein. Ob die Person bereits identifiziert wurde, scheint unklar.

von Thomas Hoisl

Zwar nicht unmittelbar bei der Tat, aber in ihrem Vorfeld soll der Wiener IS-Attentäter K.F. Unterstützung bekommen haben – psychisch und logistisch. Sieben Personen befinden sich deshalb aktuell als mutmaßliche Beitragstäter in der Wiener Justizanstalt Josefstadt in Haft. Drei von ihnen sollen in die Beschaffung und Vermittlung der Attentatswaffen verwickelt sein. Der mutmaßliche Waffenhändler selbst soll wiederum ein Slowene sein, der sich dort jedoch auf freiem Fuß befindet. Wie profil vorliegende Ermittlungsakten zeigen soll der Attentäter beim Munitionskauf, wenige Wochen vor dem Anschlag, außerdem in Begleitung erschienen sein. Von einem „Jugendlichen, etwa 17 oder 18 Jahre“ ist die Rede. Ob die Person bereits identifiziert werden konnte, scheint noch unklar.

Jugend im "Block" und IS

Aber der Reihe nach. Am 4. November 2020, zwei Tage nach dem Anschlag, wird ein Jugendfreund des Attentäters auf einer Polizeiinspektion als Zeuge einvernommen. Ishaq F. bringt die Ermittler auf die entscheidende Spur und sitzt wegen seiner Rolle mittlerweile selbst in Haft. Der 21-Jährige kannte den Terroristen seit seinem vierten Lebensjahr, von den großen Wohnsiedlungen in Wien-Liesing, dem "Block", wie er die Gegend nennt. Unter den Jugendlichen drehte sich das Leben damals um Fußball, Kampfsport, Moscheegänge und Treffen in Dönerbuden. "Mit 16 hat er gesagt, er will mit 18 zum IS fliegen, was er dann ja auch machen wollte", sagt Ishaq F. vor den Beamten.

Schon 2018 wollte K. F. nach Syrien reisen, um sich der Terrormiliz anzuschließen. In der Türkei wurde er verhaftet, in Österreich verurteilt. Als K. F. Ende 2019 auf Bewährung freikam, nahm er Kontakt zum Jugendfreund Ishaq F. auf, der gerade eine Strafe in der Justizanstalt Hirtenberg absaß, dort ein illegales Handy besaß. "Er wollte von mir wissen, ob ich im Gefängnis jemanden kenne, der Langwaffen besorgen kann. Ich habe gesagt, es gibt schon Leute hier, die wegen Waffenhandel im Gefängnis sind."

Die Ermittler gehen davon aus, dass Ishaq F. K. F. daraufhin an den damals ebenfalls inhaftierten Iraner Y. vermittelte, mutmaßlich im Frühjahr 2020. Dieser wiederum soll K. F. mit dem Tschetschenen Adam M. in Kontakt gebracht haben. Das alles aus der Haft heraus, wohlgemerkt. Ab Dezember 2020 lässt der Verfassungsschutz den Tschetschenen überwachen und wenig später festnehmen.

"Sehr viele Waffen"

Nach mehrmaligen Einvernahmen gesteht Adam M. die Waffen- und Munitionsübergaben an den späteren Attentäter K. F. ein. Das Sturmgewehr und die Patronen habe ein Mann aus Slowenien, Marsel O., geliefert. "Er hat sehr viel Geld, sehr viele Bekanntschaften, sehr viele Kontakte und sehr viele Waffen", sagt er über O. Dieser sei samt Frau und Kind im Jahr 2020 zweimal nach Wien gereist. Beim ersten Mal im Sommer habe Adam M. den späteren Attentäter K. F. bei einer Shishabar im 2. Bezirk getroffen. Marsel O. habe einen roten Mazda in der Nähe geparkt, im Kofferraum die Tasche mit dem Sturmgewehr. "Er hat mir gesagt, ich solle von K. das Geld nehmen und K. die Tasche geben."

Beim zweiten Mal, "ca. 2, 3 oder 4 Wochen vor dem Attentat", so M., soll der Slowene in einem 7er-BMW die Munition geliefert haben. Bei der Übergabe in der Vivariumstraße sei Adam M. abermals als Vermittler dabeigewesen. Die Patronen seien K.F. für geschätzt 2000 Euro in einem Plastiksack übergeben worden. Bemerkenswert: Der spätere Attentäter sei diesmal in Begleitung einer weiteren Person erschienen, meint M.: "Er wurde von einem Jugendlichen, etwa 17 oder 18 Jahre, begleitet." Und bekräftigt später: "Die beiden haben definitiv zusammengehört." Ob die Person bereits identifiziert ist, scheint noch unklar. Einem anderen Zeugen zufolge könnte es sich um einen Verdächtigen handeln, mit dem der Attentäter in den Tagen vor dem Anschlag Kontakt hatte.  Bei einer erneuten Einvernahme im Juni legten Ermittler Adam M. entsprechende Fotos aus dem Umfeld von K. F. vor. Eindeutig zuordnen konnte M. aber keinen von ihnen.

Der mutmaßliche Waffenhändler Marsel O. befindet sich wiederum in Slowenien auf freiem Fuß. Für eine Untersuchungshaft reiche die Beweislage derzeit nicht aus, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft.
Neben Adam M. und den mutmaßlichen Vermittlern Y. und Ishaq F. befinden sich noch vier weitere Personen aus dem Umfeld von K. F. in Haft. Zwei sollen ihm am Tattag einen verdächtigen Besuch abgestattet haben, ein Dritter habe in der Zeit vor dem Attentat bei K. F. gewohnt. Gegen über 30 Personen laufen daneben noch erweiterte Ermittlungen.

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