Wendelin Mölzer: Der Clan bestimmt maßgeblich die Politik der FPÖ

Zur Zeit - Wendelin Mölzer: Der Clan bestimmt maßgeblich die Politik der FPÖ

Der Mölzer-Clan bestimmt maßgeblich die Politik der FPÖ. Jetzt hat EU-Mandatar Andreas Mölzer seinem ältesten Sohn die berüchtigte Wochenzeitung "Zur Zeit“ übergeben.

Vor einer Woche wurde der neue freiheitliche Nationalratsabgeordnete Wendelin Mölzer, 34 Jahre alt, zum Chefredakteur von "Zur Zeit“ bestellt - ein rechtsextremes Blatt und ein Familienbetrieb, der den Mölzers sowie Freunden der Mölzers gehört. In der Öffentlichkeit ist der älteste Mölzer-Sohn bisher kaum in Erscheinung getreten, und wenn, dann mit einschlägigen Meldungen, die auch aus dem Munde seines Vaters, des freiheitlichen EU-Abgeordneten Andreas, hätten stammen können. So hat einer der beiden vor Kurzem davor gewarnt, dass "die linke Kärntner Landesregierung unsere schönen Kärntner Täler, die (…) mit Abwanderung zu kämpfen haben, mit Ausländern fluten“ wolle. Die Austria-Presse-Agentur gibt dafür Wendelin Mölzer als Quelle an. Er selbst gibt sich ahnungslos: "Das muss von meinem Vater gewesen sein, aber ich teile die Meinung im Zweifelsfall.“

Das wird wohl auch in Zukunft so sein. Sein junges Leben verlief schon bisher in den Bahnen seines Milieus. Ohne die geringste Abweichung. Wendelin Mölzer ist eine unauffällige Erscheinung: Er trägt das leidgeprüfte Gesicht eines Erfüllungsgehilfen - ein Sohn, der dem illustren Vater folgt.

Als Student wurde Mölzer Mitglied derselben schlagenden Burschenschaft, bei der sich schon sein Vater die Schmisse geholt hatte. Er volontierte bei der "Kronen Zeitung“, als sein Vater dort eine Kolumne hatte. Er war Praktikant im ORF-Kärnten unter Jörg Haider als Landeshauptmann. Seit 2003 schon arbeitet Wendelin, wie auch sein jüngerer Bruder Wolf-Rüdiger, der nebenbei beim Ring Freiheitlicher Studenten mitmischt, an der Seite des Vaters bei "Zur Zeit“ mit. Als Mölzer senior mit Hilfe der Burschenschafter in der FPÖ das Europamandat in Straßburg erkämpfte, damit Haider und die Spaltung der FPÖ provozierte und Strache die Partei übernahm, heuerte der Sohn im FPÖ-Klub an und war dort für Europa und Außenpolitik zuständig. Vater und Sohn verwirklichten gemeinsam mehrere Buchprojekte, die im Familienverlag herauskamen.

"Urkatastrophe"

Wenn Mölzer auch nicht sagt, dass "man eine freiheitliche Frau haben muss“, so hat er natürlich eine - eine Strache-Sekretärin, derzeit auf Karenz. Mölzer wurde vergangene Woche das erste Mal Vater. Stolz zeigt er in diesen Tagen auch die erste Nummer von "Zur Zeit“, die unter seiner Verantwortung zustande gekommen ist. Mit großem Eifer widmet man sich darin der "Urkatastrophe“ des Ersten Weltkrieges und feiert die "neue historische Wahrheit“, dass nämlich die Deutschen gar nicht allein schuld waren am Ausbruch des Ersten Weltkrieges. "Damals wurden viele Grundlagen für den Nationalsozialismus geschaffen“, sagt Mölzer junior, und man ahnt die ferne Hoffnung, dass jetzt vielleicht auch einmal die deutsche Kriegsschuld im Zweiten Weltkrieg diskutiert werde.

Kind des aufstrebenden Rechtspopulismus
"Zur Zeit“ hat das ohnehin schon immer gemacht. Sie ist ein Kind des aufstrebenden Rechtspopulismus unter Jörg Haider. Mit Hilfe von Freunden, wie dem deutschen Verleger Herbert Fleissner, hatte Andreas Mölzer die Wochenzeitung im Jahr 1997 gegründet. Er hatte eine Plattform gebraucht, denn in der Haider-FPÖ gab es eine Phase, in der rechtsnationale Burschenschaften nicht mehr so wohl gelitten waren, und Mölzer war kaltgestellt worden. Er musste die FPÖ-Akademie abgeben und bekam auch kein Mandat. Seine Rede von der "Umvolkung“, die heute niemanden mehr stört, hatte damals zum Zerwürfnis mit Haider geführt. Mölzer junior lernte daraus, sich "nicht auf die Politik zu verlassen“, sagt er. Existenzielle Sorgen hatte die Familie nicht. Mölzers Mutter ist in Kärnten Direktorin einer Volkschule.

Frauenquote bis Sterbehilfe
"Zur Zeit“ ist heute eine intelligent gemachte rechtsextreme Zeitung, an der sich Politiker von rechts außen in ganz Europa orientieren. Sie greift geschickt die Themen des Feuilletons auf, Zeitgeistdebatten von Frauenquote bis Sterbehilfe. Der "Arabische Frühling“, Obamas Fehler, Energiewende, modernes Regietheater, Bayreuth, Sarrazin - jeweils ganz nach rechts gewendet. Da heißt es dann schon einmal "Ganz Afrika will auswandern“ auf dem Titelbild, und das Cover zur NSA-Spitzelfaffäre ist mit einem Sujet aus der NS-Zeit und dem Schriftzug "Vorsicht! Feind hört mit!“ illustriert.

„Alles, was nicht links ist“
"Unsere Blattlinie ist, in den Worten meines Vaters, alles, was nicht links ist“, sagt Mölzer. Tatsächlich scheint es manchmal wie eine Camouflage für antisemitischen und NS-verharmlosenden Unterschleif. (siehe Kasten). Mehrmals schon ist "Zur Zeit“ am NS-Verbotsgesetz entlanggeschrammt.

Mit der schillernden Vita des Vaters, dessen Lust am Provozieren, einer gewissen Exzentrik, die es ihm möglich machte, eine Art Nazi-Porno zu veröffentlichen ("Und nun, da die Bronzehäutige willenlos unter ihm lag, da er keinen Widerstand mehr verspürte, drang er mit einem Ruck in sie ein“), kann der Sohn freilich nicht mithalten. Es fehlt der Sarkasmus .

Wenn Mölzer junior spricht, hört man im Geiste den Vater reden. Es ist dieselbe Stimme, dieselbe Intonation. Dieselbe Art, sich rauszureden. "Ach, der Walter Lüftl“ (der Holocaust-Leugner, der in einem Mölzer-Buch einen Beitrag veröffentlichte, Anm. d. Red.) - "der Romig, der verstorbene Prantner, die Grund“ - "das ist nicht meine persönliche Weltanschauung“, sagt Mölzer junior. "Aber wir geben nicht politisch-korrekten Positionen einen Platz. Und wir reden auch mit Spinnern.“

Mölzer wäre heute nichts mehr in der FPÖ ohne seine Wochenzeitung. Auch für seinen Sohn wird "Zur Zeit“ sowohl Tribüne wie Sicherheitsnetz sein. Zumal das Blatt unter dem Titel Vertriebsförderung jedes Jahr etwa 45.000 Euro aus Steuermitteln bezieht.

Zitate aus „Zur Zeit”

"Das Blut gemordeter Christen, vergossen durch jüdische Hand, schreit zum Himmel“, meint Robert Prantner und lässt die antisemitische Ritualmordlegende wieder aufleben. (7/1997)

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"Man sollte Bürgern nicht das Gefühl geben, dass sie ad infinitum als Melkkuh für Ansprüche herhalten müssen, für die es keine rechtliche und moralische Grundlage mehr gibt“, kritisiert Andreas Mölzer die Restitution arisierten Vermögens. (34/1998)

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Hans Gamlich beruft sich auf den Holocaust-Leugner Walter Lüftl und meint, "Massenvergasungen“ hätten "nicht stattgefunden“.(23/1999)

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"Man wird doch von Überfremdung sprechen dürfen“, klagt Helmut Müller (38/1999)

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"Warum machte sich das jüdische Volk so unbeliebt, dass es immer wieder zu Ausschreitungen und Progromen kam“, fragt Franz Sitte. (29/2002)

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"Die Volksgemeinschafts-Ideologie des Nationalsozialismus schuf in kürzester Zeit (…) ein überaus effektives beschäftigungspolitisches Programm“, lobt Andreas Mölzer. (21/2003)

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Friedrich Romig sieht die Globalisierung "als Weg, auf dem das Judentum (…) weltweite Dominanz erlangt“. (46/2003)

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Der britische Holocaust-Leugner David Irving klagt, das "organisierte Weltjudentum“ würde ihn verfolgen. (5/2007)

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Bruno Golnisch vom Front National sieht die Gesellschaft "von außen bedroht durch die Ausländerflut, von innen durch unsere eigene Dekadenz“ (November/2005)

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"Hitlers Diplomatie war zuweilen unorthodox, wenn er die ausgetretenen Pfade des Verhandlungswegs verließ und mit einem Überraschungscoup vollendete Tatsachen schuf“, schwärmt Roland Pregler. (14-15/2007)

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"Man denke nur an den üblichen politisch korrekten Aufschrei, wenn ein wegen Drogenhandel verurteilter Neger bei seiner Abschiebung (...) ein paar Kratzer bekommt.“ (18/2009)

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"Dass die Vereinigten Staaten auf den Grundsätzen der Freimaurerei aufbauen, zeugt ein Blick auf die Ein-Dollar-Note ebenso wie auf den Grundriss der US-amerikanischen Hauptstadt“ weiß Helge Morgengrauen (18/2011)

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"Alles, was Israel (…) unternimmt, ist Ausdruck von Israels dunklem, versteckten, bösen Charakter“, glaubt Johanna Grund (26-27/2012)

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"Bei den Magyaren erhebt sich die Frage, ob sie Arier (…) sind“, so Erich Körner-Lakatos (47/2012)

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Mit der Verurteilung des Neonazis Gottfried Küssel stelle sich Österreich "in eine Reihe mit China oder Nordkorea“, echauffiert sich Martin Pfeiffer (3/2013)