Zwischenfall bei einem Flüchtlingsheim in Rechnitz: Asylwerber verletzt, Quartiergeberin wüst beschimpft

Zwischenfall bei einem Flüchtlingsheim in Rechnitz: Asylwerber verletzt, Quartiergeberin wüst beschimpft

Nächtlicher Zwischenfall bei einem Flüchtlingsheim in Rechnitz: Ein Asylwerber wird verletzt, die Quartiergeberin wüst beschimpft.

Theresia W. ist eine beherzte Frau. Am 23. November, als gegen halb drei Uhr früh Gebrüll vom Hof in ihr Schlafzimmer unterm Dach dringt, geht sie hinunter, um für nächtliche Ruhe zu sorgen. In dem ehemaligen Gästehaus in Rechnitz leben 20 Flüchtlinge, syrische Familien mit Kindern, einige alleinstehende Männer und Frauen. W. denkt, „da streiten ein paar von unseren Leuten“.

Sie tritt vor die Tür und sieht unbekannte Gestalten, die Richtung Straße laufen. Am Eingangstor stellt sie die Eindringlinge: „Was habt ihr hier verloren?“ Sofort ergießt sich eine Tirade wüster Beschimpfungen über sie. Tenor: Die „Scheiß Ausländer“, mit denen sie einen „Haufen Geld“ verdiene, sollten aus Rechnitz verschwinden, und sie, ihre Quartiergeberin, gleich mit ihnen.

Wachdienst muss einschreiten
In der Einfahrt sieht W. die Hausschuhe liegen, die der junge Afghane R. verloren hat. Der Asylwerber, der seit Mitte Oktober in ihrer Flüchtlingspension lebt, blutet am Kopf. Als die Polizei auftaucht, sind nur mehr drei der unliebsamen Besucher vor Ort, zwei davon verlangen nach der Rettung. Der Rest der Truppe – laut Zeugen sechs Personen aus dem Nachbarort, darunter auch Frauen – hat sich bereits entfernt.
Im Spital in Oberwart trifft der Asylwerber R. auf zwei der Kontrahenten, die ebenfalls verarztet wurden. Wieder beschimpfen sie R. rassistisch. Der Wachdienst muss einschreiten und die pöbelnden Männer kalmieren – „ohne physische Einwirkung“, wie der ärztliche Leiter des Spitals, Kurt Resetarits, gegenüber „profil“ sagt. Im Protokoll des Nachtdienstes ist der Zwischenfall vermerkt, nicht jedoch, welche Beschimpfungen genau gefallen sind.

Der Asylwerber R. lebt seit eineinhalb Jahren in Rechnitz, zuerst in einem vom Flüchtlingsdienst der Diakonie betreuten Heim für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge; Mitte Oktober übersiedelte er in die Pension von Frau W. Hier wie dort ist er als angenehmer, „allseits beliebter“, junger Mann bekannt. R. spielt in einer Nachbargemeinde Fußball.

„Scheiß Ausländer!“, „Scheiß Kanaken!“
In der fraglichen Nacht war er aus dem Schlaf aufgeschreckt, wie er der Polizei später schildert, weil es von der Straße gegen seine Rollos klopft. Sein erster Gedanke: Da macht sich jemand einen Spaß. Der zweite: Vielleicht braucht jemand Hilfe. Als er vor die Tür tritt, spürt er einen Schlag im Gesicht. Ein paar Männer brüllen „Scheiß Ausländer!“, „Scheiß Kanaken!“, er läuft in den Hof, wo er sich gegen drei, vier Männer wehrt, bis sein Zimmerkollege Q., inzwischen ebenfalls wach geworden, ihm zu Hilfe eilt. Er muss ebenfalls Schläge einstecken.

Noch am selben Tag postet einer der Raufbolde – ein Einheimischer namens A. – auf Facebook stolz seine Sicht der „filmreifen Action“: Von einer „tollen Geburtstagsfeier“ kommend, hätte man in der Höhe des Flüchtlingsquartiers die Straßenseite gewechselt, auf einmal sei das Eingangstor aufgegangen, „und es sprangen drei Asylanten heraus“. „König Alois“ – offenbar der Spitzname eines der Kumpanen – sei von einem „Asylanten mit einem Hechtsprung zu Boden geschleudert und mit einem Elektroschocker attackiert“ worden, ein Zweiter sei „am rechten Auge schwer verletzt“ worden.

Die Schilderung endet mit den eindringlichen Worten, „[…] was muß geschehen das einer Stirbt wird nicht mehr lange dauern gut das wir eine Gruppe waren sonnst währe das schrecklich ausgegangen und was denkt ihr jetzt ich kann es euch sagen die Asylanten werden Gewinnen nicht die Österreicher Österreich wird es bald nicht mehr geben wenn wir nicht bald was unternehmen […]“ Eine Frau postet darunter: „Ja weg damit mit solchen leuten.“ Ein anderer: „Drecksxindl dreckigs …“
A. schätzt die Unterstützung: „Danke an alle bin morgen bei der Zeitung“. Einer der Beteiligten postet ein Bild von seiner verarzteten Wange. A. repliziert: „Gut das Foto brauchen wir für die Zeitung morgen geht’s los.“ Tatsächlich vermeldet die Bezirkszeitung Güssing/Jennersdorf den „Raufhandel“ kurz darauf in der völlig unwidersprochenen Version der Facebook-Truppe. Erst als sich die Betreiberin in der Flüchlingsunterkunft zu Wort meldet – „Ich kann zu tausend Prozent bestätigen, dass die Asylwerber, die bei mir wohnen, vollkommen unschuldig sind. Das ganze Haus war ruhig, jeder hat geschlafen, bis die Trunkenbolde eingefallen sind“ – folgt eine Berichtigung: Recherchen hätten ergeben, „dass sich der Vorfall ganz anders zugetragen haben dürfte“.

Causa bei Staatsanwaltschaft anhängig
Der Sohn der Quartiersgeberin, Stefan W., der den verletzten Asylwerber R. ins Spital brachte, sagt: „Es ist eine seltsame Vorstellung, dass unsere Leute die ganze Nacht wach liegen, um darauf zu warten, dass jemand vorbei kommt, den sie angreifen könnten.“

Die Polizei kann bis dato nicht sagen, was sich zugetragen hat. Von den beteiligten Personen wurden drei ausgeforscht, wo die anderen geblieben sind, gehe aus dem Akt nicht hervor, so der Sprecher der Landespolizeidirektion Eisenstadt. Ein ausländerfeindlicher Hintergrund sei noch nicht erwiesen. Inzwischen ist die Causa bei der Staatsanwaltschaft anhängig.