Michael Nikbakhsh: Santé

Michael Nikbakhsh: Santé

Eine Frage, die dieser Tage von mehreren Seiten an mich herangetragen wurde: Darf man einen 1999er Dom-Pérignon-Champagner mit Crème de Cassis oder Orangensaft versetzen? Oder ist das nicht ziemlich ordinär?

Zum besseren Verständnis: Im Rahmen der Titelgeschichte zu Alfred Gusenbauers geschäftlichen Verbindungen nach Kasachstan veröffentlichte ich auch die – viel diskutierte – Menükarte eines Gala-Dinners für Nursultan Nasarbajews Berater, zu denen Gusenbauer sich ja seit 2010 zählen darf. Und da wurde als Aperitif eben 99er Dom Pérignon mit Cassis (für Kir Royal) oder Orangensaft (für Mimosa) gereicht. Ist das also comme il faut? Gegenfrage: Warum sollte es das nicht sein? Wär’s ein jahrgangsloser No-Name-Diesel, tetrapackstyle, wär’s ja nicht ancien régime – und konsequenterweise nur das halbe Pläsierchen (also zumindest das, was Herr Gusenbauer darunter versteht). Erst die Panscherei verleiht dem Champagner – also eigentlich dem, der ihn im Glase hat – eine Anmutung von Weltläufigkeit und Nonchalance, um nicht zu sagen: Wurschtigkeit. Abgesehen davon bewahrt Dom Pérignon einen eher vor Kopfschmerzen. Auch eine Art Prophylaxe.

Verpantschte Sozialdemokratie

Bleibt noch die Frage, ob der Konsum von Jahrgangs- champagner – in welchem Aggregatzustand auch immer – einem Sozialdemokraten zuzubilligen ist. Pourquoi pas? Die Sozialdemokratie ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Auch sie hat sich, wenn man so will, im Laufe der Jahre verpanscht. Abgesehen davon weiß ja ohnehin niemand so genau, wie viel Sozialdemokratie tatsächlich in Gusenbauer steckt.