DATENSCHÜTZER: Max Schrems hat eine Sammelklage eingereicht. Sie
liegt beim Europäischen Gerichtshof.

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Gesellschaft

Privatsphäre auf Facebook?

Vielen Nutzern ist nicht bewusst, wie viele Spuren sie hinterlassen. Ein kleiner Überblick, was Facebook speichert und wie un-anonym wir sind.

Wer wissen will, was Facebook weiß, schaut am besten auf Facebook nach. Unter facebook.com/ads/preferences findet man eine Übersicht, welche "Interessen“ Facebook einem zuordnet. Besonders spannend ist der Punkt "Lifestyle und Kultur“, der unter anderem auflistet, welche politischen Interessen Facebook zuschreibt - und von welcher Partei man womöglich besonders viel Werbung eingeblendet bekommt. Manche Zuordnung ist unbehaglich treffsicher (das reicht bis zur Erkenntnis, dass Facebook weiß, dass man ein "Nerd“ ist). Andere Annahmen zielen dramatisch an der Wirklichkeit vorbei (etwa wenn das Netzwerk den Eindruck hat, dass einen Werbung für den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump interessieren könnte).

Diese Interessenliste ist natürlich nur ein Bruchteil der Information, die Facebook sammelt. Facebook wertet nicht nur aus, worauf man klickt oder bei wem man auf "gefällt mir“ drückt - es weiß auch, über welchen Postings man verhältnismäßig viel Zeit verbringt. Selbst wenn also absichtlich nicht auf "Like“ geklickt wird, weil man nur unauffällig mitlesen will, weiß Facebook Bescheid. Es sammelt diese Information, um möglichst interessante Inhalte einzublenden - die Plattform will schließlich, dass man möglichst viel Zeit dort verbringt und dementsprechend viel Werbung konsumiert.

Facebook "trackt" Nutzer

Um zielgerichtete Werbung zu erhalten, wird nicht nur das Nutzungsverhalten innerhalb von Facebook analysiert. Anfang 2015 führte Facebook eine bedeutende Änderung der Geschäftsbedingungen ein: Der Konzern räumte sich das Recht ein, Nutzer über das Web hinweg zu "tracken“, also nachzuverfolgen, wer welche Website besucht hat. Wer auf Facebook eingeloggt ist und nebenbei im Web surft, hinterlässt tiefe Datenspuren. Denn viele Websites bieten die Funktion an, einzelne Artikel oder die ganze Site zu "liken“. Über diesen "Like“-Knopf kann Facebook "Cookies“ im Browser ablegen - Datenkrümel, die dem Unternehmen verraten, welche Nutzer-ID auf welchen Websites aktiv war. "Wir verwenden Cookies, um Unternehmen dabei zu unterstützen, etwas darüber zu erfahren, welchen Personen ihre Facebook-Site gefällt bzw. welche Personen ihre Apps verwenden, sodass sie relevantere Inhalte bereitstellen und Funktionen entwickeln können, die wahrscheinlich von Interesse für ihre Kunden sind“, erklärt Facebook. Die Plattform betont außerdem, dass sie ihren Marketingkunden niemals die realen Namen von Nutzern mitteilt - es handle sich um anonymisierte Userdaten.

Der Datenschutz-Aktivist Max Schrems bezweifelt, dass den meisten Facebook-Nutzern bewusst ist, wie viele Daten Facebook über sie sammelt. Davon abgesehen stellt sich die grundsätzliche Frage, ob es so etwas wie Online-Anonymität überhaupt noch gibt. Wer genügend Information über einen unbekannten Nutzer hat, kann diesen auch identifizieren. Ein Beispiel: Der Konzern AOL veröffentlichte im Jahr 2006 zu Forschungszwecken 20 Millionen Suchanfragen. Die Daten waren anonymisiert, dem Browserverhalten waren lediglich kryptische Usernummern zugeordnet. Die "New York Times“ konnte einzelne Nutzer trotzdem enttarnen: Bei der Usernummer 4417749 handelte es sich etwa um eine 62-jährige Witwe aus Georgia, die nach "Single-Männern ab 60“ gesucht hatte. Als die "New York Times“-Reporter die Frau kontaktierten und ihr die eigene Such-Historie darlegten, sagte sie: "Meine Güte, das ist ja mein ganzes Leben!“ Das Beispiel zeigt, dass der Nutzer sehr leicht unterschätzt, wie viel das eigene Surf-Verhalten verrät. Das gelte genauso fürs Facebook-Verhalten - mit nicht abschätzbaren Effekten, meint Schrems: "Die Nutzungsbedingungen von Facebook ähneln einem Blankoscheck: Wer bei dem sozialen Netzwerk dabei sein will, muss diesen Geschäftsbedingungen zustimmen. Sie sind aber so vage verfasst, dass wir überhaupt nicht abschätzen können, was mit unseren Daten passiert.“

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