Agnes Husslein-Arco, 62, Noch-Direktorin des Belvedere

Agnes Husslein-Arco, 62, Noch-Direktorin des Belvedere

Kultur

Abrechnung: Die Ressourcen des Belevedere

Belvedere-Chefin Husslein hat Ressourcen des Museums privat genutzt. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie dies tat, mutet befremdlich an.

Eine stattliche Reihe von Künstlern, Museumsdirektoren und Kuratoren unterzeichnete kürzlich eine Petition an Kulturminister Thomas Drozda: Er möge den Vertrag von Belvedere-Chefin Agnes Husslein verlängern und sich "gegen den destruktiven Willen aller vorgestrigen und hoffnungsfrohen Besserwisser, Skeptiker und Kunstfeinde“ stellen. Wie eine Überprüfung in der Vorwoche aber zutage förderte, hatte Husslein Ressourcen des Hauses privat genutzt, in durchaus ähnlicher Manier wie ihre einstigen Kollegen Gerald Matt (Kunsthalle Wien) und Peter Noever (MAK).

Dabei ist der kolportierte Betrag von 13.000 Euro (den Husslein dem Belvedere zurückzahlen will) keineswegs eine Bagatelle, wie mancherorts behauptet wird: Immerhin entspricht die Summe mehreren Monatsgehältern durchschnittlich verdienender Menschen. Und wenn die Direktorin EDV-Installationen und Reparaturen in ihrer Privatwohnung damit begründet, dass sie manchmal daheim arbeite und dort Gäste des Belvedere empfange, dann muss wohl jede Kuratorin, die abends an ihrem (nicht durch Haustechniker gewarteten) Privatcomputer sitzt, den Kopf schütteln.


Dass Thomas Drozda Husslein nun so schnell wie möglich einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite stellen will, kann nicht als Vertrauensvorschuss gewertet werden.

Ebenso befremdlich mutet die Selbstverständlichkeit an, mit der Husslein ihren Sommerfrischeort Pörtschach zur Außendienststelle deklarierte. 2014 fielen dafür 2206,60 Euro Kilometergeld an, wie eine - profil vorliegende - Abrechnung auflistet. Vom Mai 2014 datiert eine Aufstellung über einige Nächte im Luxushotel "The Mark“ in New York - mit Raten zwischen 825 und 1025 Dollar pro Nacht zuzüglich Steuern. Es passt ins Bild, dass jene Prokuristin, von der die Überprüfung angezettelt worden war, nun dienstfrei gestellt wurde - wogegen sie inzwischen mit einem Anwaltsschreiben reagiert hat. Was genau daran "kunstfeindlich“ sein soll, solche Vorgänge zu kritisieren, erschließt sich nicht.

Das Belvedere-Kuratorium empfahl Drozda, Husslein zwar bis Ende dieses Jahres (so lange läuft ihr Vertrag noch) zu beschäftigen, nicht aber, diesen zu verlängern. Darüber soll in den nächsten Wochen beraten werden. Dass Drozda Husslein nun so schnell wie möglich einen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite stellen will, kann nicht als Vertrauensvorschuss gewertet werden.

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  • Rudolf Fitz (Bunti) Di, 30. Aug. 2016 07:15

    GOLD FÜR ÖSTERREICH
    Im Belverdere hat in den letzten Jahren ein Highlight das andere gejagt - in einer Qualität, die man international kaum findet. Museumsdirektoren müssen keine Sympathieträger sein. Sie müssen für die Sache brennen, um andere anzuzünden und zu begeistern. Gäbe es eine Olympiade für Neid und Missgunst,
    hätte Österreich kein Problem mit dem Erringen von Goldmedaillen.

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  • Hans Csokor Di, 19. Jul. 2016 16:04

    1. traurig ist es, dass renommierte Künstler wie Erwin Wurm, eine Petition zugunsten von Frau Husslein unterzeichnen, und gleichzeitig bekannt wird, dass das Belvedere Werke von ihm kauft oder gekauft hat.
    2. noch trauriger ist, dass Frau Hussleins Aussage, dass alles, was ihr vorgeworfen wird, dem Kuratorium seit Jahren bekannt sei, also "gängige und akzeptiert Praxis" - sehr österreichisch also!

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